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Worte des Metropoliten

Die Bekehrung zu Christus (Würzburg, 22.01.2012)

Würzburg, den 22. Januar, 2012

In der Ökumenischen Gebetswoche für die Einheit der Christen sind wir alle aufgerufen, noch mehr als sonst zu beten, vor allem gemeinsam darum zu beten, dass Gott uns für die Spaltung unter uns Christen zu vergeben, jene Spaltung, an die wir uns schon gewöhnt haben, in der wir uns wohlfühlen und die wir durch unsere Sünden und unsere Gleichgültigkeit ständig noch vertiefen. Wir sind auch gerufen, darum zu beten, dass Gott der Herr den Tag der Einheit aller Christen rasch herbeiführe. Denn die Einheit ist eine Gabe Gottes, die wir nur in dem Maße empfangen, in dem wir Buße tun für diese große Sünde der Spaltung wie auch für unsere anderen Sünden und unser Herz öffnen, um darin unsere Nächsten wie Glieder unseres eigenen Leibes aufzunehmen. Denn in Christus sind wir alle Glied des jeweils anderen. „So sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied.“ (Römer 12,5) Dies ist nur möglich, wenn wir uns fortwährend zu Christus hinwenden und wir Ihn in unserem Haus und unserem Herzen aufnehmen wie Zachäus im Evangelium, das wir eben gehört haben. Dem Zachäus fehlte nichts Materielles, denn er war ein reicher Mann, wie auch uns nichts fehlt, die wir in diesem gut verwalteten und regierten Land leben.

Und trotzdem fehlte dem Zachäus etwas – etwas, dessen er sich vielleicht selbst nicht bewusst war – denn sonst wäre er nicht geeilt zu sehen, wer dieser Christus ist. Und er hätte sich wohl nicht vor der Menge der Lächerlichkeit preisgegeben, indem er auf einen Maulbeerbaum stieg, denn er hatte eine sehr hohe soziale Stellung. Zachäus fehlte ohne Zweifel der innere Seelenfriede, der aus dem Bewusstsein der Versöhnheit mit Gott und den Nächsten kommt. Denn wer in der Sünde lebt und sich ungerecht gegenüber seinen Nächsten verhält, kann keinen Frieden in Herz und Seele empfinden, so sehr man auch sein Gewissen zu täuschen versucht. Als Jesus diesen mit seinem nach Seelenfrieden brennenden Herzen auf dem Maulbeerbaum sah, sagt Er zu ihm: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren“. Und dieser „stieg eilend herunter und nahm Ihn auf mit Freuden“.

Zuhause bei Tisch hat sich dann das Wunder der Bekehrung des Zachäus abgespielt. Denn er erkennt seine Sünden und tut Buße, entscheidet sich also für ein neues Leben: „Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück“. Das Evangelium schließt an dieser Stelle mit den Worten des Herrn: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren… Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist“. Zachäus stand ohne Zweifel vor Jesus wie vor Gott Selbst, denn nur vor Gott Selbst spürt der Mensch seine Sündhaftigkeit und kann sich dazu entschließen, sein Leben radikal zu ändern. Zachäus ist für uns ein Beispiel der Bekehrung zu Christus.

Normalerweise verwenden wir den Begriff der „Bekehrung zu Christus“ für jene, die von anderen Religionen her oder als vorher Ungläubige zum Christentum kommen. Trotzdem darf die Bekehrung zu Christus nicht nur als ein Moment verstanden werden, der in der Taufe abläuft, sondern sie ist als ein fortwährender Prozess das ganze Leben lang zu verstehen. Auch wenn wir uns in der Taufe mit Christus vereinen und das unauslöschliche „Siegel“ der „Gnade des Heiligen Geistes“ empfangen, so leugnen wir Christus doch immer wieder durch unsere Sünden und entfremden uns von Ihm. Die Umkehr oder Rückkehr zu Christus beginnt mit den Tränen der Reue und dem Bekenntnis unserer Sünden im Heiligen Sakrament der Beichte, welche die Kirchenvätr die „zweite Taufe“ nennen oder „die Taufe der Tränen“.

In den drei großen christlichen Konfessionen – der orthodoxen, der katholischen und der lutherischen – wird das christliche Leben als fortwährende Aktualisierung der Taufe verstanden, die Sterben und Auferstehen mit Christus bedeutet (vgl. Römer 6, 3-13). Nach der Taufe gehören wir nicht mehr uns selbst, sondern wir gehören Christus (vgl. 1. Korinther 6, 15.19), der in uns lebt. Daher müssen wir fortwährend danach streben, unser Leben dem Leben Christi anzugleichen. Dass wir uns also darum bemühen, Christus immer mehr gleich zu werden an Liebe, Demut, Sanftmut und Güte nach den Worten Jesu: „Lernt von mir: denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“ (Matthäus 11, 29). In der heutigen Epistellesung schreibt der Apostel Paulus an Timotheus: „Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit“ (1. Timotheus 4, 12).

Denn das beste Bekenntnis zu Christus ist das persönlich vorgelebte Beispiel! Das Buch „Die Nachfolge Christi“ (Imitatio Christi) von Thomas von Kempen (Thomas a Kempis) aus dem 15. Jahrhundert ist eines der beliebtesten Bücher geistlicher Erbauung aus dem Abendland, das auch in andere Sprachen des Christlichen Ostens übersetzt wurde. Es zeigt uns im Einzelnen auf, wie der Christ Christus nachfolgen kann und sein Leben dem Leben Christi angleichen kann. Unter anderem gibt uns der Autor den Ratschlag, in jeder Situation die Frage zu stellen: „Was würde Christus an meiner Stelle tun?“ So werden wir uns dessen bewusst, dass wir nie alleine sind, dass Christus uns in jedem Moment unseres Lebens inspiriert, wenn wir Ihn darum bitten und auf Ihn hören, und dass Er uns hilft, das Notwendige zu unserer Erlösung und zur Erlösung unserer Nächsten zu tun. Wenn wir uns darum bemühen, Christus immer vor Augen und Seine Liebe immer im Herzen zu haben, dann werden wir immer den Willen Gottes tun. Dann werden wir den Geist und den Sinn Christi in uns haben, wie der Apostel Paulus sagt (vgl. 1. Kor. 2, 16; Philipper 2, 5). Und dann können wir mit dem Apostel Paulus sagen: „Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2,20).

Den Geist und den Sinn Christi zu haben, sich in allem mit Christus zu identifizieren, sind geistliche Gipfel, die wir alle anzustreben haben, die aber nur die wenigsten erreichen. Denn nicht alle bemühen sich in ihrem christlichem Leben mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und versuchen, fortwährend ihr Leben dem Leben Christi anzugleichen. Viele von uns sind im Glauben „lauwarm“, weder kalt noch heiß (vgl. Apokalypse 3, 16), „Sonntags-Christen“ und „Feiertags-Christen“ zu den großen Feiertagen! Dabei sind alle Heiligen, beginnend mit der Gottesmutter und mit den Aposteln, dann auch die Märtyrer, die heiligen Wüstenväter und alle, die sich in den Dienst der Nächsten stellen auf eine wirkliche Weise dahin gelangt, mit Christus eins zu werden, indem sie „den schmalen Weg“ des Evangeliums beschritten haben und unablässig gebetet, anhaltend gefastet und die Enthaltsamkeit von vielen Dingen geübt haben, indem sie viel Unglück, Entbehrungen und Leid auf sich genommen haben. „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an Ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden.“ (Philipper 1, 29) Unsere unablässige Umkehr und Bekehrung zu Christus, um Ihm immer mehr gleich zu werden, bedeutet also den Verzicht auf den eigenen Willen und das Aufsichnehmen des Kreuzes, also der Leidens und der Versuchungen des Lebens, die von Gott zu unserer Erlösung verfügt werden. Denn wir wissen, dass gerade im Kreuz sich Freude und Seligkeit verborgen sind. „Siehe: durch das Kreuz ist Freude in die ganze Welt gekommen“, singen wir Sonntag für Sonntag in unserem byzantinischen Ritus.

Ganz konkret gilt: wenn wir wahre Christen sein wollen, also zu Christus gehören und Ihm immer ähnlicher werden wollen, dann brauchen wir eine lebendige Beziehung zu Ihm im Gebet und in den Heiligen Sakramenten der Kirche, besonders in der Beichte und in der Kommunion an Leib und Blut des Herrn. Wer immerzu betet und zum unablässigen Gebet hinstrebt, wie uns Christus Selbst (vgl. Lukas 18, 1; 21, 36) und der heilige Paulus  anleiten (vgl. 1. Thessalonicher 5, 17), wer am Sonntag – dem Tag des Herrn – in Frömmigkeit an der eucharistischen Liturgie teilnimmt und mit der nötigen Vorbereitung die Heiligen Sakramente empfängt, der trägt Christus wirklich in seinem Herzen. Und wenn wir Christus immerzu in unserem Herzen haben, dann werden auch unsere Gedanken und unsere Worte und unsere Taten Gott wohlgefällig und würdig sein.

Leider sind wir alle defizitär sowohl im Gebet als auch in der Vorbereitung auf den Empfang der Eucharistie, die uns nur in dem Maße verwandelt, in dem wir unser eigenes Herz durch unser Bemühen um Reinigung von den Sünden öffnen. Unser Gebet soll danach streben, ein Gebet des Herzens zu werden. Mit anderen Worten soll unser Gebet nicht äußerlich bleiben und nur mit dem Verstand oder den Lippen verrichtet werden, also ohne innere Beteiligung des Herzens. Denn im Herzen konzentriert sich das ganze Wesen des Menschen. Und im Herzen wohnt auch die Gnade Gottes, die wir bei der Taufe empfangen, die sich mit jeder Kommunion an Leib und Blut des Herrn erneuert. Jedes Gebet verlangt nach einem Bemühen um Konzentration unserer Aufmerksamkeit, damit unser Geist sich nicht während des Gebets verstreut. Die Väter des asketischen, hesychastischen Tradition (des Herzensgebets), lehren uns, während des Gebets „unseren Verstand in die Worte des Gebets“ einzuschließen.

Nur das hindert den Verstand an der Zerstreuung und „steigt ins Herz hinab“, nur so wird das Gebet zum „Herzensgebet“. Dieselben Väter lehren uns, dass „der Verstand eine Energie des Herzens“ ist. Diese entströmt unaufhörlich aus dem Herzen als Ort alle physischen und psychischen Energien, die das menschliche Wesen durchdringen. Während des mit Konzentration und reinem Herzen und dem „Verstand im Herzen“ verrichteten Gebets erneuern sich alle diese Energien im Herzen und der Mensch macht die Erfahrung des „Seelenfriedens“ und der inneren Harmonie. Auch wenn wir Gottesdienste der Kirche mitfeiern muss unsere ganze Aufmerksamkeit der Konzentration bei jedem Gebet, bei jedem Gesang gelten, um alles verinnerlichen zu können. Denn nur in dem Maße, in dem wir jedes Gebet und jeden Gesang verinnerlichen beten wir wirklich und aufrichtig und spüren die Gnade im Herzen als eine Wärme, die das Herz überströmt und sich vom Herzen aus in der Brust und im ganzen Körper ausbreitet. Das ist die Wärme der Gnade oder der Liebe zu Christus, die uns im Herzen in einer ontologischen Einheit mit der ganzen Menschheit und der ganzen Schöpfung leben lässt und alle Menschen als unsere eigenen Glieder spüren lässt. Das ist dann das „mitleidende Herz“, das „Zeichen der Heiligkeit“ (Hl. Isaak der Syrer, 7. Jh.), das Herz, das für alle Menschen und für die ganze Schöpfung betet, das Herz, das sich dem Leiden jedes Menschen zuwendet und fähig ist, die Sünden wie auch die Schmerzen aller auf sich zu nehmen, weil es eins ist mit Christus.

Freilich kann das Gebet – das wichtigste überhaupt für einen Christen (vgl. Lukas 10, 42) nicht mit im Herzen konzentriertem Verstand verrichtet werden, wenn nicht auch der Leib einer gewissen asketischen Disziplin unterworfen wird. „Niemand kann mit vollem Magen beten“, sagen die Kirchenväter, die die Erfahrung des Gebets haben, denn ein voller Bauch zieht den Verstand zum Magen herunter und erweckt die Begierden des Leibes. Daher lehrt die Kirche inspiriert von der Heiligen Schrift und von der asketischen Tradition die Askese und Selbstbeherrschung in allem: beim Essen und Trinken, bei Kleidung und auch im Eheleben (vgl. 1. Kor. 5,7). In der Orthodoxen Kirche haben die Fastentage am Mittwoch und Freitag wie auch die großen Fastenzeiten vor Ostern und vor Weihnachten, das Apostel-Fasten und das Fasten vor dem Fest des Entschlafens der Gottesmutter eine ganz besondere Bedeutung. Denn der Hunger, den wir uns aus freien Stücken durch Verzicht auf Speisen und Getränke auferlegen, schafft in uns einen Hunger nach dem Gebet, einen Hunger nach Gott. Und es sei ergänzt, dass das Fasten nicht nur ein Segen für die Seele ist, sondern auch ein Segen für den Leib. Das Fasten hilft uns auch, dass wir uns von unserer Bindung an Leib und Materie lösen und einen Akzent auf unser geistliches Leben legen.

Genauso verlangt die Beteiligung an der eucharistischen Liturgie und die Kommunion an den Heiligen Sakramenten Christi von uns eine besondere Vorbereitung. Zum „Herrenmahl“ haben wir im „Hochzeitsgewand“ zu gehen (vgl. Matthäus 22,11), im reinen Gewand der Taufe. Wenn wir unser Taufgewand auch durch die Sünde verunreinigt haben, so haben wir es doch im Sakrament der Buße zu reinigen, in dem wir vom Priester und geistlichen Vater auch geistlichen Rat zur Besserung unseres Lebens nach dem Willen Gottes bekommen. In der ostkirchlichen Praxis wird empfohlen, vor dem Empfang der Heiligen Kommunion einen Gebetskanon zu beten und eucharistisches Fasten zu üben. All dies mit dem Ziel, in uns den „Hunger nach Christus“ zu steigern, unseren Wunsch, uns mit Ihm zu vereinen und Ihn immer in unserem Herzen zu bewahren. Wie schon gesagt, verwandelt uns die Eucharistie nur in dem Maße, in dem wir uns selbst auch mit Fasten und Gebet engagieren, durch Tun des Guten an unseren Nächsten und durch einen Wandel unseres Lebens nach dem Willen Gottes.

Leider sind in der westlichen Tradition in großem Maße das Fasten und die Askese abhanden gekommen; es wird sogar auf das eucharistische Fasten verzichtet. Dies bedeutet in unserer orthodoxen Sicht eine Verarmung des geistlichen Lebens, das dadurch seine mystische Tiefe verliert. Denn die mystische Kraft des geistlichen Lebens kommt uns in erster Linie aus der Askese, der Selbstzügelung, aus dem Fasten und anderen asketischen Praktiken zu, welche in uns den Geist für Gott entflammt halten. Denn „Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; … so bezwinge ich meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst dabei verwerflich werde“, sagt der Apostel Paulus (1.  Kor. 9, 25-27). Es ist wahr, dass in der westlichen Tradition ein besonderer Akzent auf das Engagement des Gläubigen in der Gesellschaft zum Dienst und zur Hilfe für Mitmenschen gelegt wird, die in Notlagen sind. Dies liegt zweifellos im Wesen des Evangeliums selbst begründet, das von uns verlangt, uns für die Belange unserer Nächsten zu engagieren und ihnen Gutes zu tun, denn das Kriterium beim Jüngsten Gericht wird gerade unsere Haltung gegenüber den Bedürftigen und Notleidenden sein, mit denen Christus sich identifiziert (vgl. Matthäus 25, 31-46). In dieser Hinsicht kann die Orthodoxie durchaus einiges lernen, damit unsere Spiritualität nicht zu einer zu sehr vergeistigten „Weltflucht“ führt. Die Katholische Kirche und die Evangelische Kirche wiederum können von uns Orthodoxen neu die Wertschätzung des Mysteriums lernen, des Sakraments und die Notwendigkeit der Askese, damit ihre Spiritualität sich nicht in die Welt auflöst, sondern die verwandelnde Kraft des Geistes bewahrt.

Wie eingangs gesagt beten wir in dieser Gebetswoche für die Einheit der Christen zu Gott, dass er den Tag herbeiführen möge, an dem alle Christen denselben Glauben bekennen und aus demselben Kelch trinken. Wir beten also für die sichtbare Einheit des der Kirche Christi. Wir wissen aus Erfahrung, dass dies ein mühevoller Weg wird, denn jede Kirche hat den Glauben in eigene Dogmen fixiert und eingeschlossen, die wir für unveränderlich halten. So ist jeder auf bestimmte Weise Sklave seiner eigenen Tradition, aber nicht einer lebendigen Tradition, sondern der Tradition als Summe der Dogmen, Konzepte und Kanones. „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2. Korinther 3, 6). Nur wenige sind es, die zur inneren Freiheit gelangen und die Dogmen und Kanones nach ihrem Geist verstehen, statt nach dem Buchstaben. „Der Sabbat ist für den Menschen geschaffen, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Markus 2, 27).

Die Trennung zwischen den Christen schwächte und schwächt fortwährend unser Zeugnis in der Welt. Der Erlöser betete zu Gott vor seiner Kreuzigung, „dass alle eins seien, damit die Welt glaubt“ (Johannes 17, 21). Niemand kann und wird uns glauben oder unser Glaubenszeugnis ernst nehmen, wenn wir in Dutzende, ja Hunderte Konfessionen und christliche Gemeinschaften gespalten sind und jede meint, alleine die christliche Wahrheit zu besitzen. Ich glaube, dass Gott nichts mehr liebt als die Gemeinschaft und Einheit unter den Menschen, die in der inneren Einheit jedes Menschen ihren Ausgang nimmt, die die Grundlage jeder Einheit ist. Wir können nicht Frieden und Einheit in der Familie, in der Gesellschaft, in der Kirche oder irgendwo auf der Welt haben, wenn wir uns nicht darum bemühen, zuerst Frieden und Einheit in uns selbst zu erlangen. Und dies ist unmöglich ohne Gebet, ohne Bemühen, ohne Teilnahme am Leben der Kirche, wodurch wir in uns den Egoismus und unsere Zerstreuung auf materielle Dinge bremsen und uns in unserem Herzen konzentrieren, in dem Gott und die ganze Schöpfung gegenwärtig sind. „Erlange deinen Seelenfrieden, dann werden sich Himmel und Erde mit dir versöhnen“ (Hl. Isaak der Syrer).

Als Bischof in der Kirche Christi fühle ich mich nicht nur für das Bistum verantwortlich, das Er mir anvertraut hat, sondern für die ganze Kirche. Einerseits ist der Bischof für sein Bistum verantwortlich, andererseits aber auch ist er Bischof für die ganze Kirche. Mir kann das Leben auch von Christen jeder anderen Kirche nicht egal sein, so wie auch die Gläubigen und Priester nicht gleichgültig sein können gegenüber dem, was in den anderen Kirchen von sich geht, denn wir haben alle eine gemeinsame Verpflichtung, wir sind alle für alle anderen verantwortlich. Wir alle müssen für alle anderen beten, wir müssen uns gegenseitig helfen, wir müssen uns gegenseitig korrigieren usw.. Denn wir alle bilden gemeinsam den „Leib Christi“. Das Klima wahrer Freundschaft zwischen den Christen der unterschiedlichen Konfessionen, das hier in Deutschland vorherrscht, ist bereits ein positives Zeugnis, das wir uns auf dem guten Weg zur Einheit befinden. Als Christ einer Minderheitenkirche kann ich nur meine Anerkennung dafür aussprechen und den brüderlichen Geist anerkennen, den die Mehrheitskirchen dieses Landes zeigen: die Katholische Kirche und die Evangelische Kirche.

Ich danke Vater Archimandrit Dr. Gregor Hohmann für seine Liebe zur orthodoxen Liturgie und Spiritualität und sein Wirken zur Annäherung zwischen der Orthodoxen und der Katholischen Kirche durch die Zeitschrift „Der Christliche Osten“, die hier in Würzburg erscheint, und durch die Mission „Catholica Unio“. Ganz besonders danke ich ihm dafür, dass er für die Herausgabe der „Philokalia“ auf Deutsch gesorgt hat, eine Sammlung grundlegender Texte für die orthodoxe Spiritualität, wie auch anderer Bücher, darunter eine bescheidene Darstellung der hesychastischen Tradition in Rumänien aus meiner Feder. Ich danke ihm auch für die Einladung, heute hierher zu kommen und an dieser Göttlichen Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos teilzunehmen. Ich danke Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit, mit der Sie mir zugehört haben. Ich bete zu Gott dem Allmächtigen und Grundgütigen, dass Er in allen Herzen und Seelen das Wort aufgehen lasse, das Er mir eingegeben hat. Gott der Herr, der Allmächtige und Hochthronende, segne Sie alle! Amen.

Übersetzung:   Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb

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