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Worte des Metropoliten

Die Umwelt aus orthodoxer Sicht (Muhr am See, 2.09.2011)

Vortrag gehalten am einer ökumenischen Vesper in Muhr am See (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen), 2. September 2011

Liebe Schwestern und Brüder,

mit Freude habe ich die Einladung erhalten, zu Beginn des orthodoxen Kirchenjahres an dieser ökumenischen Vesper teilzunehmen.

Wir sind hier nahe an einem Ort versammelt, der „Vogel-Insel“ genannt wird. Dieser Name erinnert an die Bergpredigt, in der unser Herr uns die Schöpfung als Beispiel für die ursprüngliche Freiheit von Sorge vorgestellt hat, die ein Merkmal des Reiches Gottes ist: „Seht die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheune…“ (Matth. 6, 26f.).

Nach orthodoxem Verständnis drücken diese Worte unseres Herrn auch unsere Mitgeschöpflichkeit aus, die uns zur Bewahrung der Schöpfung aufruft.

So haben sich Mönche orthodoxer Länder, insbesondere die Wüstenväter, trotz manchem Grund zur Sorge in der Wüste oder den späteren Wald-Einsamkeiten in den Bergen Rumäniens oder den Wäldern des russischen Nordens, diese Worte Jesu als Leitschnur gewählt. Sie sind Ausdruck „ökologischer Solidarität“, wie man im gegenwärtigen Jargon sagen würde, oder theologischer, Ausdruck geistlicher Verbundenheit mit der Schöpfung.

Ein Merkmal - und eine Wurzel - der Sünde ist unser Bestreben, uns der gesamten Schöpfung so zu bemächtigen, dass uns alles für unsere Zwecke als Menschen unterworfen sein soll. Gewiss gibt es das Wort Gottes aus dem Buch Genesis, „Machet Euch die Erde untertan" und „Alles Geschöpfliche soll euch zur Nahrung dienen…“. Diese Worte sind als Auftrag zur „Dominium terrae“, zur „Herrschaft über die Erde“ in die Theologie eingegangen und als Freibrief zur Ausbeutung der Welt verstanden worden. Ja, bis heute findet sich diese Überzeugung, als bestehe die „Gottebenbildlichkeit des Menschen“ zu der er geschaffen und berufen ist, gerade in dieser Herrschaft über die Erde.

Dieses Denken hat viel Gutes hervorgebracht: Denken wir nur an die großen Fortschritte der Medizin.

Es hat jedoch auch große Schattenseiten: Vor allem die Ausplünderung aller natürlichen Ressourcen, die wir verbrauchen, als ob unsere Generation die letzte auf der Erde wäre.

Alle theologischen Sätze müssen jedoch im Zusammenhang der übrigen Worte und Zeugnisse der Heiligen Schrift und der Glaubensüberlieferung gelesen werden. 

Die Worte Jesu aus der Bergpredigt bezeichnen daher das Gegengewicht zur Herrschaft über die Erde.

So haben Mönche und Einsiedler durchaus die Erde bebaut und gepflegt. Sie haben Gärten angelegt und sind in die Wälder und Steppen gegangen, um Heilkräuter zu finden.

Aber sie haben darauf verzichtet, die „Herrschaft über die Erde“ über das notwendige Maß hinaus auszuüben. Sie haben die Worte Jesu dahingehend verstanden, dass er uns dazu aufruft, uns unserer Geschöpflichkeit bewusst zu werden, und das heisst insbesondere, unserer Sterblichkeit, unserer Bedrohtheit durch Hunger, Krankheit und all jener Gefahren, die die Schöpfung bedrohen.

In der Bibel heißt es, Gott sah, dass die Schöpfung gut war. Und die Bezeichnung als „Paradies“ drückt aus, dass in dieser Schöpfung ein Element göttlicher Schönheit enthalten ist, das bis heute zu erkennen ist.

Die Worte Jesu weisen uns in radikaler Weise auf unsere Mitgeschöpflichkeit hin.

Das bedeutet, wenn wir auf unseren Impuls zur Beherrschung der Welt verzichten, dann haben wir die Möglichkeit, unsere Mitgeschöpflichkeit in besonderer Weise zu erkennen – das was der heilige Maximos der Bekenner so gesagt hat: Wir Menschen sind selbst als ein Mikro-Kosmos geschaffen, der die ganze Schöpfung in sich trägt.

Praktisch betrachtet heißt das einen Wandel der Einstellung in uns einzuüben und in erster Linie auf unsere Mitgeschöpflichkeit zu achten. Das hat uns der heilige Franziskus von Assisi vorgelebt, der den Vögeln predigte und Sonne und Mond als Bruder und Schwester anredete; das hat der Heilige Serafim von Sarow vorgelebt, der als Einsiedler im Wald lebte und Vertrauter der Bären wurde: Alle Einsiedler haben so in Harmonie mit der Schöpfung gelebt.

In der Literatur der Orthodoxie wird der biblische Bericht, dass Adam den Auftrag hatte, alle Geschöpfe zu benennen, so ausgelegt, dass die Geschöpfe selbst zu Adam kamen, um von ihm benannt zu werden, weil sie spürten, dass er ihnen zugewandt war. Die Geschöpfe schenkten Adam Vertrauen die auf Grundlage der Verbundenheit und Verantwortung entsteht.

So, wie Christus selbst in die Welt kam, nicht um Herrschaft über sie auszuüben, sondern um sie zu heilen und sie zu heiligen, sind wir berufen, uns im Umgang mit der Schöpfung gemäß unserer Mitgeschöpflichkeit zu verhalten. Es geht dewegen in erster Linie darum, die Geschöpflichkeit in uns selbst zu beherrschen, unserer Gier Grenzen zu setzen, unserem Egoismus, unserer Gefühllosigkeit, und vielem  mehr.

Auf dieser Grundlage sollen wir, wie Mönche, Verantwortung für die Schöpfung ausüben. Ausgehend davon, dass die ganze Schöpfung in uns als Mikrokosmos präsent ist, sollen wir sie in uns tragen, mit ihr empfinden, mit ihr leiden, ihre ursprüngliche Schönheit erkennen, und für sie Sorge tragen, um sie zu heilen und zu heiligen, was nach orthodoxem Verständnis eng mit einander verbunden ist.

Metropolit Serafim

Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral und- Nordeuropa

Muhr am See, 2. September 2011

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