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Hl. Georg Abt von Cernica

Text aus: Metropolit Serafim - Hesychasmus, Rumänische Tradition und Kultur, Der Christliche Osten Verl., Würzburg, 2003

Das Leben des Hl. Georg (Gheorghe) von Cernica

Ein kurzes Leben unseres ehrwürdigen Vaters, Starez Georg wurde von seinem Schüler, dem Erzmönch Protasius, verfaßt.1 Nach diesem Leben stammte Georg aus Transilvanien. In seiner Jugend brach er zum Berg Athos auf, um dort Mönch zu werden. In Bukarest aber traf er auf einen griechischen Metropoliten (Rosca), der ihn zu seinem Schüler machte. Mit ihm ging Georg nach Konstantinopel, wo sie drei Jahre lang blieben. Danach gingen sie ins Kloster Vatopedi, auf dem Berg Athos. Georg zog die Mönchskutte an und wurde zum Diakon geweiht. Nach dem Tod seines Meisters schloß er sich der jungen Gemeinschaft des Starez Paisius im Skit St. Elias an, wo er schon Bald die Priesterweihe erhielt. Nach seiner eigenen Aussage lebte er dort vierundzwanzig Jahre lang „in Unterwerfung und unter der Führung seines Starez Paisius, des gerechten Alten„2. Ihm folge er überall hin: zum Berg Athos, nach Dragomirna, Secu und Neamtz. Im Jahre 1781, nach zwei Jahren in der paisianischen Gemeinschaft in Neamtz, verließ Georg das Kloster „mit der Zustimmung und dem Segen seines Starez, des ehrwürdigen Paisius„3 um endgültig auf den Berg Athos zurückzukehren. Was die Gründe für seine Abreise angeht, so sagen die alten Manuskripte nichts aus oder sind ungenau. Sein Biograph sagt nur vage, daß „ihn eine brennende Unruhe drängte, zum Heiligen Berg zurückzukehren".

Bevor er zum Berg Athos aufbrach, machte Starez Georg halt in Bukarest, bei seinem Freund dem Archimandriten Makarius dem Lehrer, ein alter Schüler von Paisius auf dem Berg Athos und in der Moldau. Makarius war vom Metropoliten Gregor II. nach Bukarest gerufen worden, um Bücher zu übersetzen. Er erfüllte gleichzeitig auch die Funktion des Eklesiarchen und Predigers in der Kathedrale der Metropolie. Nachdem der Metropolit, dem sehr daran lag „in seiner Eparchie zenobitische Klöster zu haben„, mit Georg gesprochen und dessen Qualitäten erkannt hatte, bestand er darauf, daß Georg sein Vorhaben, zum Berg Athos zu reisen, aufgab und in seinem Land bleibe, um dort „eine Gemeinschaft frommer Väter zu gründen, wie es der ehrenwerte Paisius in der Moldau getan hatte.„4 Georg nahm den Vorschlag des Metropoliten mit großer Mühe an. Er suchte sich aber nicht eines der großen Klöster des Landes aus, wie ihm der Metropolit vorschlug, sondern einen Skit, welcher seit dreißig Jahren verlassen war und in Ruinen dalag. Es war der Skit Cernica, gegründet Anfang des 17. Jahrhunderts (1608) vom Bojaren Cernica. Starez Georg verwandelte ihn schnell in ein großes Zenobium von hundertunddrei Mönchen. Im Jahre 1794 übertrugen ihm die Landesherren auch die Leitung von Caldarusani, ein großes, auf eine fürstliche Gründung zurückgehendes Kloster in der Nähe von Bukarest. Auf diese Weise gediehen die zwei vereinigten Gemeinschaften nach dem Vorbild von Neamtz und Secu in der Moldau in jeder Hinsicht unter der Führung des Starez und dessen Nachfolgern. Georg starb am 3. Dezember 1806 und wurde „hinter der Tür zum Pronaos„5, in der Kirche von Cernica, beigesetzt.

Über die Beziehungen zwischen Starez Paisius und Starez Georg, nachdem letzterer 1781 Neamtz verließ, ist nichts bekannt. Bekannt ist aber, daß Georg die Erinnerung an seinen Meister stets in Ehren hielt. Er und seine Schüler pflegten sich „Paisianer„6 zu nennen, und in seinem Testament weist er sie an, die Prinzipien von Paisius’ Gemeinschaft einzuhalten, „weil die Regel jenes Heiligen auf sieben unerschütterlichen Säulen ruht, die die sieben Laudes (tägliche Gebete) der Kirche, unserer Mutter, sind.„7 Für ihn blieb Paisius immer „mein Starez„, „der gerechte Alte„, der zum Ruhme unseres Mönchtums „das Gemeinschaftsleben nach Regeln erneuerte, die von allen geschätzt werden.„8 So verwundert es nicht, daß es im Kloster Cheia (Kreis Prahova) heute noch Gemälde zu sehen gibt, die Georg und Paisius Seite an Seite zeigen. Was Paisius für den Monachismus der Moldau war, war Georg für den der Walachei.

 Das Vermächtnis des Starez Georg

 Das einzige bekannte Werk von Starez Georg ist ein langes Testament, geschrieben 1785, zwanzig Jahre vor seinem Tod. In jenem Jahr erkrankte er an einer schweren Krankheit, die ihn beinahe umbrachte. Für die fünfundfünfzig Mönche seiner jungen Gemeinschaft (sie bestand erst seit vier Jahren) wollte er einen geschriebenen Leitfaden hinterlassen, der ihn irgendwie ersetzen sollte. So verfaßte er ein Testament in Form eines langen Diskurses, in dem der Starez mit manchmal sehr gut gewählten Worten, die von großem väterlichen Gefühl zeugen, zum letzten Mal zu seinen Schülern spricht, den „geistigen Lämmern Christi, seines Schöpfers„, um sie an die wichtigsten Pflichten bezüglich des inneren Lebens jedes Einzelnen und auch bezüglich des Gemeinschaftslebens zu gemahnen. Dieses Vermächtnis, welches gleich einer monastischen Regel auch eine Deutliche  und spirituelle Leiter mit sieben Stufen enthält, wurde sofort dem Metropoliten des Landes zugeschickt, um dessen Zustimmung zu erhalten. Nachdem dieser „die Richtigkeit seiner Lehren„erkannt hatte, setzte er am 13. März 1785 sein Siegel darauf und schickte es zurück an den Skit, den Mönchen zur Befolgung. Das Testament wurde in den Klöstern Cernica und Caldarusani noch zu Lebzeiten des Starez mehrmals kopiert und übte einen großen Einfluß auf die Mönche dieser beiden Gemeinschaften aus.

 Der ehrwürdige Starez beginnt seine Lehren mit einem langen Gebet an den heiligen Hierarchen Nikolaus, den Schutzpatron des Skites, damit dieser für seine Schüler ein „wachsamer Beschützer„, „wirkungsvoller Helfer„in der Erfüllung ihrer monastischen Gelübde und „Hort der Hesychia„zu ihrem Heil sei.9

Darauf folgt der erste Teil des Testaments, mit der Überschrift Die dauerhafte Ordnung der demütigen Gemeinschaft nach meinem Tod, in dem der Starez seine Nachfolge regelt und das spirituelle Erbe definiert, welches er seinen Söhnen hinterläßt.10 Der zweite Teil ist mehr eine Regel für das innere Leben des Klosters. Er besteht aus sieben Stufen und heißt Deutliche und spirituelle Leiter. Um den spezifischen Charakter dieser Regel zu verdeutlichen, seien im folgenden einige ihrer Hauptpunkte beschrieben: Zuallererst fällt die große Besorgnis des Starez auf, eine geeinte Gemeinschaft zu gründen, innerhalb derer die Brüder einander lieben. In diesem Sinne ist er der Meinung, daß „die größte Tugend, von der das gesamte Heil des Mönches abhängt„die Unterwerfung sei. Achtet die Unterwerfung wie eure eigene Seele„, schreibt er in der ersten Stufe seiner Leiter. Und das „nicht aus irgendwelchem Interesse... sondern allein zum Wohle des Nächsten". So „werdet ihr das Gebot der Liebe erfüllen".11

Der wichtigste Aspekt der Unterwerfung des Mönches ist der bedingungslose Gehorsam dem Abt gegenüber. „Tut nichts, auch nicht die kleinste Kleinigkeit, ohne den Segen des Oberen.„Andernfalls" verliert ihr den inneren Frieden, der daraus entspringt.„12

Eine weitere wesentliche Bedingung für den spirituellen Fortschritt ist das häufige Beichten der Sünden. Die Schüler werden dazu angehalten, „die geheimsten Gedanken und alle Verfehlungen„regelmäßig zu beichten (dreimal die Woche). Tun sie dies nicht, werden sie Sünden verfallen, die jeglichen spirituellen Fortschritt verhindern. „Das Heil„, sagt er, „ist weit von denjenigen entfernt, die die Erfahrung der Beichte nicht besitzen.13 Wenn der Starez so etwas behauptet, meint er mit Beichte zweifellos nicht nur die sakrale Handlung, mittels derer man die Vergebung der Sünden erlangt, sondern auch das intime Verhältnis zwischen geistlichem Vater und geistlichem Sohn. Die geistliche Führung nimmt im Verlauf der Beichte sakralen Charakter an. Die Tatsache, das man der Beichte fähig ist, oder „die Erfahrung der Beichte hat„ist demzufolge eine regelrechte Kunst, von der das Heil selbst abhängt.

Bezüglich der Kommunion rät der Starez den Mönchen, sie außer in Ausnahmefällen, zwölfmal im Jahr zu empfangen. Seiner Ansicht nach ist sie der „Königsweg„zwischen der Kommunion, die die empfangen, die „ihrer immer würdig sind„und der selten empfangenen Kommunion. Vor der Kommunion verlangt er von jedem ein Vorbereitung „nach den Möglichkeiten von jedem„und die „allgemeine Einhaltung eines dreitägigen Fastens„.14

Danach gibt der Starez Anweisungen über die Tugenden der Einsicht und der weisen Demut. Durch den Gehorsam dem Abt gegenüber, durch die Beichte, die Kommunion, die Einsicht und die weise Demut „werden die Mönche alle Leidenschaften abtöten können, die sich entweder durch die Zunge, oder das Herz, oder die Sinne manifestieren...„15 Damit man sie sich leichter merken kann, illustriert der Starez die Anweisungen der vierten Stufe seiner Leiter in Form eines Kreuzes.

Ebenso wie in Neamtz ist auch in Cernica die Liturgie der Mittelpunkt des geistlichen Lebens. Auf der siebenten Stufe der Leiter betont der Starez die Pflicht der Mönche, an der Liturgie teilzunehmen, besonders stark und zwar deswegen, weil er die Askese als Grundlage jeglicher Bemühung um Läuterung betrachtet. Die langen, täglichen Gebete, sowie die Vigilien, die er als eine Pflicht für die ganze Gemeinschaft einführte, stellen eine notwendige und wirkungsvolle Askese für seine Schüler dar, die bezüglich des spirituellen Lebens Anfänger sind. In seinem Vermächtnis bestimmt der Starez die Anzahl und Dauer der jährlichen nächtlichen Vigilien in allen Einzelheiten. Diese Vigilien sollten wie folgt verteilt werden: eine für jeden Mönch der Gemeinschaft (zu jener Zeit waren es fünfundfünfzig), eine fünfstündige für jeden großen Heiligen (vierzig), eine siebenstündige für jedes Fest der Muttergottes (sieben), eine zwölfstündige für jedes Fest des Herrn (zwölf), eine zwölfstündige am 1. September, für den Fürsten, eine von gleicher Länge am 1. März, für den Metropoliten, eine ähnliche am 6. Dezember, zum Gedenken an den heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron des Klosters.

Der Starez gebietet allen seinen Schülern, niemals bei den sieben täglichen Gebeten zu fehlen. Ein vom Abt designierter Mönch sollte die Anwesenheit der Mönche bei jedem Gebet überwachen. Denjenigen, die die Regel brachen, sollten Strafen auferlegt werden, die bis zum Verbot des Essens an jenem Tag gingen.16

Die Regel des Gebetes in der Zelle spiegelt ebenfalls den asketischen Geist von Starez Georg wieder. Sie besteht aus Gebeten und Lesungen für die des Lesens Kundigen, oder aus Verbeugungen (siebenhundert) und Kniefällen (dreihundert) für die anderen. Alle müssen das dem Mönch eigene Gebet sprechen: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner, des Sünders.„17 Dennoch rät der Starez, nachdem er das spirituelle Niveau seiner Schüler gesehen hatte, niemandem, ausschließlich das Jesusgebet zu praktizieren.

Von Anbeginn seiner Mahnungen bezüglich des Gebetes (die siebente Stufe der Leiter), warnt er sie, daß man nur sehr schwer zum Gebet des Geistes gelangt.: „Ich darf euch nicht verschweigen, meine Söhne, daß ihr nicht imstande sein werdet, die drei Früchte der Tugend meines Starez leicht, geschweige denn schnell, zu ernten.„Die erste dieser Früchte ist die Tätigkeit des Intellektes, „eine Fackel, die den Menschen zur Vollkommenheit der Gestalt Christi und zum geistlichen Paradies führt.„ „Diese Frucht„, so gibt er zu „ist noch weit entfernt von uns, die noch den Leidenschaften verfallen sind.„18 Da er sich der Gefahren bewußt ist, denen sich diejenigen aussetzen, die sich ausschließlich dieser Tätigkeit widmen, ohne vorher von den Leidenschaften geläutert worden zu sein, verbietet Starez Georg seinen Schülern den Versuch (durch Praktizieren) „ihr Geheimnis zu ergründen.„ Denn „diejenigen, die den Leidenschaften des Fleisches nicht vollkommen entsagt haben, werden den Weg (des selbsttätigen Gebetes ) nur sehr schwer finden. Aus diesem Grund betont der Starez die Askese und den Gehorsam als einzigem Weg der Reinigung so sehr. Er ist der Meinung, daß derjenige, der noch Gefangener der Leidenschaften ist, sich nicht allein durch das Gebet läutern kann, weil er noch nicht die Kraft hat, unablässig des Namens Christi zu gedenken. Für eine solche Person könnte das Aussprechen des Namens Christi zu einer einfachen Gewohnheit werden, die mit seinen Leidenschaften koexistiert. 19

Die zweite „Frucht der Tugend seines Starez„, derer sich wenige erfreuen, ist „die Kunst, viele Menschen zu führen.„Man erinnert sich daran, daß Paisius in Neamtz und Secu über tausend Mönche führte. Starez Georg aber verbot seinen Nachfolgern, mehr als 130 Mönche im Kloster aufzunehmen.20 Das tat er aus der gleichen Besorgnis um die Entstehung einer geeinten Gemeinschaft heraus, in der die geistlichen Väter den Fortschritt jedes einzelnen Mönches verfolgen können sollten. Ebenso ist es leichter, in einer Gemeinschaft mit einer begrenzten Anzahl Mönche eine strengere äußere Disziplin zu wahren.

Die dritte Tugend oder Gabe von Paisius, die nicht minder selten war, war die Mönche verschiedener Nationalitäten miteinander zu „versöhnen.„ In dieser Hinsicht zog Georg die Möglichkeit in Betracht, daß die rumänischen, griechischen und russischen Mönche der Gemeinschaft getrennt voneinander, in drei Gruppen leben könnten, „ohne daß die Liebe aber deswegen auch nur um einen Deut kleiner wäre„21 Als er starb, 22 Jahre nachdem er dieses Testament geschrieben hatte, hinterließ Starez Georg in Cernica eine einzige Gemeinschaft von 103 Mönchen.

Aus dieser Analyse des Testaments resultiert, daß der Starez einen besonderen Wert auf die asketische Bemühung um Läuterung mittels aller traditionellen Mittel legte. Er warnt seine Schüler vor „der Ansicht, daß die Perfektion des Lebens in Gott leicht zu erreichen sei und warnt sie vor der Gefahr der Enttäuschung, die jener läuft, der diesen Weg (des reinen Gebetes) einschlägt, ohne durch Läuterung darauf vorbereitet zu sein.„22 Es sei daran erinnert, daß Starez Georg unter „Aktivität des Geistes„die totale Kommunion mit Gott im reinen, kontemplativen Gebet versteht. Wenn er das aktive Leben so sehr betont, dann nicht weil er das kontemplative Leben, das Ziel allen spirituellen Fortschrittes, verachtete. In Cernica lebten echte Hesychasten, die hauptsächlich für das Jesusgebet lebten. Einer von ihnen, der nach Starez Georg lebte, hinterließ sogar eine Regel des Lebens in der Einsamkeit, in der er den Anachoreten beschreibt, „wie man in der Obhut des Geistes, nach dem Beispiel der alten Väter, lebt.„23

Durch sein Asketentum, bemerkt Vater Dumitru Staniloae, blieb die von Starez Georg in Cernica betriebene Spiritualität der althergebrachten, athonitischen Spiritualität sehr treu, während die paisianische Spiritualität derjenigen vom Sinai näher stand.24

Die Lehren des Starez Georg von Cernica

  I.  "Sucht denn nach meinem Tode, mit unwandelbarer Weisheit, auf der rechten Seite meines geistlichen Herzens, was die Befreiung des Verstandes von den Gedanken bedeutet. Ihr werdet vielleicht ein wertvolles Reliquiar finden: „die Reinheit des Herzens„, die nicht von den Gedanken verwirrt wird. Und wenn ihr es geöffnet haben werdet, wird ein weiteres, aus bemaltem Ton zum Vorschein kommen, welches „den Sieg über die Hoffnungslosigkeit„darstellt, ein Sieg, der mit vielen Schmerzen in diesem tönernen Leib erkämpft wurde. Wenn ihr es zerschlagen werdet, werden drei Edelsteine herauskullern: der Gewinn der drei reuevollen Teile der Seele die die Heilige Dreifaltigkeit preisen, der ich seit meiner Geburt diene.

Und sehet, im Namen des Vaters bin ich ein Beispiel unter euch gewesen durch die Frucht der Liebe, die mich euch alle gleichermaßen lieben ließ. Im Namen des Sohnes habe ich mich aus freien Stücken jedem untergeordnet, um mit Geduld zu eurer Seele zu gelangen. Im Namen des Heiligen Geistes habe ich es nicht zugelassen, daß die Sinne die Grenzen der Natur überschreiten und ich habe mich eurer erbarmt, euch durch die Fröhlichkeit meines Herzens erwärmt und euch zu den Gestaden des Heils geführt".1

 II. "Des Weiteren gebiete ich euch in aller Sanftheit, euch, meinen geistlichen Söhnen, die ihr das Kreuz tragt, auch Engel zu sein und weder der lügnerischen Eitelkeit, der sinnlosen Hast, noch dem Herumstreunen, welches nicht eurer Berufung statthaft ist, nachzugeben, gemäß dem Wort des Apostels: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles nutzt mir„(1 Kor. 6,12) Mögen eure guten Gewohnheiten und euer Benehmen (der innere Mensch) in allem dem Beispiel folgen, welches ich euch gewiesen habe und es den allerfrömsten Heiligen gleichtun, die in eurem Alter waren. So nehmt Akakios, der ähnlich einem Märtyrer war, als Beispiel für glückliche Geduld. Zum Vorbild wahrer Unterwerfung nehmt Dositheus, der bar jeder Arglist war. Als Beispiel demütiger Weisheit nehmt Zacharias den Schmerzensreichen. Sehen wir uns aber vor, wenn wir nicht stürzen wollen wie Esau, Giezi (II Könige 5, 20-25) und Judas, vor der Aufmüpfigkeit, welche Verderben und Verurteilung bringt. Denn es steht geschrieben: „Dient dem Herrn in Furcht, und küßt ihm mit Beben die Füße.„(Ps. 2, 11-12).

Wenn ihr in der Wachsamkeit lebt und nicht in der Gleichgültigkeit, wird euch keinerlei teuflisches Unglück befallen. Denn ihr wißt, meine Söhne, wie sehr der Haß, der Neid, die Habgier, die Hinterlist, die Wut, das Andenken ans Schlechte und der Stolz seit Anbeginn der Welt und besonders in denen, die im Gehorsam sind, dem von Gott gewollten Fortschritt im Wege stehen. Und diese Leidenschaften schießen hervor wie Pfeile der Verwünschung des Ungehorsams.
So wird Gott, der Freund der Menschen, in den geistlichen Kämpfen eurer Bruderschaft gepriesen werden, und ihr werdet den Frieden erben, der diejenigen, die reinen Verstandes sind, zum Edelstein des wahren Wesens zurückführt. Durch diesen Kampf werdet ihr Vielen ein Spiegel zur eigenen Besserung sein und ihr werdet euch des Lichtes der Gerechten erfreuen".2

III. "Betrachtet also diese Stufe der Leiter als das wichtigste Gebot. Denn aller Anfang des Heils des Mönches hängt von ihr ab. Achtet einander und ordnet euch einander unter, so wie ihr euren eigenen Atem achtet. Und dies nicht wegen eines von Gott nicht gesegneten Zweckes, sondern allein zum Wohle des Nächsten, damit ihr das Gebot der Liebe erfüllt, nach dem Wort des Gesetzes".3

  1. Bei D. FURTUNA, Die Schüler des Starez Paisius in den Klöstern Cernica und Caldarusani (auf Rumänisch), Bukarest, 1928, S. 114-125.

   2. Siehe sein Testament, veröffentlicht vom Mönch CASSIAN von Cernica in Gschichte der heiligen Klöster Cernica und Caldarusani (auf Rumänisch), Bukarest, 1870, S. 17-62. Die zitierte Passage befindet sich auf den Seiten 36-37.

   3. Bei D. FURTUNA, Die Schüler ... , S. 116.

   4. ibidem, S. 116.

   5. CASSIAN von Cernica, Geschichte...,S. 27.

   6. In einem Manuskript von 1796 wird der Starez von einem seiner Schüler „Georg der Paisianer„genannt. Siehe N. IORGA, „Die Manuskripte des Klosters Cernica„in BOR XXVI (1902), S. 226.

   7. CASSIAN von Cernica, Geschichte..., S. 54.

   8. ibidem, S. 54 und 55.

   9. ibidem, S. 18. Der heilige Nikolaus, unter dessen Schutz der alte Skit von Cernica gegründet worden war, war der in diesem Kloster am höchsten verehrte Heilige. Bei allen Prüfungen, die die Gemeinschaft durchmachte, baten die Mönche während langer Vigilien und Akathisten immer um die Hilfe des heiligen Nikolaus. Der Name des Heiligen taucht ständig im Testament des Staretz Georg auf, und die Vita des heiligen Kallinikus berichtet von mehr - fachem, wunderbarem Eingreifen des Hierarchen von Myra zugunsten seiner Gemeinschaft.

 10. Als Nachfolger designiert er drei Erzmönche aus dem Skit, Genadius, Irinarchus und Dorotheus; sie sollten jeder ein Jahr lang probeweise die Gemeinschaft führen. nach diesen drei Jahren sollten alle Mönche denjenigen wählen, der die höchsten Qualitäten gezeigt hatte und von allen geliebt wird. Der erste Teil des Testamentes ist im Anhang aufgeführt.

 11. CASSIAN von Cernica, Geschichte..., S. 36.

 12. ibidem, S. 41.

 13. ibidem, S. 41.

 14. ibidem, S. 43.

 15. ibidem, S. 39.

 16. ibidem, S. 58 - 67.

 17. ibidem, S. 69.

 18. ibidem, S. 55.

 19. Dumitru STANILOAE, „Discours pour la canonisation de saint Callinique„, in BOR LXXIII (1955), 11-12, S. 1163.

 20. CASSIAN von Cernica, Geschichte..., S. 56.

 21. ibidem, S. 58.

 22. Rum. Phil. VIII, S. 584.

 23. Teilwiese erschienen in Rum. Philokalia VIII, S. 610-617.

24. „Discours pour la canonisation...„, S. 1164.

25. Dies ist eine Passage aus dem Testament des Starez Georg, veröffentlicht von Cassian CERNICANUL, in Geschichte der Klöster Cernica und Caldarusani (S. 30-31). Starez Georg hinterläßt den Mönchen seiner Gemeinschaft sein Beispiel, eingeschlossen im Tiefsten seines Inneren, welches sie nur mittels ihrer eigenen Weisheit entdecken können. Dieses Erbe besteht aus der Reinheit des Herzens, die auf dem Sieg über die Verzweiflung gründet, ein Sieg, der mittels körperlicher Mühen errungen wurde. Ihm zufolge ist Hoffnung der Lohn aller Anstrengungen. Durch die Festigkeit der Hoffnung wächst die Reinheit des Herzens, welches von da an alle Hoffnung auf Gott, den unerschütterlichen Felsen, setzt. Aber noch tiefer gibt es drei Edelsteine, die die drei von der Tugend der von der Heiligen Drefaltigkeit ausgehenden Liebe befriedeten Kräfte der Seele symbolisieren: das Denken, das Verlangen und die Wut. Die letzten zwei werden nur durch Gehorsam gegenüber der Heiligen Dreifaltigkeit geläutert. Genaugenommen hat der Grundstein unseres von Hoffnung und Reinheit erfüllten Wesens drei Kanten: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Durch die Kraft des Vaters konnte Starez Georg alle Mitglieder seiner Gemeinschaft gleichermaßen lieben, so wie ein Vater alle liebt, da er aller Vater ist. Durch die Kraft des Sohnes hat er alles von allen ertragen, um sie letztendlich alle zu gewinnen. Durch die Ktaft des Heilgen Geistes ist er allen nahe geblieben, in Kommunion mit ihnen, um sie alle zusammen zum Heil zu führen. Es handelt sich hierbei um eine spirituelle Theologie, die die Heilige Dreifaltigkeit als Fundament der dreifachen Verbindung der Seele und der Kommunion versteht; eine Theologie, die die Heilige Dreifaltigkeit zur Quelle der Kraft der Vereinigung der dreifachen Seele mit der Kommunion.

 26. Aus Testament..., bei Cassian CERNICANUL, S. 31-32.

 27. Aus Testament..., S. 36. Im ganzen Testament des Starez Georg läßt sich feststellen, daß er die Liebe als wichtigsten Faktor der Kohäsion, der Kommunion (im Fall der Mönche: die monastische Gemeinschaft) und als die vollkommenste Tugend betrachtet. Im selben Sinne - der Verwirklichung der brüderlichen Kommunion in der Liebe, die die Unterschiede in der Persönlichkeit und der Ethnie nicht abschafft, sondern sie angefangen bei den kleinsten Gruppen zur Festigung dieser Kommunion nutzt - verlangt Starez Georg, daß in seiner Gemeinschaft ausschließlich rumänische Mönche leben und nicht solche unterschiedlicher Nationalität, wie in der Gemeinschaft von Paisius.

 

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