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Worte des Metropoliten

Die Rumänische Orthodoxie in Deutschland (München, 7.01.2015)

Liebe Schwestern und Brüder,

 Die rumänische orthodoxe Gemeinschaft von München und unsere Metropolie von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa feiern am heutigen Abend ein bedeutendes kirchliches und ökumenisches Ereignis in festlichem liturgischem Rahmen und mit großer Freude im Herzen aller Anwesenden, das für alle Zeiten in unserer Geschichte einen besonderen Platz einnehmen wird. So haben wir heute die besondere Ehre, Seine Eminenz Reinhard Kardinal Marx, den Erzbischof von München und Freising und Vorsitzenden der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz, unter uns zu haben und damit den höchsten Würdenträger und die herausragendste Persönlichkeit der Katholischen Kirche in Deutschland, die über 25 Millionen Gläubige umfasst. Wir sagen Seiner Eminenz ein herzliches „Willkommen” in seiner eigenen Kirche, in dieser wunderschönen katholischen Kirche Zum Heiligen Johannes dem Täufer, dessen Gedenken wir Orthodoxen heute liturgisch gefeiert haben. Diese Kirche wurde uns von Seiner Eminenz persönlich für unsere Gottesdienste zur Verfügung gestellt.          

Wie hier in München ist es auch an vielen anderen Orten in Deutschland. Unsere meisten Pfarreien genießen derzeit noch in Ermangelung eigener Kirchen liturgisches Gastrecht in katholischen oder evangelischen Kirchen. Wir können nur unzureichend danken für diese großen Gesten der christlichen Brüderlichkeit, mit denen uns die beiden Mehrheitskirchen in Deutschland begegnen. Es ist unsere gute christliche Pflicht, für unsere Wohltäter zu beten und zu lernen, dass auch wir entsprechend großzügig und hilfsbereit sind, wenn sich unsere Nächsten in Not befinden.

Die Tatsache, dass in Deutschland heute fast  eine Million Rumänen leben, von denen die überwältigende Mehrheit Orthodoxe sind, kann kein Zufall sein. Zehntausende davon sind beruflich hoch qualifizierte junge Menschen: Ärzte, Ingenieure, Computerspezialisten. Nichts in unserem Leben und auf der ganzen Welt ist Zufall. „Nichts ist Zufall, alles ist Vorsehung!” Gott der Grundgütige und Allmächtige hat einen Plan mit jedem von uns und mit der ganzen Welt. Über Jahrhunderte haben die Christen aus dem Osten und dem Westen Europas isoliert voneinander gelebt. Nun hat es Gott gefallen, die Grenzen fallen zu lassen und die Christen einander wieder näher zu bringen. Er ist es auch, der uns aufruft, unsere inneren Grenzen fallen zu lassen, die uns noch voneinander trennen, damit wir alle eins seien, wie unser Herr Jesus Christus vor Seiner Kreuzigung betet.      

Sicher ist es nicht leicht, jemanden ins Herz zu schließen, der von seinem sozialen, kulturellen oder religiösen Status her von uns verschieden ist. Um dies zu können, brauchen wir Christus in unserem Herzen, Der die ganze Welt, alle Menschen und den Kosmos in Sich trägt. Oder, um es mit Paulus zu sagen: wir sollen „den Sinn und Geist Christi haben” (vgl. 1. Kor. 2,16; Philipper 2,5) Und in Christus „ist nicht mehr Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn wir sind allesamt einer in Christus Jesus” (vgl. Gal. 3,28). 

Die christliche Spiritualität, besonders die orthodoxe Tradition, ist eine Spiritualität des Herzens; sie zielt auf die innere Verwandlung des Menschen, der sich im Herzen konzentriert. Durch das individuelle und gemeinsame Gebet, das immer mit im Herzen konzentrierter Aufmerksamkeit verrichtet werden soll, oder wie es die heiligen Väter sagen: „mit ins Herz versenktem Geist”, durch Fasten und Mäßigung in allem, durch Ertragen der Leidenserfahrungen und Prüfungen des Lebens wird unser oft genug versteinertes oder gefühlloses Herz allmählich durch die Gnade Gottes zu einem mitleidsvollen Herz, das sensibel ist für die Schmerzen und Bedürfnisse der Nächsten, weil es seine ontologische Einheit mit der ganzen Menschheit wiedererlangt hat. Es ist dann von nichts und niemand mehr getrennt. Ein mitleidsvolles Herz, sagt der heilige Isaak der Syrer (7. Jh.), brennt vor Liebe für alle Menschen und die ganze Schöpfung, sogar für die Dämonen. Nur aus einem mitleidsvollen Herzen können Werke der christlichen Barmherzigkeit entspringen, nach denen wir bei der Parusie Christi gerichtet werden, wie wir in dem Evangelium dieses Abends gehört haben.

Ich glaube, dass Gott der Herr von uns Orthodoxen erwartet, dass wir hier im Abendland ein lebendiges Zeugnis vom mystischen Reichtum unserer Tradition ablegen, die der Seele des Menschen Frieden schenken kann, der heute  mit so vielen Problemen konfrontiert ist.  

Aber wir müssen uns auch fragen: wie gut kennen und leben wir Orthodoxen überhaupt unsere eigene Lehre und unsere Traditionen? Wieviel Frieden haben wir selbst in unserer Seele, um sie auch anderen mitteilen zu können? Und wir dürfen uns immer fragen: was können wir von unseren katholischen oder evangelischen Geschwistern im Glauben lernen, mit denen wir zusammenleben? Ich glaube, wir alle können viel voneinander lernen. Denn jede christliche Tradition hat ihren eigenen Reichtum, der in vieler Hinsicht all jene inspirieren kann, die sie in Liebe und Offenheit kennenlernen wollen. Der heilige Basilius der Große leitete schon zu seiner Zeit die Jugend an, so viel als möglich zu lesen, auch von nicht-christlichen Schriftstellern, und von allem wie eine Biene all das zu sammeln, was gut ist. Oder wie Paulus schreibt: „Prüft alles, das Gute aber behaltet!” (1. Thessalonicher 5,21).

Eure Eminenz, wie ich vorhin schon gesagt habe, bilden wir orthodoxen Rumänen in Deutschland eine sehr zahlreiche christliche Gemeinschaft, der jedoch häufig die materielle Grundlage fehlt, um selbst Kirchen und eigene Gemeindezentren zu bauen, um ein normales geistliches Gemeindeleben zu entwickeln. Unsere einzige Geldquelle sind die freiwilligen Gaben unserer Gläubigen, die sich bemühen, nach Möglichkeit eine  Verbindung mit der Kirche zu halten, auch wenn sie oft in großer Entfernung leben. Umso mehr danken wir für Unterstützung in jeder Form seitens der Katholischen und der Evangelischen Kirche in Deutschland.                    

Ein großer Teil unserer Gläubigen in Deutschland besteht heute aus konfessionell und ethnisch gemischten Familien: orthodoxen Rumänen, die mit evangelischen Sachsen aus Siebenbürgen oder katholischen Schwaben aus Banat verheiratet sind. Sie leben Europa in der Keimzelle der Familie. Die häufigsten Eheschließungen sind daher ökumenische Trauungen. Wenn wir diese absurderweise ablehnen würden, würden wir hier ohne Gläubige bleiben! Wir respektieren die konfessionelle Identität eines jeden und freuen uns, wenn diese Christen religiös getraut werden wollen. Leider kommt es oft vor, dass sich orthodoxe Rumänen offiziell nach der Konfession des Ehemannes oder der Ehefrau als evangelisch oder katholisch erklärt haben und Kirchensteuer bezahlen, ohne je in Wirklichkeit ihre orthodoxen Glauben abgelegt und die Kirche gewechselt zu haben.

Eure Eminenz, die Priester und Gläubigen unserer Metropolie und wir als die beiden Bischöfe an der Spitze fühlen uns besonders geehrt, dass Sie die Auszeichnung mit dem Orden „Kreuz der heiligen Märtyrer Brâncoveni”, die höchste Auszeichnung unserer Metropolie, heute annehmen und dass Sie an diesem Abend mit uns gebetet haben. Wir beten zu dem grundgütigen Gott, dass Er Ihnen ein langes gesegnetes Leben, Gesundheit und ein weiter so segensreiches Wirken im apostolischen Hirtenamt schenken möge, zu dem Christus Sie in Seiner Kirche berufen hat. Amen.

Metropolit Serafim  

(Übersetzung von Pfr. Dr. Jürgen Henkel, Selb)

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