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Worte des Metropoliten

Welche Form der Kircheneinheit ist möglich? (Salzburg, 31.05.2011)

Vortrag gehalten am III. Salzburger Kardinal-König-Symposium ”Bewegung. Stillstand. Ökumene. " der ”Pro Oriente” Stiftung, Salzburg, 31 mai 2011

Die Kirche Christi ist Eine, wie wir es im Nizäno-Konstantinopolitanum bekennen, auch wenn die Christen in verschiedene Konfessionen gespalten sind. Sicher kann jede Kirche von sich behaupten, dass sie die Eine wahre Kirche ist und sich andere von der christlichen Glaubenswahrheit entfernt haben. Trotzdem ist die Spaltung der Christen eine Sünde gegen den Heiligen Geist, dessen müssen wir uns alle bewusst sein. Einer der Pioniere der ökumenischen Bewegung sagte einst, dass Gott der Herr uns nicht deswegen richten wird, weil wir die christliche Einheit nicht verwirklicht haben – die letztlich ein Wirken des Heiligen Geistes ist, des Geistes der Einheit –, sondern dass Er uns richten wird, weil wir unsensibel geblieben sind für das Gebet des Herrn, dass sie alle eins seien, und dass wir nicht an der großen Sünde der Spaltung gelitten haben, mit der wir uns abgefunden haben und die wir ständig noch vertiefen, zum Ärgernis der Welt. Hier denke ich vor allem an die Haltung mancher protestantischer Kirchen, die sich immer mehr von der Orthodoxen Kirche und der Katholischen Kirche entfernen, was die Christliche Moral betrifft, die so klar von der Heiligen Schrift zum Ausdruck gebracht wird.

Sich daran gewöhnt zu haben, in der Spaltung zu leben, nicht wahrzunehmen, dass die Spaltung eine große Sünde ist und die fehlende Einheit nicht als Problem zu erkennen, ist heute charakteristisch für die meisten Christen. Wie wir alle wissen, wurde die christliche Einheit vor nicht allzu langer Zeit als Rückkehr der anderen Kirchen zur eigenen Kirche verstanden. Der Proselytismus war eine gängige Praxis, die sogar biblisch begründet wurde: „nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde“ (Lukas 14, 23). Vielleicht ist dies heute noch nicht viel anders, auch wenn sich die Sprache in der Ökumene gewandelt hat. Das bedeutet aber nicht, dass die Ökumene gescheitert ist und nicht mehr nötig wäre, wie einige glauben, sondern nur dass der Wandel der Mentalitäten nicht leicht vonstattengeht, vor allem nicht in dem Sinne, wie die jeweils anderen dies wünschen. Trotz allem ist das ökumenische Klima zwischen den Christen heute völlig anders als zu Beginn der Ökumenischen Bewegung und wir können Gott nur für dieses Geschenk danken.

Wenn wir über die Einheit der Kirche sprechen, dann können wir nicht zur schmerzhaften Wirklichkeit der Sünde schweigen. Die Sünde greift unablässig die ontologische Einheit der Menschheit an, die sie aber nicht völlig zerstören kann, sondern die sie nur entstellt und deformiert, so dass die meisten Menschen sich dessen gar nicht bewusst sind, dass es eine mystische Einheit der Menschheit gibt. Dabei besteht die Sünde per se aus dem Egoismus oder der Selbstliebe, die uns in uns selbst verschließt und uns von den Nächsten trennt. Die Heiligen haben die Sünde überwunden und in sich selbst diese mystische Einheit der Menschheit und der Schöpfung wieder entdeckt, deren Fundament die Liebe ist.

So ist der Heilige von nichts und niemand mehr getrennt, er trägt alle und alles in sich: die Menschheit und den Kosmos. So kennen und erleben nur die Heiligen die wahre Einheit (und zwar nicht nur die von der Kirche anerkannten Heiligen, sondern auch die große Menge der unbekannten oder von den Menschen ignorierten Heiligen). Denn diese haben in sich selbst sämtliche Barrieren überwunden, die sie von anderen trennen, einschließlich der konfessionellen. Grundsätzlich ist wahre Ökumene nur zwischen Menschen möglich, die zur Heiligkeit streben, die ein besonders tiefes Bewusstsein um die Sünde und ihre eigenen Grenzen haben und die mit Gebet und Askese darum kämpfen, das eigene egoistische Ich zu überwinden und in sich alle anderen Menschen einzuschließen.

Aus orthodoxer Sicht bedeutet die christliche Einheit in erster Linie die Einheit im Glauben, also das Akzeptieren der christlichen Wahrheiten beziehungsweise der von den Ökumenischen Konzilen proklamierten Dogmen durch alle (7 nach orthodoxer Zählung, 25 nach katholischer Zählung). Doch wir wissen, wie schwer der Theologische Dialog zwischen den Kirchen vorankommt, weil niemand bereit ist, etwas von dem Glauben seiner Kirche preiszugeben. Jeder ist auf bestimmte Weise ein Sklave seiner eigenen Lehrtradition, seines eigenen sozialen und kulturellen Kontextes. Ich persönlich glaube nicht, dass wir in naher Zukunft wesentlich weiterkommen, wenn wir an die historische Vergangenheit denken, die immer noch auf uns drückt, aber auch an die Identitätskrise des heutigen Menschen und der Kirchen selbst. Nur ein göttliches Wunder kann unsere Erinnerung von den Dämonen der konfliktreichen Vergangenheit zwischen den Kirchen befreien und uns dazu bringen zu verstehen, dass unsere einzige Identität in Christus, dem Lebendigen, besteht, in dem „nicht Jude noch Grieche ist, nicht Sklave oder Freier, nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ (Gal. 3, 28).

Trotzdem dürfen wir uns nicht mit dem Gedanken abfinden, dass wir nichts Bedeutendes mehr für die christliche Einheit tun können, die letztlich auch die Gabe des Heiligen Geistes ist. Zuerst müssen wir akzeptieren, dass sogar die Einheit im Glauben keineswegs eine absolute Uniformität bedeutet. Wir wissen, dass die Kirche ihre Einheit im ersten Jahrtausend bewahrt hat, auch wenn im Westen in einigen Ortskirchen das Credo mit dem Zusatz des „Filioque“ bekannt wird. Ganz zu schweigen von den legitimen Ausdrucksformen des Glaubens in den verschiedenen Riten und Traditionen, die von einer Ortskirche zur anderen differieren. Die Vereinheitlichung der liturgischen Riten erfolgte gegen Ende des ersten Jahrtausends und bedeutete zweifellos eine Verarmung, sowohl im Christlichen Osten durch die Verallgemeinerung des byzantinischen Ritus, wie auch im Abendland durch die Auferlegung des lateinischen Ritus.

Ich will mit diesen Thesen keineswegs die Bedeutung des Bekenntnisses desselben Glaubens durch alle Christen minimalisieren, wie ihn die Kirchen im Nizäno-Konstantinopolitanum und in den dogmatischen Entscheidungen der Sieben Ökumenischen Konzile im ersten Jahrtausend festgelegt haben. Ich will damit nur sagen, dass die Dogmen selbst, also die Glaubenswahrheiten, zu Idolen werden können, wie der heilige Gregor von Nyssa sagt, wenn wir sie der Liebe entleeren, wenn wir sie zu Waffen gegen die anderen verwandeln. „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“ (2. Kor. 3,6) Außerdem muss festgehalten werden, dass die Präzisierung des Glaubens durch die Ökumenischen Konzile nicht aus einer inneren Notwendigkeit oder dem Wunsch zur Vermehrung der Dogmen heraus erfolgt ist, sondern zur Verteidigung der geoffenbarten Wahrheit gegenüber den verschiedenen Häresien, die im Laufe der Jahrhunderte aufgetaucht sind.

Der heilige Hilarius von Pektavium sagt, dass sich die Väter regelrecht gegen ihren eigenen Willen zu den Konzilen versammelt haben, dazu gezwungen von den Häresien der Zeit, um die Wahrheit des Glaubens gegenüber den Verirrungen zu verteidigen. Und dies, weil uns der Glaube geschenkt wurde, damit wir ihn leben, nicht damit wir ihn in doktrinäre Konzepte verwandeln. Vor diesem Hintergrund haben sich die Väter bemüht, die Dogmen nicht noch zu vermehren, in dem Wissen darum, dass jeder menschliche Ausdruck relativ ist und das Geheimnis Gottes nicht umfassen kann, der jenseits jeder Beschreibbarkeit ist. Sie waren sich auch dessen bewusst, dass die Dogmen zu verschiedenen Interpretationen, und damit zu Schismen, Anlass geben konnten, wie etwa das Schisma der Vorkalzedonensischen Kirchen. Diese Kirchen haben sich von der Kirche abgespalten und die Beschlüsse des Vierten Konzils von Chalkedon von 451 nicht akzeptiert. Sie bekennen den gleichen Glauben, aber in unterschiedlichen Termini. Doch das Schisma dauert bis heute fort, weil weder die Orthodoxe Kirche, noch die Vorkalzedonensischen Kirchen die notwendigen Anstrengungen zur Wiederherstellung der eucharistischen Gemeinschaft unternehmen.     

Je mehr die Kirchen ihren Glauben in Dogmen präzisiert haben, die jede Kirche für unveränderlich hält, umso schwerer wird es, zur Einheit im Glauben zu kommen.

Welche Form der Kircheneinheit zwischen den Kirchen ist möglich? Ich denke – auch im Wissen um die Wirklichkeit in der orthodoxen Welt – nicht, dass die Orthodoxen jemals eine andere Einheit anerkennen werden als die Einheit auf der Grundlage desselben Bekenntnisses, nach dem Modell des ersten Jahrtausends. Die Katholische Kirche hat dieselbe Vision von Einheit, nur dass die beiden Kirchen sich an bestimmten Punkten wie etwa der Bedeutung des Päpstlichen Primats unterscheiden. Dieses Problem wird derzeit im Rahmen des Theologischen Dialogs zwischen beiden Kirchen verhandelt. Die Lutheraner hinwiederum haben eine ganz eigene Sicht von Kirche und ihrer Einheit, die weder von uns Orthodoxen, noch von den Katholiken akzeptiert wird.

Ich weiß, dass die Liebe zur Einheit der Christen Druck auf viele von uns ausübt, mehr für die Einheit der Kirchen zu tun. „Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte.“ (Lukas 12, 49) Doch ich denke, wir können die Entwicklung nicht forcieren und auf eine künstliche Weise die christliche Einheit beschleunigen, denn es besteht die Gefahr neuer Spaltungen.

Wenn jede Spaltung unter Menschen vom Teufel kommt (das Wort „diabolos“ bezeichnet den, der spaltet, Feindschaft erzeugt und Zwietracht sät), die Einheit aber das Werk des Heiligen Geistes par excellence ist, dann glaube ich, dass unser wichtigster Beitrag als Christen in der Steigerung des Gebets und der Askese besteht, das sind die einzigen Mittel, mit denen wir den Dämon der Spaltung aus uns und zwischen uns vertreiben können. Das Gebet und die Askese erneuern in uns die Einheit des inneren Menschen, deren Symbol das Herz ist als der Ort, in dem sich wie in einem Fokus alle physischen und psychischen Kräfte des Menschen konzentrieren: die Gedanken, die Sinne, der Wille… Wenn der Verstand (Ratio) als Energie des Herzens nicht fortwährend durch das Gebet in Verbindung mit dem Herzen bleibt, können wir uns nicht des inneren Seelenfriedens erfreuen.

Doch ohne inneren Seelenfrieden können wir nicht zum Frieden und Verstehen zwischen den Menschen beisteuern. Die Scholastische Theologie, ihrem Wesen nach per se rationalistisch, hat in der Absicht, alles mit Konzepten und Definitionen zu erklären, das Geheimnis des Glaubens zum größten Teil beseitigt und verleitet uns – oft genug, ohne dass wir uns darüber Rechenschaft geben – dazu, den Glauben zu instrumentalisieren, d.h. die dogmatischen Bestimmungen, die wir dann als Waffen gegen diejenigen benutzen, die anders glauben oder denken. Es besteht auch die Gefahr, dass wir alles verabsolutieren und Gott in unsere geschlossenen Denksysteme einschließen. Deshalb sagte Vladimir Lossky, dass wir jedes von uns konstruierte theologische System sofort wieder ausheben sollen, um Gott nicht zum Gefangenen unseres Systems zu machen. Es braucht also ein gutes Gleichgewicht zwischen Verstand (Ratio, Geist) und Herz, zwischen den theologischen Ausführungen als formuliertem Ausdruck des Geheimnisses des Glaubens und dem Mysterium fidei selbst jenseits jedes theologischen Konzepts. Dies ist nur mit Hilfe von Gebet und Askese zu verwirklichen.

Mir ist bewusst, dass alle meine Ausführungen nicht den Erwartungen der Organisatoren dieser Begegnung entsprechen, die von mir sicher konkretere Aussagen zu einem möglichen Modell der kirchlichen Einheit erhofft haben.

Ich bitte Sie, mir zu erlauben, zum Schluss einen Abschnitt aus einem früheren Beitrag von mir aus einem Symposion zum Thema „Die Ökumene der Märtyrer“ zu zitieren.

Das interkonfessionelle Martyrium im 20. Jahrhundert ist die Antwort auf das große Drama der Spaltung und manchmal sogar des Hasses zwischen den Christen. In unserer Zeit haben sich in Konzentrationslagern und in Gefängnissen Christen unterschiedlicher Konfession, Kultur und Sprachen getroffen. Sie haben zusammengelebt, unterdrückt und bedroht mit dem Tod, in großer Geschwisterlichkeit. Sie waren nur schlicht Christen, die im Leiden vereint waren, ungetrennt durch Hierarchien oder konfessionelle Zugehörigkeit: Orthodoxe, griechisch-katholische und römisch-katholische Christen, Lutheraner und Baptisten haben gleichermaßen gemeinsam mit Christus und für Christus gelitten. Dieses gemeinsame Martyrium, dieser große Genozid an so vielen Christen im 20. Jahrhundert hat für uns eine besondere Bedeutung. Dieses Martyrium präfiguriert auf prophetische Weise das eschatologische Ereignis einer erweiterten kirchlichen Gemeinschaft, die alle Christen umfassen wird, die in Geschichte, Kultur und Politik und auch von der unterschiedlichen Art und Weise, den Glauben zu leben und auszudrücken, gespalten wurden.

In unserer Zeit ist es wie in der Frühen Kirche: die Märtyrer sind jene, die mit ihrem Blut, ihrer Feindesliebe, ihrem Gebet für die ganze Welt und ihr ausdrückliches Bekenntnis zum Glauben die Kirche gründen. Die Kirche ist die Kirche der Märtyrer und der Heiligen. Und das gemeinsame Zeugnis der christlichen Heiligen aller Konfessionen wird die Kirche der Zukunft begründen. Dies wird kein christlicher Synkretismus werden, sondern ein gemeinsame Umkehr zu den Wurzeln des Glaubens und der christlichen Traditionen. Deshalb müssen wir unseren Märtyrern treu bleiben. Die ökumenische Praxis muss sich inspirieren lassen vom ökumenischen Zeugnis und Bekenntnis der Märtyrer des 20. Jahrhunderts: wir sollten auch in einer Gesellschaft und einem Klima der Freiheit das tun, was unsere Märtyrer in der Gefangenschaft getan haben; wir sollten die christliche Solidarität und das evangelische Leben fortführen und vorleben; wir sollten auch im Überfluss den christlichen Lebensstil der Bescheidenheit, Mäßigung und Armut leben, den die Märtyrer in den Konzentrationslagern gelebt haben. Wir müssen auch den Armen besonders nahe sein, die uns zu einem solchen Zeugnis verpflichten. Denn wo Arme sind, dort ist Christus. Wir müssen geistlich arm sein, wie es in den Seligpreisungen heißt, und eine Mentalität der Armut haben, damit die große Verfolgung durch Reichtum und Überfluss, jene subtile und furchtbare Verfolgung unserer Zeit, die alle Christen in allen Konfessionen in der freien Welt umfasst, in uns die Begeisterung, den Glauben zu bekennen, neu entfacht.

 Metropolit + Serafim

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