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Worte des Metropoliten

Die Freude am Christsein (Nürnberg ,1998)

Serafim, Metropolit für Deutschland und Zentraleuropa. Vorwort zum Buch "Die orthodoxe Spiritualität der Osterzeit" von Bischof Sofian Pătrunjel, Verl. Christlicher Osten, Würzburg, 1998

 Ich bin überzeugt, daß die grundlegende Lebenshaltung des Christen die Freude ist, als Frucht der Wirkung des Heiligen Geistes in seinem Leben. Deswegen kann ich mir traurige Heilige überhaupt nicht vorstellen, Heilige, die nicht Mut und den Wunsch zum Leben ausstrahlen; dies beinhaltet natürlich die Umwandlung der Lebensweise durch viel Leiden. Der Heilige ist aber nichts anderes als der authentische Christ. Nietzsche hatte recht, als er vom Christen seiner Zeit verlangte, fröhlicher zu sein, damit auch er (wieder) Christ würde.

Die christliche Freude ist nicht eine momentane, psychologische Ergriffenheit, die der Mensch durch seinen eigenen Willen schaffen kann; noch weniger ist sie das Ergebnis der sensuellen sündhaften Lüste, welche mit der Zeit das Wesen des Menschen schwächen und es zum Tod führen. Die christliche Freude ist auch nicht nur das Resultat persönlicher, familiärer oder sozialer Erfüllung, die mehr oder weniger alle Menschen, gläubig oder nicht, genießen.

Die christliche Freude ist die Frucht des Geistes (Gal 5,22) im Wesen des Christen selbst, das sich auf dem Weg zur Vollkommenheit befindet. Sie gehört dem Herzen des Menschen an: „Herzensfreude ist Leben für den Menschen“ (Sir 30, 22). Sie ist also ein natürlicher, ontologischer Zustand des in Christus wiederhergestellten Menschen. Alle im Namen der Heiligsten Dreifaltigkeit getauften Christen erhalten während der Taufe und der Firmung (dem persönlichen Pfingsten jedes Einzelnen) die Gnade des Heiligen Geistes wie einen Keim, den Gott in die Erde unseres Herzens sät, in der Hoffnung, daß er Früchte bringt. Die göttliche Gnade wird bei der Taufe ins Herz des Menschen hineingelegt; das Herz ist gemäß der Heiligen Schrift und den heiligen Vätern die zentrale Stelle unseres Wesens, „die Wurzel der aktiven Fähigkeiten unseres Intellektes und Willens, der Ort, woher all unser geistliches Leben kommt, und auch das Ziel, auf das es orientiert ist“ (V. Lossky). Gemäß dem heiligen Ignatios Briantschaninov ist „das Herz“ die Quelle der Gefühle und der geistlichen Anschauungen, durch die der Mensch Gott auf direkte Weise, ohne die Teilnahme des Verstandes, kennt, so, wie der „Kopf“ (das Gehirn) der Sitz der klaren Denkweise der Intelligenz ist. Diese aber hat ihren Ursprung auch im Herzen, weil der Verstand (die Vernunft, die Sinne) auch eine Energie des Herzens ist.

Die Sünde zerteilt die Einheit der menschlichen Natur, deren Zentrum das Herz ist. Sie trennt den Verstand vom Herzen, und verursacht die Zerstreuung in eine äußerliche Welt, während die eigene, vom Herzen symbolisierte innere Welt dem Menschen immer mehr fremd wird. So ist der Mensch, der seine Ausgeglichenheit verloren hat, der Angst und Furcht unterworfen. Er kann sich des Lebens nicht mehr freuen, weil er nicht mehr ein vollständiges, sondern ein diminuiertes, entstelltes, von Gott, seinem authentischen Quell, getrenntes Leben führt.

Die Aüflosung dieses unnatürlichen, konfliktträchtigen Zustandes (die Sunde widersetzt sich der Natur und ist eine permanente Quelle für innere Konflikte, - sowie für Spannungen mit der Umwelt) kann nicht realisiert werden, außer durch die Wiederherstellung der Ausgeglichenheit oder des „inneren Menschen“ durch „das Zurückkehren“ des Verstandes ins Herz. Die Heiligen sagen uns, daß der Verstand dem weit entfernten, verreisten Menschen ähnlich ist. So lange er ausbleibt, denkt er ständig an die Seinigen: Ehefrau, Kinder, Freunde; und er macht sich Sorgen um sie. Aber einmal heimgekehrt, wird er ruhig und freut sich des Zusammenseins mit den Seinigen. Genauso verhält es sich auch mit dem Verstand, dessen „Haus“ das Herz ist. Nur „zu Hause“ fühlt er sich wohl und ruhig. Dann verschwinden alle „fremden“ Gedanken, und es bleibt nur der Gedanke an Gott, das einzige, was notwendig ist (Lk 10,42).

Das ganze christliche Leben ist eigentlich eine Wanderung zur Stelle des Herzens, ein unaufhörliches „Heim“-Kehren, ein ständiges Gehen zum eigenen Inneren, was uns mit den Quellen der Gnade verbindet. Nur so kann das wahre Leben, das „Freude im Heiligen Geist“ (vgl. Röm 14,17) ist, in uns frei pulsieren, nur auf diese Weise können wir wirklich lebendig sein. Selbst die größte Erkenntnis, sei sie auch religiöser Art, hat keinen Wert, wenn sie nicht das Herz erbaut, wenn sie nicht der Heimkehr in das Innere dient und uns nicht mit dem wahren Leben im Heiligen Geist erfüllt.

„Die Heimkehr“ wird zuerst durch das Gebet realisiert, welches von der Askese, das heißt vom Kampf gegen die Sünde, von Enthaltsamkeit der Sinne durch Fasten und vom Wohlwollen gegenüber unseren Mitmenschen, begleitet ist. Allerdings ist das Gebet selber eine Askese; es ist nämlich die größte Askese, solange es noch nicht im Herzen verwurzelt ist und von dort wie das klare lebendige Wasser einer Bergquelle hervorsprudelt. Am Anfang erfordert das Gebet also Anstrengung; man muß sich zuerst zum Beten zwingen, weil sonst der in den Sinnen und äußeren Dingen zerstreute Verstand dies ohne die Anregung des vom Glauben kommenden Willens nie tun würde. Mit der Zeit aber wird sich der Verstand ans Beten gewöhnen, indem er sich von der Herrschaft der Zerstreuung der Gedanken befreien und auf dem Gedanken an Gott bestehen wird. Der heilige Johannes Klimakos ermahnt uns, während des Gebetes (zu Hause oder im Gotteshaus) den Verstand in den Worten des Gebetes oder Gesanges einzuschließen (das heißt, nicht mehr an etwas anderes zu denken) und ins Herz zu „senken“, damit das Gebet nicht nur ein intellektueller Akt bleibe, sondern eine existentielle Handlung werde. So betet der Mensch mit seinem ganzen Wesen, Seele und Herz, und nur so kann er die Freude am Gebet verspüren. Denn mit dem reinen, von anderen Gedanken freien Gebet ist Beten die größte Freude.

Zuerst spürt das Herz eine Wärme, die sich in der ganzen Brust ausbreitet. Es ist die Wärme der Gnade, die zu sprießen (zu arbeiten) beginnt, weil die Erde des Herzens warm geworden ist. Siehe, es kommen Tage, sagt der Herr, wo ich „das Herz von Stein aus ihrer Brust nehme und ihnen ein Herz von Fleisch gebe“ (Ez 11,19). Dann „fühlt“ der Mensch sein Herz, und „das Fühlen des Herzens heißt das Fühlen Gottes“ (hl. Diadochus von Foticäa). Bis zu diesem Punkt ignorierte er sein Herz, lebte außerhalb seines Herzens, dachte und handelte gemäß seinem Verstand und seinen Sinnesantrieben. Das Herz hat aber seine eigenen Gesetze, die Gesetze Gottes selber sind. „Deine Weisung (Herr) trage ich im Herzen“ (Ps 39,11 oder 40,9)

Auf die Wärme des Herzens folgt die Freude an den Menschen, an den Tieren, an den Pflanzen, an der ganzen Schöpfung Gottes. Durch sein, dank der Wirkung der Gnade, wiedervereinigtes (von seiner Zerrissenheit geheiltes) Herz findet sich der Mensch wieder in seiner Eigenschaft als Zentrum der Schöpfung oder als „Mikrokosmos“, der in sich die ganze Schöpfung Gottes zusammenfaßt. Das ist „der universelle Mensch“, der „ganzheitliche Adam“, welcher von niemandem und nichts mehr getrennt ist, weil er wesentlich alles in sich trägt. Die Kraft aber, welche alles verbindet, ist nichts anders als die Liebe. Sie offenbart sich als Mitleid und Vermittlung durch das Gebet für die ganze, der Sünde unterworfene Schöpfung, sogar für die Dämonen. Das Zeichen der Heiligkeit ist ein mitleidendes Herz, sagt der heilige Isaak der Syrer.

Alle Anstrengung aber, das reine Beten zu erlangen, welches das Herz vereint und heiligt, ist außerhalb der Kirche undenkbar, weil es nicht nur das Resultat einer asketischen Bemühung, sondern das Ergebnis des Synergismus (Zusammenarbeit) der göttlichen Gnade und der persönlichen Anstrengung ist. Die Kirche ist eben „der Ort“ (im mystischen Sinn) des Zusammentreffens und der Vereinigung des Menschen mit Gott durch die heiligen Sakramente und besonders durch die Eucharistie, die uns als „Leib Christi“ bildet und zu seinen Gliedern und Gliedern füreinander macht (vgl. Rom 6,5; 1 Kor 6,15; 10,17; Eph 4,25; 5,30). Das zu erlangende Maß des Christen ist das Maß Christi selbst (cf. Eph 4,13). Darum sollen wir uns ständig mit dem eucharistischen Christus vereinigen, um so wie er zu werden. Der Leib und das Blut Christi, die wir kommunizieren, vergegenwärtigen in uns die Gnade der Taufe, halten die asketische Anspannung des Gebetes und der Enthaltsamkeit instand und wandeln uns stufenweise in Christus selber um. Alle zur menschlichen, geschaffenen Natur gehörenden Eigenschaften behaltend, wird unser Wesen gereinigt, erhoben und geheiligt. Das sakramentale Leben der Kirche stellt also die Stimmung „des Lebens in Christus“ dar. Weil sich die Kirche in ihrem Wesen mit Christus identifiziert, ist Christus durch den Heiligen Geist, der alles heiligt, durch sie am Werk.

Das Gebet der Kirche ist von einer ganz besonderen Kraft getragen. Das Ritual, die Gesänge und die Gebete der Kirche vergegenwärtigen auf die realste Weise durch die Wirkung des Heiligen Geistes die erlösenden Akte des Herrn, um uns zu Teilhabenden an ihnen zu machen. Die Liturgie und die kirchlichen Feste sind nicht nur bloße Gedächtnisfeiern von schon geschehenen Ereignissen, sondern derer Vergegenwärtigenden im Heiligen Geist. Darum singen wir an Weihnachten: „Christus wird geboren, preist ihn; Christus vom Himmel, geht ihm entgegen; Christus auf Erden, erhebt euch...“, und am Osterfest: „Gestern wurde ich, Christus, begraben mit dir. Heute werde ich erweckt mit dir, der erstand. Gestern wurde ich gekreuzigt mit dir. Du selbst laß mich in deinem Reich, Erretter, deiner Herrlichkeit teilhaftig sein“. Wieder sagen wir in jeder (eucharistischen) Liturgie: „Christi Auferstehung haben wir geschaut. So laßt uns niederfallen vor dem heiligen Herrn, vor Jesus, dem allein Sündelosen...“

Das Pentekostarion, welches Pater Serafim in dieser Arbeit darstellt, ist vorzugsweise das Buch der Hymnen der Freude; der Osterfreude, die den ganzen Verstand überwältigt, weil Christus durch seine Auferstehung den Teufel und die Sünde mit allen seinen unglückseligen Auswirkungen inklusive dem Tod, „dem letzten Feind“ besiegt hat. Der Sieg Christi ist aber auch unser Sieg, weil wir ihm gehören und mit ihm durch Taufe, Gebet und Askese, durch Fasten und Kommunion mit den heiligen Sakramenten, wie auch durch Liebe verbunden sind. Das Eigentum Christi ist auch unser Eigentum; das christliche Leben ist gemäß dem heiligen Nikolaus Kabassila (14. Jh.) das Durchleben des irdischen Lebens Christi, von Geburt bis Himmelfahrt, durch Kreuz, Tod und Auferstehung hindurch. Die Beschwernisse und die Betrübnisse dieses Lebens können nicht verglichen werden mit der künftigen Herrlichkeit. Sie gehören dem menschlichen Wesen in seiner gefallenen Natur an und sind von Gott erlaubt, damit wir durch sie in uns den „alten Menschen“ töten und den in Christus „neuen Menschen“ erheben können. Die Auferstehungsfreude, welche aus dem beständigen Glauben an den schlußendlichen Sieg entspringt, überwältigt und verklärt jeden Arger und jedes Betrübnis. Das christliche Leben ist eigentlich eine dauernde Freude, ein ständiges Fest. „Den Kindern ähnlich (sagt der rumänische Philosoph H. Patapievici) finde ich im Christsein das Gefühl der hohen Freude und die Gewißheit, daß die Feier durch uns schon begonnen hat und ihr Verlauf kein Ende kennt“.

 

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