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Worte des Metropoliten

Die Eucharistie in der orthodoxen Tradition (Radolfzell, 24. 04. 2010)

Vortrag gehalten am Kirchentag-Bodensee, Radolfzell, 24. 04. 2010

Einige einführende Bemerkungen

Ich möchte mit der schmerzhaften Feststellung beginnen, dass viele Christen unabhängig von der Konfession ein großes Problem mit ihrer Haltung gegenüber ihrer eigenen Kirche haben. Viele denken, die Kirche sei eine klerikale Institution oder reduziere sich auf ihre Diener am Altar: Bischöfe, Priester und Diakone. Nur diese seien von ihrer Aufgabe her verpflichtet, die kirchlichen Gottesdienste zu feiern und für die anderen Christen und die Welt zu beten. Die so denken sind der Ansicht, es genüge, getauft zu sein und an den Hochfesten wie Ostern, Weihnachten und Epiphanias zur Kirche zu gehen oder gelegentlich eine Kirche zu betreten, eine Kerze anzuzünden und ein Gebet zu sprechen.

Andere sind so sehr mit ihren alltäglichen Geschäften, Sorgen und Problemen beschäftigt, dass sie nicht einmal die Zeit finden, an Gott oder an die Kirche zu denken, also an ihr geistliches Leben. Lediglich aus Anlass einer Taufe, einer Trauung oder einer Beerdigung finden sie sich unter Angehörigen oder Freunden in der Kirche wieder, aber auch dann mehr deshalb, um eine Tradition zu erfüllen. Andere suchen die Kirche in Momenten der Versuchung, bei Krankheit oder Misserfolgen im Leben, um die Hilfe und Fürbitte des Priesters zu erbitten. Wieder andere denken regelrecht sektiererisch und glauben, sie brauchen die Kirche nicht, weil Gott in ihrem Herzen sei und das individuelle Gebet zu Hause oder anderswo ausreichend sei.

Leider sind nur sehr wenige Christen wirklich in der Kirche integriert, leben ein kirchliches Leben und identifizieren sich mit Christus als Haupt der Kirche (Epheser 1,22). Für diese ist die Kirche keine künstliche oder sekundäre Schöpfung, die wir je nach eigenem Gutdünken betrachten könnten, sondern der Ort unserer Gemeinschaft mit Gott und den Nächsten par excellence, mit denen wir eine Gemeinschaft im Glauben bilden und dem gleichen Ideal folgen , einen lebendigen Organismus, jenen des mystischen Leibes Christi (vgl. Epheser 1,22).  

Was ist die Kirche eigentlich?

Die erste Wahrnehmung von Kirche ist die als Gotteshaus, als der Ort, wo sich die Gläubigen zum Gebet versammeln. In allen Religionen gibt es eigene Gebetsstätten, die als heilig erachtet werden, weil in ihnen Gottesdienst gefeiert wird, durch den man in Verbindung mit der Gottheit tritt. In der jüdisch-christlichen Tradition waren die ersten Kultstätten die Stiftshütte, der Tempel in Jerusalem, die Synagogen und dann die christlichen Kirchen, die es heute über die ganze Welt verstreut gibt, nachdem sich der christliche Glaube durch die Christianisierung der verschiedenen Völker verbreitet hat. Die Gebetsstätten sind heilig, weil sie durch ihre Weihe Gott gewidmet wurden und die dort vollzogenen Handlungen nicht nur menschliches, sondern auch göttliches Wirken darstellen. Der Erlöser nennt den Tempel in Jerusalem, wo er hinging, um zu beten und zu dem Volk zu predigen, „das Haus meines Vaters“ (Johannes 2,16). So ist die Kirche das Haus Gottes. Sie ist voll der Herrlichkeit des Herrn (vgl. 2. Chronik 7,1; Hesekiel 43,5), also Seiner Gegenwart. Das Gebet in der Kirche hat eine besondere Kraft, denn es ist nicht nur das Gebet eines einzelnen Menschen, sondern der ganzen Gemeinschaft, auch der ganzen Kirche.

Mystisch betrachtet ist die Kirche die Verlängerung des Leibes Christi in der Geschichte, also des erlösenden Lebens und Wirkens Christi, der an allen Tagen bis zum Ende der Welt mit denen sein will, die an Ihn glauben (vgl. Matthäus 28,20). In den heiligen Sakramenten (Mysterien) der Kirche: der Taufe, der Myronsalbung, der Eucharistie, der Priesterweihe, der Beichte, der Trauung und der Krankensalbung, wie auch in den anderen Gottesdiensten und Gebeten der Kirche wirkt der Heilige Geist, der für jede Generation das erlösende Wirken des Herrn aktualisiert und in unseren Herzen gegenwärtig macht. In der Kirche haben wir immerzu Anteil an Christus, sowohl geistlich wie unter der Form des eucharistischen Brotes und Weins, die durch das Gebet der Kirche, also der Gemeinschaft der Gläubigen Leib und Blut Christi werden. Wir haben immerzu Anteil an Christus, um allmählich immer mehr eins mit Ihm und untereinander zu werden. Ein wahrer Christ kann mit dem Apostel Paulus sagen: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2,20), oder: „Wir aber haben Christi Sinn“ (vgl. 1. Korinther 2,16; Philipper 2,4).

So ist die Kirche ein lebendiger Organismus, an dem alle Getauften, alle, die bei ihrer Taufe versprochen haben, „dem Satan zu entsagen und sich mit Christus zu vereinen“ (wie es in der orthodoxen Taufliturgie heißt), Anteil haben. Durch die Taufe werden wir zu Gliedern am Leib Christi, der die Kirche ist, in der wir geistlich durch Gebet, Askese und Teilnahme an den Heiligen Sakramenten reifen „bis wir alle hingelangen (…) zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi“ (Epheser 4,13). Wie ein aus dem Stamm gerissener Trieb vertrocknet und keine Frucht bringen kann, so kann auch der Christ, der nicht in Christus bleibt, also in der Kirche, mit der Christus sich identifiziert, geistlich nicht wachsen (vgl. Johannes 15,1-5).

Was ist die Eucharistie?

Die Eucharistie ist das Sakrament (das Mysterium) des Leib und Blutes Christi, das Christus Selbst beim „Heiligen Abendmahl“ vor Seiner Passion eingesetzt hat. Tatsächlich nahm der Herr beim Abendmahl am Gründonnerstag „das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Neuen Testamentes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden“. „Das tut zu meinem Gedächtnis.“ (Matthäus 26,26-28; Lukas 22,19). Die Eucharistie ist das Sakrament der Kirche par excellence, das Sakrament, welches die Kirche konstituiert. Die Kirche, also die Gemeinschaft der Gläubigen, feiert die Eucharistie, und die Eucharistie verwandelt die Gläubigen in die Kirche, den Leib Christi. Durch den Empfang der Heiligen Sakramente werden die Gläubigen eins mit Christus und eins untereinander. Die ersten Christen haben dies sehr gut verstanden und waren deshalb „beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen (Eucharistie) und im Gebet“. „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele“ (Apostelgeschichte 2,42; 4,32). Zwischen der Kirche und der Eucharistie besteht also eine innere Verbindung der Identität.

Die Orthodoxe Kirche glaubt, wie auch die Katholische Kirche, an die Realpräsenz Christi im eucharistischen Brot und Wein. Die von den Gläubigen dargebrachten Elemente Brot und Wein werden durch das Herabkommen des Heiligen Geistes als Antwort auf das Gebet der Gläubigen mit dem Bischof (oder in seiner Abwesenheit dem Priester) an der Spitze zum Leib und Blut des Herrn. Dies ist ein Sakrament (Geheimnis, Mysterium), das unser Verstand nicht begreifen kann, das wir aber im Glauben annehmen. Versuche der verstandesgemäßen Erklärung („Rationalisierung“) der Sakramente haben stets zu Häresien und zur Spaltung der Gläubigen geführt. Wir müssen das glauben, was Christus uns dazu gesagt hat, und zwar dass die in der gottesdienstlichen Versammlung konsekrierten Elemente Brot und Wein Sein Leib und Blut sind. Wenn wir an der realen Präsenz Christi in der Eucharistie zweifeln, bedeutet dies, dass wir Seine Fleischwerdung und ihre Verlängerung durch die Kirche bis zum Ende der Zeiten relativieren.

Die eucharistische Liturgie.

Die Orthodoxe Kirche hat nur zwei eucharistische Liturgien bewahrt: jene des heiligen Johannes Chrysostomos und jene des heiligen Basilius des Großen (beide aus dem 4. Jh.), die sich sehr ähneln. Beide Liturgien bestehen aus zwei Teilen: der Liturgie der Katechumenen (also derer, die sich auf den Empfang der Taufe vorbereiten, an der aber auch die Getauften teilnehmen), welcher in der abendländischen Tradition dem Wortgottesdienst entspricht, und die Liturgie der Gläubigen, die den eucharistischen Kanon mit der Epiklese umfasst (das Herabrufen des Heiligen Geistes zur Konsekration der Opfergaben) und die Kommunion der Gläubigen. Zur Liturgie der Katechumenen gehören die biblischen Lesungen (Epistel und Evangelium) sowie die Predigt und Gebete in der Form der Ektenien für die Gläubigen und für die Katechumenen. Der Liturgie geht die Gabenvorbereitung der von den Gläubigen dargebrachten Elemente Brot und Wein voraus im Rahmen eines festgelegten liturgischen Rituals, das der Priester im Stillen vollzieht, vor Beginn der eigentlichen Liturgie.

Das Ritual der eucharistischen Liturgie ist sehr reich und voller Symbolik, der Gesang ist ausschließlich vokal. Die Atmosphäre der Kirche ist sehr mystisch, lädt zur Verinnerlichung ein, zur Kontemplation des Geheimnisses des Lebens unseres Erlösers, das die Liturgie reaktualisiert, beginnend mit Seiner Geburt bis zur Himmelfahrt. Es ist bekannt, dass die Orthodoxe Kirche ein besonderes Gespür für das Mysterium hat. Jedes Gebet, auch das liturgische Gebet, muss vom Verstand in das Herz „hinabsteigen“, das Herz ergreifen, welches die Mitte des menschlichen Wesens ist, der Ort, an dem wie in einem Fokus alle psycho-physischen Kräfte des Menschen konzentriert sind; gleichzeitig die Heimstatt der Taufgnade. Gott wohnt im Herzen des Menschen. Daher ist es wichtig, dass der Geist (Intellekt), der nichts anderes ist als eine Energie des Herzens, fortwährend in unser Herz „hinabsteigt“, um zur Ruhe zu finden. Die Scheidung von Geist und Herz führt zu seelischem Stress und Unruhe, zu Depressionen und Zuständen der Unzufriedenheit. Gerade deshalb sind das individuelle Gebet und das liturgische Gebet von einer ständigen Aktualität.

Die Vorbereitung auf die Teilnahme an der eucharistischen Liturgie und der Empfang der Heiligen Sakramente.

In der orthodoxen Tradition fordern die Teilnahme an der Göttlichen Liturgie, die einen Charakter des Mahles und des Opfers hat, wie auch die Kommunion an den Heiligen Sakramenten Christi eine besondere Vorbereitung. Im Gleichnis von der königlichen Hochzeit (Matthäus 22,1-14) lenkt Jesus die Aufmerksamkeit auf den, der ohne hochzeitliches Gewand zur Hochzeit kommt und daraufhin von der Hochzeit ausgeschlossen wird. Die eucharistische Liturgie stellt unsere Vermählung mit dem Opferlamm Gottes dar, zu der wir im Hochzeitsgewand erscheinen müssen. Und das Hochzeitsgewand besteht in der Reinheit der Seele, die wir durch viel Gebet und Askese wie auch durch gute Werke als Ausdruck der konkreten Liebe zu den Nächsten erlangen, sowie durch das Bekennen unserer Sünden vor dem geistlichen Vater.

Eine aus dem Mittelalter stammende Tradition verlangt, die Kommunion am Heiligen Altarsakrament vier Mal im Jahr zu empfangen, und zwar in den vier Fastenzeiten (vor Ostern und vor Weihnachten, zum Entschlafen der Gottesmutter und zum Fest des heiligen Apostels Petrus und Paulus), und zwar mit vorheriger Beichte. Heute empfangen die Gläubigen viel häufiger die Kommunion, wie es sich auch gehört, einige sogar regelmäßig, d.h. bei jeder Göttlichen Liturgie (wie es zum Beispiel in der Griechischen, Russischen, Antiochenischen und anderen Kirchen üblich ist, in der Rumänischen Kirche leider weniger).

Die Beichte ist jedoch nicht notwendigerweise an den Empfang der Kommunion gebunden. Sie ist an begangene Sünden gebunden. Den Gegenstand der Beichte bilden also die Sünden, vor allem die schweren Sünden, als da sind: die Abkehr von Christus, Mord (einschließlich der Abtreibung oder der Empfängnisverhütung durch Medikamente, die einen verfrühte Fehlgeburt auslösen), Ehebruch, Unzucht, Leben im Konkubinat, Hass, Unterdrückung der Nächsten…, die uns von Christus und der Kirche trennen, mit der Christus sich identifiziert. Die Beichte ist das Sakrament der Versöhnung mit der Kirche, das Sakrament, das uns wieder in den Stand vollgültiger Mitglieder der Kirche versetzt, aus dem wir durch die Sünde herausgefallen sind. Gerade deshalb sagt der Priester im Gebet unmittelbar nach der Beichte: „versöhne, Herr, und vereine den reuigen Sünder neu mit Deiner Heiligen Kirche in Christus Jesus, unserem Herrn…“.

Wer schwere Sünden begeht, kann nur nach der Beichte und nach dem Erfüllen eines Bußkanons, was mehrere Jahre dauern kann, wieder die Kommunion empfangen. Selbstverständlich versprechen wir Gott, dass wir mit Seiner Hilfe die begangenen Sünden nicht mehr wiederholen.

So wird das Hochzeitsgewand oder das leuchtende Taufkleid, das von der Sünde befleckt ist, durch die Beichte gereinigt, die uns gleichzeitig zu noch mehr Gebet und Askese anspornt. Im Wissen um unsere Sünden geben wir uns noch mehr Mühe auf dem Weg des Gebets und der Askese. Denn das Gebet und die Askese reinigen unsere Seele und vereinen uns mit Gott. Das Gebet muss der Odem des gläubigen Menschen werden, denn Gott können wir als den tiefsten Grund unseres Daseins nur dann als Wirklichkeit spüren und wahrnehmen, wenn wir viel beten, ja sogar „unablässig“, wie uns der heilige Apostel Paulus nahelegt (1. Thessalonicher 5,17). Daher haben die Väter der Kirche eine ganze Reihe von Gebeten für alle Lebenslagen wie auch zum Empfang der Heiligen Sakramente Christi zusammengestellt. Der Kanon der Eucharistie ist von einer besonderen Schönheit. Dabei ist auch das spontane Gebet nicht ausgeschlossen.

Neben dem Gebet und der Askese, also dem Fasten, spielen auch die Nachtwachen, die Metanien, der Kampf gegen die Sünde beziehungsweise für die Befreiung von den Leidenschaften, falls wir von einer Leidenschaft befallen sind, in der Orthodoxen Kirche eine besonders wichtige Rolle. Das christliche Leben ist grundsätzlich ein asketisches Leben. Es ist „der schmale Weg“ (Matthäus 7,14), der mit vielen Versuchungen und Beschwernissen einhergeht, die wir nicht anders überwinden können als durch Geduld und Beharrlichkeit in Fasten und Gebet, durch Mäßigung in allem und Enthaltung von allem, was der Seele schaden kann in ihrem Streben zu Gott. Daher hat die Orthodoxe Kirche die alten Ordnungen und Bräuche zum Fasten, zur ehelichen Enthaltsamkeit in der Fastenzeit und vor dem Empfang von Leib und Blut Christi (I Korinther 7,5) als eucharistisches Fasten bewahrt… Auf den ersten Blick engen all diese Ordnungen die Freiheit des Menschen ein, doch in Wirklichkeit erlangen wir durch sie wirkliche Freiheit.     

Die Früchte der Eucharistie im Leben des Christen

Die Erlösung wie auch alle guten Fertigkeiten oder Tugenden, die das Leben eines Christen schmücken sollen, sind Gaben Gottes. „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts“ (Jakobus 1,17). Doch Gott zwingt niemanden, Seine Gaben anzunehmen. Ihre Annahme erfolgt durch Glauben und Öffnung des Herzens. Der Glaube seinerseits ist wiederum keine bloß rationale Zustimmung zur Offenbarung Gottes, sondern vor allem eine innere Zustimmung und Ergriffenheit, die nach einem neuen Lebensstil verlangt. „Das Christentum ist keine neue Religion; es ist nicht einmal eine Religion, sondern eine Krisis aller Religionen. Das Christentum ist das neue Leben in Christus“, sagt der französische Theologe Olivier Clément. Aber um dieses neue Leben auch führen zu können, müssen wir das alte Leben oder den alten Menschen, der an die Sünden und Begierden gewöhnt ist, zuvor ablegen, und uns mit dem neuen Menschen anziehen, der „nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Epheser 4,24). Dieser Wandel beginnt mit der Taufe, muss aber mit großer Konsequenz das ganze Leben über fortgesetzt werden.

Doch die meisten von uns geraten nach der Taufe auf Abwege, so dass unser Herz sich verhärtet und nicht mehr sensibel ist für die Gnade Gottes, die wir dann nicht mehr in uns wirken lassen und mit der wir dann nicht mehr zusammenwirken. Wenn wir unseren Irrtum erkennen und aufwachen, dann müssen wir zur Kirche eilen, die Hilfe des Priesters und unserer Nächsten erbitten und uns darum bemühen, uns definitiv in das Leben der Kirche zu reintegrieren, wo wir durch die Heiligen Sakramente und das Gebet der Nächsten Hilfe bekommen für unseren Kampf zur Befreiung von den Leidenschaften und zum Erlangen der Tugenden, die uns die durch die Sünde verlorene Freiheit wiedergeben. Grundsätzlich ist unser ganzes Leben ein fortlaufendes Bemühen um das Vorankommen auf dem Weg des Guten, der Tugenden und unserer Angleichung an Christus bis hin zu unserer Identifikation mit Ihm. In diesem Bemühen werden wir immerzu unterstützt von der Gnade der Heiligen Sakramente, besonders von der Kommunion an Leib und Blut Christi.

Im christlichen Leben gibt es viele Widersprüche, die nur von jenen aufgenommen werden können, die tief im Glauben stehen. So sagen die besonders entschiedenen Glaubenszeugen einerseits, dass alles Gnade ist, gleichzeitig aber auch, dass wir unser Blut geben müssen, um die Gnade zu erlangen. Beides stimmt. Alles kommt von Gott, alles ist Gnadengabe Gottes, gleichzeitig aber hängt alles auch von unserem Willen ab, die Gabe Gottes anzunehmen oder abzuweisen. Und die Annahme geschieht durch unser vorbehaltloses Leben im Glauben: „Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden im Kampf gegen die Sünde“, sagt der Apostel Paulus (Hebräer 12,4). Und ebenfalls er sagt: „Ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht anderen predige und selbst verwerflich werde“ (1. Korinther 9,27).

Die Eucharistie und alle anderen Heiligen Sakramente sind eine Gnadengabe Gottes, die uns heiligt und mit Christus eint, allerdings nur in dem Maße, wie wir uns im Glauben durch Gebet und Askese existenziell bemühen.

Metropolit Serafim 

 

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