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Worte des Metropoliten

Fest der Völker (Berlin, 25. Juni 2011)

Vortrag gehalten an der Feier zum 30 jährigen Gründungsjubiläum des Internationalen Konvents Christlicher Gemeinden in Berlin und Brandenburg - Berlin, 25. Juni 2011

Zunächst möchte ich Frau Sona Eypper, der Vorsitzenden des „Internationalen Konvents Christlicher Gemeinden in Berlin und Brandenburg“ herzlich danken für die Einladung, an der Feier zum 30 jährigen Gründungsjubiläum des Konvents teilzunehmen und zu diesem Anlass zu predigen.

Frau Sona Eypper ist von armenischer Herkunft und wir wissen, dass das armenische Volk zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen schlimmen Genozid erlebt hat. Wie Frau Eypper kommen die meisten von uns aus anderen Ländern und haben die Last der Geschichte und der Leiden mitgebracht, durch die unsere Völker gehen mussten, aber auch unsere Spiritualität und Kultur, was für die deutsche Gesellschaft, die wir alle gemeinsam bilden, einen Segen und eine Bereicherung darstellt. Denn ohne unsere eigene Identität zu verlieren, sind wir in diese Gesellschaft integriert und versuchen, unseren Beitrag zum materiellen und geistigen Gemeinwohl zu leisten.

Als Christen wissen wir, dass sich eine Gesellschaft nur dann harmonisch und zum Wohle aller entwickeln kann, wenn alle ihre Mitglieder in Harmonie zusammenleben, sich gegenseitig respektieren und „alles, was sie tun, von Herzen als dem Herrn tun und nicht den Menschen“ (Kolosser 3,23). Daher danken wir Gott dafür, dass wir in diesem Land leben, das unsere eigene Identität respektiert und gleichzeitig jedem von uns so viele Möglichkeiten zur eigenen Verwirklichung bietet – nach allen Vorlieben und Gaben, wie sie Gott uns geschenkt hat. Wir danken Gott auch für diese 30 Jahre des gemeinsamen christlichen Dienstes und Zeugnisses, die von diesem Konvent gefördert wurden. Diese Jahre haben dem besseren gegenseitigen Kennenlernen und der Wertschätzung der unterschiedlichen Traditionen unserer Gemeinden gedient. Weil wir zusammenarbeiten und Zeugnis geben von unserem Glauben und unserer Hoffnung und weil wir in Frieden und Wohlstand leben, fühlt sich niemand fremd in diesem Land, sondern wie zu Hause, in unserem gemeinsamen Haus, das Berlin, Deutschland und Europa ist.

Geliebte Brüder und Schwestern in Christus,

die biblischen Lesungen (Psalm 47; I Korinter 12 und das Evangelium nach Johannes 15,1-8), die wir gehört haben, haben als gemeinsames Thema unsere Einheit in Christus, die im Alten Testament von Israel als dem erwählten Volk Gottes vorbereitet wurde und im Neuen Testament durch die Menschwerdung, die Kreuzigung und Auferstehung des Sohnes Gottes, unseres Erlösers Jesus Christus, vollkommen verwirklicht wurde. Psalm 47 ruft alle Völker auf, Gott zu loben und Ihm zu jauchzen, „dem großen König über die Erde“, Der auf dem heiligen Thron sitzt und über alle Völker herrscht. Wir erkennen aus diesem Psalm wie aus dem ganzen Alten Testament, dass es einen einzigen Gott gibt und dass alle Völker, die er geschaffen hat, eine Einheit bilden. Sie sind alle gemeinsam aufgerufen, ihren Schöpfer zu loben.

Aus dem Kapitel 12 des ersten Briefes des heiligen Apostels Paulus an die Korinther lernen wir, dass die Gaben, mit denen Gott jeden Menschen und jedes Volk von Geburt an beschenkt, unterschiedlich sind. „Doch es ist derselbe Gott, Der da wirkt alles in allem.“ So existiert auf der Welt eine unendliche Vielfalt von Gaben, die sich aber in einer vollkommenen Einheit befinden, weil alles von dem einen Gott kommt und in allem derselbe Geist Gottes gegenwärtig und wirksam ist. Es gibt auf der Welt keine zwei identischen Menschen und keine zwei identischen Völker, sondern jeder Mensch und jedes Volk ist einzigartig und unverwechselbar. Und gleichzeitig bilden alle Menschen und alle Völker eine vollendete und unauflösliche Einheit, auch wenn diese Einheit leider dank jeder individuellen und kollektiven Sünde nicht immer evident ist. Auch ganze Gruppen oder Massen von Menschen können gemeinsam Sünden begehen (z.B im Kommunismus oder im Nationalsozialismus). Denn die Sünde, die in ihrem innersten Wesen Egoismus bedeutet, die Verschlossenheit im eigenen Selbst und Ich unter Ausschluss der Anderen, zerstört die Einheit der Menschheit und die Gemeinschaft der Völker. Der Geist des Bösen, also der Teufel, der am Ursprung jeder Sünde steht, versucht mit allen Mitteln, die Einheit und Harmonie zwischen den Menschen und den Völkern zu stören. Das Wort „Teufel“ (im Griechischen „Diabolos“) zeigt das Wirken dieses bösen Geistes, der aus der Reihe der Engel Gottes herausgefallen und zum Feind Gottes und der Menschen geworden ist. Der Teufel ist der, der spaltet und Unfrieden sät, um den Frieden und die Harmonie im Menschen und zwischen den Menschen zu zerstören.

Wollen wir also noch einmal die Gemeinschaft der Menschheit, die Einheit der Völker und die Einheit der Schöpfung unterstreichen, die in Gott selbst wurzelt, und gleichzeitig die unendliche Vielfalt der Menschen, der Völker und der ganzen Schöpfung, die genauso ihre Quelle in Gott hat. In dem Gott, Der selbst die absolute Einheit und die absolute Vielfalt und die Quelle jeder Einheit und jeder Vielfalt ist. Unser Gott ist keine absolute Monade, kein vereinzeltes Wesen, sondern eine Dreiheit von Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist, Ein Gott in drei Personen. Und der Mensch, die Welt, die Schöpfung sind ein Abbild, eine Ikone Gottes. Alles hat seinen Ursprung in Gott und alles muß das Geheimnis Gottes widerspiegeln, des Einen in drei Personen. Nur im Glauben können wir das Geheimnis der Einheit und der Vielfalt verstehen. Ohne Glauben können wir das Geheimnis der Einheit und der Vielfalt nicht verstehen. Ohne Glauben verstehen wir nichts, sind wir blind und wandeln in Dunkelheit.   

Leider ist es auch für uns Christen schwer, dieses große Geheimnis der Einheit und der Vielfalt zu verstehen und zu erleben, jeden Menschen so zu akzeptieren und zu respektieren, wie er ist, also anders als wir selbst in seiner Art zu denken, zu glauben und zu leben… und gleichzeitig zu verstehen, dass wir alle in Christus Brüder und Schwestern sind, dass wir alle eins sind. Unser Bestreben geht im Allgemeinen dahin, die Andersartigkeit und Vielfalt abzulehnen. Mit anderen Worten wollen wir doch alle, dass der Andere so ist wie wir selbst, so denkt wie wir, so glaubt wie wir und das tut, was wir tun. Und wenn der andere nicht so ist wie wir sind, haben wir die Tendenz, den anderen für unseren Feind zu halten. Dies ist selbstverständlich eine Sünde, eine Versuchung des Teufels, der – wie wir gesagt haben – sowohl die Einheit zwischen den Menschen, als auch ihre Vielfalt und Einzigartigkeit hasst, weil er die Schöpfung Gottes in ihrer Einheit und Vielfalt hasst. Von da her kommen alle Missverständnisse zwischen den Menschen, zuerst in der Familie, dann in der Gesellschaft, zwischen den Völkern und auf der ganzen Welt.

Die Sünde, die ihrem Wesen nach Egoismus ist, die Suche nach eigenem Vergnügen auf Kosten anderer, die Sünde, die unser inneres Gleichgewicht und die Harmonie zwischen uns zerstört, kann nur im unbeirrten Glauben an Jesus Christus, unseren Erlöser, überwunden werden, der in Seinem menschlichen Wesen (Seiner menschlichen Person) die Einheit der ganzen Menschheit wiederhergestellt hat, die durch die Erbsünde verloren gegangen ist. Dieses große Geheimnis der Einheit in Christus wird vom heiligen Apostel Paulus mit den Worten ausgedrückt: „Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. … Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied.“ (1. Korinther 12, 12.27) Denn im Leib Christi wohnt die ganze Fülle der Gottheit und ist alles Himmlische und Irdische eingeschlossen (vgl. Kolosser 2,9; Epheser 1,10). Alles, was existiert, ist in Christus erneuert. Christus ist von niemand und nichts getrennt, alles lebt in Ihm.

Und die wir an Christus glauben und uns mit Ihm im Gebet, in der Kommunion an Seinem Leib und Blut vereinen, die wir uns mit Ihm auch durch Enthaltung von der Sünde und mit guten Werken an unseren Nächsten und der ganzen Schöpfung vereinen, in einem Wort also: die wir uns mit Ihm durch die Liebe vereinen, denn die Liebe umfasst alles, werden wir mit Ihm eins und tragen alles und alle in uns. Wir sind dann von nichts und niemand mehr getrennt. Wer in Christus lebt und wahrhaftig liebt, der lebt das Geheimnis der Einheit der Menschen in ihrer Vielfalt, der lebt die Einheit der Schöpfung, die sich in jedem von uns widerspiegelt, weil der in Christus erneuerte Mensch ein Mikrokosmos ist. Im Mikrokosmos unseres Wesens lebt alles: Menschen, Tiere und Pflanzen, die ganze Schöpfung Gottes. Und dies deshalb, weil Gott Selbst in uns lebt. „So lebe ich nun, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Galater 2,20) Doch wie viele von uns könnten das von sich behaupten?

Um uns diesem Stand der Vollkommenheit zu nähern, zu dem die Heiligen vorgedrungen sind, ist es wichtig, dass wir in Christus bleiben, wie uns Christus Selbst im Evangelium anleitet, das wir heute hier gehört haben: „Bleibt in Mir und Ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.“ (Johannes 15, 4-5) Wie viel Wahrheit steckt in den Worten: „Ohne Mich könnt ihr nichts tun!“ In Christus zu bleiben bedeutet, in der Kirche zu bleiben, die Er gegründet hat und mit der Er sich identifiziert, gerade um mit uns zu sein bis zum Ende der Zeiten. So dürfen wir uns niemals von der Kirche trennen, auch wenn wir immer wieder genügend menschliche Gründe dafür finden, die uns dazu bringen könnten. Die Kirche, die wir sündhaften Menschen alle gemeinsam bilden, ist mehr als eine menschliche Versammlung. Sie ist „der Leib Christi“ (Epheser 1,22-23), „in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt“ (Kolosser 2,9).

Wir dürfen die Kirche nicht auf eine rein menschliche Institution reduzieren, sondern wir dürfen in ihr das Geheimnis Christi und das Geheimnis Gottes sehen. In der Kirche wirkt Gott durch Seine Heiligen Mysterien, die Sakramente, zu unserer Heiligung und zur Heiligung der ganzen Schöpfung. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis und im Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis bekennen wir den Glauben an die Kirche: „Ich glaube an die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche“. Die Kirche ist also ein Geheimnis, an das wir glauben. Wenn die Kirche nur eine menschliche Institution wäre, dann bräuchten wir nicht an die Kirche glauben.

Über allem dürfen wir nicht vergessen, dass wir nur in dem Maße Christen sind, in dem wir uns täglich bemühen, unsere bei der Heiligen Taufe empfangenen Gnadengaben zu aktualisieren: die Gabe des Glaubens, der die Kraft Gottes in uns bedeutet, die Gabe der Hoffnung, die uns Mut gibt, Christus zu bekennen und das Kreuz unserer Leiden auf uns zu nehmen, die Gabe der Liebe, durch die wir eins werden mit Christus und unseren Nächsten, die Gabe der Geduld, durch die wir alle Versuchungen des Lebens überwinden, die Gabe der Heiligung und so weiter und so fort. All diese Gnadengaben aktualisieren wir immerzu im Gebet, denn nur durch das Gebet können wir in unser Herz vordringen, in dem sich wie in einem Fokus unser ganzes Wesen konzentriert und Christus seit der Taufe wohnt. Wenn wir wahrhaft beten, also mit im Herzen konzentriertem Geist (Verstand), dann dringt das Gebet in unser Herz vor, wo es auf die Gnade trifft, und die Gnade wärmt unser Herz, erfüllt es mit Liebe zu Christus und unseren Nächsten. So verwandelt sich das Herz allmählich: aus einem Herzen aus Stein wird ein empfindsames, feines, für alles Existierende offenes Herz, weil es seine ontologische Einheit mit allem, was existiert, wiederentdeckt hat. So leben wir unsere Einheit mit allen Menschen, allen Völkern und der ganzen Schöpfung in vollkommenem Respekt vor der Vielfalt jedes existierenden Menschen und jedes existierenden Wesens. Dazu helfe uns Gott. Amen!  

Metropolit Serafim

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