• pictura-catedrala-munchen.jpg
  • pictura-catedrala-munchen0.jpg
  • pictura-catedrala-munchen2.jpg
  • pictura-catedrala-munchen3.jpg
  • pictura-catedrala-munchen4.jpg
  • pictura-catedrala-munchen5.jpg
  • pictura-catedrala-munchen6.jpg
  • pictura-catedrala-munchen7.jpg
  • pictura-catedrala-munchen8.jpg
  • pictura-catedrala-munchen9.jpg

Worte des Metropoliten

Wort am Pfingsten (Neuendettelsau, 11.06.2011)

Wort gehalten an der Diakonie im Neuendettelsau, 11. Juni 2011

Durch das Herabkommen des Heiligen Geistes auf die Apostel des Herrn 50 Tage nach der Auferstehung kommt die Offenbarung der Heiligen Dreifaltigkeit zu ihrem Abschluss. „Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt“, sagt Johannes der Evangelist (Johannes 1,18). Die große Offenbarung, die der Erlöser Jesus Christus der Welt verkündigt, ist diejenige, dass Gott kein unpersönlicher Weltgeist ist, auch keine einzelne, in sich verschlossene Person, sondern eine Dreiheit von Personen in ewiger und vollendeter Gemeinschaft der Liebe. Gott ist von Ewigkeit her Vater, Sohn und Heiliger Geist, „Trinität von ungeteiltem Wesen“, ein Gott in drei Personen. Das Wort Person (prosopon) bedeutet im Griechischen „Antlitz gegenüber“. Eine Person hat ihr Antlitz immer auf eine andere Person oder andere Personen gerichtet, lebt also immer in einer Gemeinschaft mit anderen, sonst würde sie nicht als Person existieren, sondern wäre nur ein egoistisches Individuum, verschlossen in sich selbst.

Ein nicht auf Gemeinschaft ausgerichtetes Leben erniedrigt, reduziert und pervertiert die menschliche Existenz. Nur eine anderen gegenüber vollständig aufgeschlossene Person lebt ihr Personsein in aller Fülle. So sind wir nur in dem Maße Personen, in dem wir uns anderen gegenüber öffnen, im Maße der Gemeinschaft, die wir mit den anderen Personen haben. Und eine authentische Beziehung oder Gemeinschaft mit unseren Nächsten bedeutet totale Hingabe und Selbstverzicht, um durch die anderen bereichert zu werden. Der Dreifaltige Gott ermöglicht uns durch das Herabkommen des Heiligen Geistes die Fortsetzung der persönlichen Gemeinschaft mit Ihm in unserem irdischen Leben nach der Himmelfahrt Seines Sohnes Jesus Christus. Seinen sichtbarsten Ausdruck findet diese Fortsetzung der Gemeinschaft mit Gott in der Eucharistie. Wir beten in der Epiklese darum, dass der Heilige Geist auf die um den Altar versammelte Gemeinschaft und die Abendmahlsgaben herabkommt, alle und alles heiligt und die eucharistischen Gaben in Leib und Blut Christi verwandelt.   

Gott ist die Dreifaltigkeit der Personen, denn „Gott ist die Liebe“ (Johannes 4,18), die vollendete und absolute Liebe. Das bedeutet, dass die Liebe der Inhalt des göttlichen Lebens ist. Der Vater, der die Quelle der dreifaltigen Liebe ist, zeugt von Ewigkeit her den Sohn und bringt von Ewigkeit her den Heiligen Geist hervor, denen Er Sich völlig hingibt. Der Sohn und der Heilige Geist wiederum antworten ihrerseits dem Vater mit derselben Liebe und geben Sich Ihm und Einer dem Anderen total hin. Diese Liebe Gottes ist auch „nach außen“ vergossen worden, als Er die Welt und den Menschen „nach Seinem Bild und Änlichkeit“ geschaffen hat. Dies bedeutet, dass die Welt und der Mensch ihrem Wesen nach Liebe sind, wie auch Gott selbst. Und die Liebe manifestiert sich immer als Offenbarung oder Gemeinschaft mit den Nächsten in der Menschheit.

Genauso hat Gott Seine Liebe ausgegossen, als er die Welt durch die Menschwerdung, Kreuzigung und Auferstehung Seines Sohnes erlöst hat und Seinen Heiligen Geistes gesandt hat. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen Eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16). Unser Erlöser Jesus Christus hat uns die Liebe der Heiligen Dreifaltigkeit in allem, was Er tat und lehrte, offenbart. Er hat uns den Vater nicht nur als Seinen Vater offenbart, sondern auch als unseren Vater. Und er hat uns gelehrt zu beten: „Vater unser im Himmel“. Das Bild (Antlitz) des Vaters offenbart sich im Bild (Antlitz) des Sohnes. „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Johannes 14,9), sagt der Erlöser. Denn „ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30). Gewiss offenbart der Erlöser Jesus Christus uns genauso den Heiligen Geist, in Dessen Kraft und Vollmacht Er alle Wunder vollbringt. Nach der Auferstehung blies der Herr die Apostel an und sagt zu ihnen: „Nehmt hin den Heiligen Geist!“ (Johannes 20,22). Und nach Seiner Himmelfahrt sendet Er Seinen Jüngern vom Vater den Geist, damit Dieser sie alles lehre und sie zur vollen Wahrheit führe (vgl. Johannes 15,3).

Trotz alledem bleibt der Heilige Geist die geheimnisvollste Person der Göttlichen Dreifaltigkeit. Er erscheint bei der Taufe des Herrn als Taube, dem Symbol des Friedens und der Unschuld, zu Pfingsten als Feuerzungen, dem Symbol des Lichts und des reinigenden Feuers. So offenbart der Heilige Geist nie direkt Sein göttliches Antlitz. Er wirkt auf die geheimnisvollste Weise in jedem Menschen und in jedem Geschöpf und führt alles zur Vollendung. Ohne den Geist Gottes kann nichts existieren. Denn Er ist der „Lebensspender“ par excellence und die Kraft Gottes in uns. Das Antlitz des Heiligen Geistes ist nach dem großen Theologen Vladimir Losskij das Antlitz eines jeden Menschen, der zur Heiligung gelangt ist. Und die Heiligung des Lebens, die in uns vom Heiligen Geist im Zusammenwirken mit uns durch Glauben und Gute Werke bewirkt wird, bewirkt, dass sich auf unserem Antlitz das Licht, die Reinheit, die Sanftmut, die Güte, die Geduld im Leiden, das Vergeben usw. wiederspiegeln, alles Gaben des Heiligen Geistes.

Zu dieser Heiligung und Offenbarung des Heiligen Geistes in unserem persönlichen Leben sind wir alle gerufen in dem Wissen darum, dass der Heilige Geist sich in unseren Herzen verbirgt und nicht damit aufhört, uns zu inspirieren und uns zu helfen dabei, alles Gute zu vollbringen, das Gott und den Menschen gefällig ist. So sollen wir den Heiligen Geist in uns nicht betrüben durch ein Leben nach dem Geist der Welt (vgl. Epheser 4,30), sondern wir sollen ständig unseren Glauben, unser Gebet und unsere Enthaltsamkeit von üblen Dingen mehren, damit in jedem von uns das Leben nach Gott siegt, das uns zur Gleichgestalt mit Ihm führt. Also zur vollendeten Liebe.

 † Metropolit Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa

 

construimcatedrala.ro