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Worte des Metropoliten

Hl. Seraphim von Sarow: „Der Zweck des christlichen Lebens ist, den Heiligen Geist zu erwerben“ (Fribourg, 19.06.2017)

Vortrag gehalten am Internationalen Kongress „Komm, Heiliger Geist!”, Katholische Theologische Fakultät der Universität Fribourg, 19. Juni 2017

 Hl. Seraphim von Sarow (1759 - 1833) ist einer der prominentesten Vertreter der östlichen asketischen Tradition. Die Väter dieser Tradition haben uns die berühmten „Apophthegmata“ (Sprüche der Väter) und viele andere lehrreiche Schriften hinterlassen. In diesen Schriften sind sie sich einig in der Meinung, dass die Aktivierung der Gnade der Taufe, welche den Gläubigen heiligt, einen heftigen Kampf gegen die Sünde und Leidenschaften benötigt. Das ist deshalb  so, weil die Sünde die Gnade inaktiv macht und den Mensch bis zum geistigen und körperlichen Tod führt. Als große Kenner der menschlichen Seele, begründen die Väter die Askese mit den biblischen Worten: „Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet“ (Hebräer 12, 4). Daher kommt der asketische Spruch: „Gib dein Blut, um die Gnade zu empfangen.“ Allerdings waren sie sich bewusst, dass die Leidenschaftslosigkeit und die Heiligung nicht das Ergebnis der asketischen Kämpfe sind, sondern letztendlich nur Gottes Geschenk, weil nach einem anderen asketischen Spruch, „alles Gnade ist“. Die Gnade ist aber anspruchsvoll. Sie erwartet von den Gläubigen die Zusammenarbeit mit ihr. Sie vermehrt sich, oder zieht sich zurück, nach der Maßgabe unseres Engagements bei der Erfüllung der Gebote Gottes. Auf diese Weise gibt es eine geheimnisvolle Dialektik zwischen der Gnade, welche wir durch die Taufe und die anderen Sakramente, vor allem durch die Eucharistie empfangen, und dem Werk des Menschen. Einerseits multipliziert sich die Gnade im Ausmaß des Einsatzes des Gläubigen in dem asketischen Kampf. Andererseits wird sein Engagement, durch die Gnade unterstützt, immer vollkommener und uneingeschränkter im Kampf mit den Leidenschaften bis zum Blutvergießen.

Die beiden widersprüchlichen Realitäten: „Alles ist Gnade“ und „Gib dein Blut, um die Gnade zu empfangen“ werden besonders im Leben des Hl. Seraphim von Sarow gefunden. Mit sieben Jahren fällt das Kind Prochor (sein Taufname) aus dem Kirchturm seiner Heimatstadt Kursk und bleibt trotzdem gesund. Mit 10 Jahren wird er schwer krank und durch das Berühren der Ikone der Jungfrau Maria „Snamenija“ gerettet. Die Jungfrau Maria erscheint ihm zweimal im Sarow Kloster, wo er mit dem Alter von 19 eintritt, und heilt ihn von schweren Krankheiten. Doch durch Gottes Willen bleibt immer seine Gesundheit prekär. Zweifellos erlebte der Heilige das Werk der Gnade in allen seinen  extremen asketischen Kämpfen, wie z.B. das 1000 tage- und nächtelange Gebet auf einem Fels in der Wildnis. Klosterväter und Gläubige sahen ihn oft, während des Dienstes Heiliger Liturgie, in Licht gehüllt. Der Hl. Seraphim erhielt von Gott die Gabe, die Kranken zu heilen und die Gedanken der Menschen zu kennen. Einem Gläubigen mit dem Namen Motovilov, den er von einer Lähmung der Beine heilte, hat er sein durch die Gnade verklärtes Gesicht enthüllt und gesagt, dass „das Ziel des christlichen Lebens ist, den Heiligen Geist zu erwerben“. Das bedeutet, dass alle asketischen Bemühungen wie Fasten, Gebet, gute Taten und der Dienst für die Anderen mit Demut in dem Bewusstsein gewirkt werden müssen, dass wir  nicht mit unseren eigenen Kräften handeln, sondern es die Gnade Gottes ist, die Alles in unserem Leben und in der Welt vervollkommnet. So werden wir mehr und mehr von dem Heiligen Geist erfüllt.
Durch seine extremen Kämpfe gestaltete die Gnade sein Wesen so dass der Heilige ein „mitfühlendes Herz“ erwarb, das heißt ein Herz voller Liebe für die Anderen. Tausende von Gläubigen liefen nach Sarow, um ihn zu sehen, und in ihrer Not um sein Gebet und seine Hilfe zu bitten. Vater Seraphim begrüßte jeden mit den Worten: „Meine Freude, Christus ist auferstanden!“ Das einfache Treffen mit ihm war ein Segen für den Pilger. Jeder kehrte zurück nach Hause mit Frieden und Freude in der Seele. Deshalb sagte der Heilige zu ihnen: „Erwerbt euch den Frieden des Herzens, und Tausende um euch werden gerettet“.
Die orthodoxe Spiritualität ist einheitlich und wendet sich zum ganzen Volk Gottes, und zwar unabhängig von dem Status in der Kirche: Bischöfe, Priester, Diakone oder einfache Gläubige. Alle sind zur Heiligkeit berufen, welche die ausschließliche Gabe des Heiligen Geistes ist.

Die Mönche vor allem sind diejenigen, die sich verpflichtet haben, das Evangelium ohne Kompromisse zu leben. Sie erlebten den „unsichtbaren Krieg“ mit den Dämonen, welche dem Willen Gottes - unserer Heiligung (vgl 1 Thess 4, 3) widerstehen. Deshalb ist das Leben vieler Mönche beispielhaft auch für die Christen, die in der Welt leben, und ihre Schriften werden besonders in der orthodoxen Tradition gepflegt.

 

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