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Worte des Metropoliten

Den Aufbruch gemeinsam wagen (Mannheim 17.05.2012)

Vortrag gehalten am Katholikentag, Mannheim 17. Mai 2012

Die christliche Spiritualität, besonders die orthodoxe Spiritualität, ist eine Spiritualität der Freude und der Überwindung par excellence, weil sie Christus den Auferstandenen, den Sieger über den Tod und die Sünde in all ihren Konsequenzen, in ihrer Mitte hat. Zu diesen Konsequenzen der Sünde zählen Krankheiten und Leiden aller Art bis zum Tod. Das irdische Leben Jesu Christi endete nicht mit dem Leiden am Kreuz, auch nicht mit Seinem Tod, sondern mit Seiner Auferstehung. Er blieb nicht am Kreuz angenagelt, noch im Grab beerdigt, sondern ist leibhaftig auferstanden und zum Himmel aufgefahren, von wo er wiederkommen wird in Herrlichkeit um zu richten die Lebenden und die Toten, wie wir im Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis sprechen. Das christliche Leben ist ein „Leben in Christus“. Ein Christ ist der, der Christus nachfolgt, sich also darum bemüht, Christus gleich zu werden bis dahin, dass er eins wird mit Ihm. Der heilige Apostel Paulus sagt: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Galater 2,20)

Aus den heiligen Evangelien wissen wir, dass das Leben unseres Erlösers Jesus Christus auf Erden kein leichtes Leben war. Auch wenn Er selbst ohne Sünde war, hat Er freiwillig die Sünden der Menschen auf sich genommen und mit den Menschen gelitten. Dabei hat er ihnen das Beispiel der Güte, der Barmherzigkeit, der Geduld, aber auch des Mutes gegeben. Er hat uns ermutigt: „In der Welt seid ihr in Bedrägnis; aber habt Mut, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33) Der wahre Christ fürchtet sich nicht vor den Prüfungen und Versuchungen des Lebens. Er wird nicht mutlos in Not oder im Leiden, wenn er nicht erfolgreich ist in dem, was er sich vornimmt, auch nicht, wenn er in Sünde gefallen ist. Denn er weiß: es gibt immer Rettung. Unglück, Leiden und sogar die Sünde sind vergänglich, wenn er nicht darauf beharrt, sondern immer wieder auch einen Neuanfang wagt. „Wann immer du fällst, erhebe dich uns steh wieder auf“.

Gewiss kommt der Mut, immer wieder neu anzufangen aus dem Glauben und der immerwährenden Beziehung zu Christus im Gebet und in der Askese. Die Kraft, die uns auch in den schwierigsten Prüfungen des Lebens zu Überwindern macht, fließt immerzu aus unserem Herzen, wenn wir auf mystische Weise mit Gott im Gebet vereint sind. Daher ermahnt uns auch der Erlöser dazu, fortwährend zu beten (vgl. Lukas 18,1; 21,36). Und der Apostel Paulus sagt „Betet ohne Unterlass!“ (1. Thessalonicher 5,17) Tatsächlich erneuert das von Fasten und einem in jeder Hinsicht gemäßigten Leben unterstützte Gebet in uns jene psycho-physischen Kräfte, die sich wie in einem Fokus im Herzen konzentrieren. Denn im reinen Gebet, also in dem Gebet, das im Glauben und Demut und mit im Herzen konzentriertem Verstand verrichtet wird, kommt der Verstand dahin, sich aus seiner Zerstreuung zu sammeln. Der Verstand „steigt dann ins Herz hinab“, wo er seinen Ursprung hat. Dieses Gebet hat die Gabe, den Menschen zu beruhigen, ihn mit sich selbst und seinen Nächsten zu versöhnen, weil er mit Gott in seinem Herzen versöhnt ist.

Wenn wir heute vom gemeinsamen Aufbruch sprechen, dann sollten wir an den Aufbruch im Gebet denken. Wir haben seit Jahrzehnten eine Ökumene der Dokumente und Papiere hinter uns. Die Ökumene muss auch vom Verstand in die Herzen gelangen. Und zum Aufbruch zählt auch, dass wir zum gemeinsamen Zeugnis in wichtigen moralischen Fragen kommen. Unser Gebet und unser Glaube heben uns über diese Welt hinaus und lenken unseren Blick auf Gott.

Wenn die Kirche sich zu sehr mit Kommissionen, Aktionen und Veranstaltungen beschäftigt und dabei das geistliche Leben vernachlässigt wird, dienen wir zwar der Welt. Aber das können auch andere soziale, politische und gesellschaftliche Institutionen. Wir als Christen sind Lichtträger Gottes auf Erden. Wir sollen den Menschen zeigen, dass es ein Leben jenseits dieser Welt gibt und dass dieses Leben das eigentliche Leben ist, denn unser Reich ist nicht von dieser Welt. Die Orthodoxe Kirche hat sich immer als Kirche der Mystik und der Askese verstanden. Die Kirche hat immer eine mystagogische Rolle.

Jeder Aufbruch der Kirche muss ein Aufbruch zu Gott sein und zum Reich Gottes, nicht ein Aufbruch zur Welt hin. Es ist ein Aufbruch, der im Gebet seine Grundlage hat und nicht in weltlichen politischen Zielen. Es ist der Aufbruch zu Gott, der sich in Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen geoffenbart hat.

 

Mannheim, 17. Mai 2012

 

 

 

 

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