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Pastoralbriefe

"Laßt uns einander lieben... " - Weihnachten 2000

 Laßt uns einander lieben...  

 „Laßt uns einander lieben, damit wir in Eintracht bekennen,  den Vater, den Sohn und

den Heiligen Geist,die wesensgleiche und unteilbare Dreieinigkeit“.

(Göttliche Liturgie)

 Hochwürdige Väter und geliebte Gläubige,

das Fest der Geburt unseres Herrn und Heilandes, das wir heute mit besonderer Freude begehen und feiern, markiert in diesem Jahr zwei Jahrtausende christlicher Geschichte und eröffnet den Weg ins dritte Jahrtausend.

Das Kind Jesus, das heute in Bethlehem geboren wird, ist der Herr des Lebens und der Geschichte, nach dessen Antlitz Gott Adam und alle Menschen schuf. Denn so sagen es uns die Kirchenväter, daß Gott, als er Adam schuf, ihm das Antlitz Seines Sohnes gab, der Selbst Mensch werden mußte „als die Zeit erfüllt war„ (Gal. 4,4), um die in die Sünde gefallene Menschheit zu erlösen. Wir alle tragen folglich das Antlitz Jesu und verfügen über ein von Ihm geschenktes Leben, doch nicht auf eine autonome Weise, sondern in der Gemeinschaft der Liebe mit Ihm. Denn der Mensch wurde geschaffen, um Gemeinschaft mit Gott zu haben, nicht für sich selbst. Das Leben des Menschen erfährt seine Erfüllung und Vollendung nur in der Verbindung der Liebe mit Gott, seinem Schöpfer, der in der Person Seines Sohnes, unseres Erlösers Jesus Christus, zur Welt  kommt und am Menschsein Selbst teilhat, um uns so noch näher zu sein. Der Kern Seiner in den Evangelien und im ganzen Neuen Testament enthaltenen Lehre kann auf einen einzigen Nenner gebracht werden: die Liebe.

Die Liebe ist das Wesen Gottes selbst (vgl. 1. Joh. 4,8), d.h. das Leben der drei göttlichen Personen: des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes. Die vollkommene Gemeinschaft im Sinne von Verbindung der Liebe, die die göttlichen Personen eint, bewirkt es, daß Sie ein einziger Gott sind, und nicht drei Götter.

Genauso ist auch die Menschheit, die dazu geschaffen wurde, das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit zu spiegeln, ihrem Wesen nach eins, auch wenn sie aus einer Vielzahl von Personen gebildet wird. Wir, alle Menschen, bilden die eine große Menschenfamilie, die gerufen ist, in der Gemeinschaft der Liebe nach dem Modell der göttlichen Personen zu leben. Wenn die Sünde nicht existierte, wäre die Liebe zwischen den Menschen vollkommen und genauso ihre Einheit. Dann würde sich wahrhaft die Bitte aus dem „Vaterunser„ erfüllen: „wie im Himmel, so auf Erden„.

Leider ist die Sünde eine allgegenwärtige Wirklichkeit unter den Menschen. Sie trübt unaufhörlich die Gemeinschaft (die Beziehung) der Liebe zwischen den Menschen und Gott wie unter den Menschen. Wegen der Sünde und ihrer negativen Auswirkungen auf das Leben der Menschen spiegelt die Welt nicht mehr die Liebe Gottes wieder, und auch nicht die Einheit und die Harmonie zwischen den göttlichen Personen. Dort, wo die Sünde herrscht, erkaltet die Liebe und mit ihr verschwinden das gegenseitige Vertrauen und das gute Verstehen, die Harmonie und die Einheit. Dafür treten Egoismus, Verachtung, die Verurteilung des Nächsten, Stolz und andere zahllose Sünden ins Werk, die aus dem guten Menschen ein Werkzeug in der Hand des Bösen machen.

 Geliebte Gläubige,

unser Erlöser Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um den Menschen aus der Knechtschaft der Sünde und aller ihrer Folgen einschließlich des Todes zu befreien, und ihn so in seiner wesenhaften Verbindung der Liebe zu Gott und seinen Nächsten in der Menschheit wiederherzustellen. Wer wahrhaft an Jesus Christus glaubt und sich bemüht, seine Gebote zu erfüllen, der ist frei von der Sünde und liebt Christus, so wie Er uns geliebt hat, als Er Sich zum Opfer für unsere Sünden dahingegeben hat. „Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt„ (Joh13, 34-35). Im Gebot der Nächstenliebe wird das ganze Gesetz und die Propheten zusammengefaßt, also die ganze Schrift (vgl. Mt. 7,12; Röm 13,8). Trotzdem ist diese Liebe, die uns Gott gebietet, nicht nur eine menschliche Liebe wie zwischen Eheleuten, Eltern, Kindern und Verwandten oder solchen, die sich gegenseitig Gutes tun, sondern es ist eine übermenschliche Liebe: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen. Segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen„ (Mt 5,44). Der Erlöser gebietet uns, wie der Herr zu lieben, der „seine Sonne aufgehen läßt über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte„ (Mt 5,45), da die menschliche Liebe leicht in Egoismus, d.h. interessengeleitete Liebe, verfallen kann, wohingegen die Liebe, die von Gott kommt, frei von Interesse ist. Die Charakteristika dieser Liebe schildert der Apostel Paulus in Kapitel 13 seines ersten Briefes an die Korinther, das die schönste Hymne aller Zeiten auf die Liebe ist: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erzürnen, sie rechnet das Böse nicht an, sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf„ (1. Kor. 13,4-8)

Doch wie kommen auch wir zu einer solchen Liebe, wenn wir so oft von Haß, Mißtrauen und Verdächtigungen umgeben sind? Wenn wir zu Unrecht kritisiert, verurteilt oder verletzt werden? Zu lieben unter solchen Bedingungen scheint eine Kapitulation und eine große Schwäche zu sein. Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort, und zwar: wir können nicht anders lieben als nach dem Beispiel Christi und zusammen mit Christus, wenn wir die unerschütterliche Gewißheit haben, daß die Liebe stärker ist als der Tod. Alle Bosheit und Nichtigkeiten der Menschen lösen sich in Rauch auf. Nur die Liebe bleibt ewig.

Das Leben unseres Erlösers und Heilandes auf Erden war eine einzige Verfolgung. Kaum nach Seiner Geburt in Bethlehem trachtete König Herodes Ihm schon nach dem Leben. Auch die dreieinhalb Jahre seiner Verkündigung des Evangeliums haben für ihn eine unaufhörliche Verfolgung durch die Schriftgelehrten und Pharisäer bedeutet, bis er nach dem Verrat durch einen Apostel gefangengenommen und ans Kreuz geschlagen wurde. Doch der Erlöser hat auf Seinen Auftrag nicht verzichtet, die Menschen zu erlösen, indem er sie bis zum Kreuz liebte. Seine Verurteilung durch die Menschen, deren Geschrei und Seine verächtliche Behandlung und vor allem die Kreuzigung hinterließen den Eindruck großer „Schwächen„. Doch aus der größten Schwäche, d.h. aus der extremsten Liebe, mit der Er Seine Feinde liebte und mit der Er auch uns liebt, ist der größte Sieg errungen worden: die Auferweckung von den Toten.

Vom Leben des Erlösers lernen wir, daß wir nur dadurch den Haß und alles Unrecht, das über uns kommt, besiegen, wenn wir unser Kreuz annehmen. Wir sollen überzeugt sein davon, daß in allem Unrecht, in allen Krankheiten und Versuchungen, im Haß der Menschen und in den Versuchungen des Teufels auch das Antlitz Christi und die Kraft aus Seiner Auferstehung verborgen ist. Wir sind niemals allein, wenn wir uns nicht selbst von Christus trennen. Christus ist immer mit uns, alle Tage, bis ans Ende der Welt (Mt. 28,20). Mit Christus aber können wir nur Sieger bleiben, unabhängig davon, was uns in diesem Leben zustößt.

 Geliebte Gläubige,

Die Welt von heute hat durch viele Versuchungen zu gehen, denn wegen der Vervielfachung der Verbrechen, ist die Liebe bei vielen erkaltet (vgl. Mt. 24,12). Und ohne Liebe kann die Welt nicht überleben. Gott aber hat nie aufgehört und wird auch nie aufhören, uns zu lieben und uns zu Sich zu rufen, um uns Ruhe zu schenken von allen Sorgen und Problemen des Lebens: „Kommt her zu Mir alle die ihr mühselig und belade seid; Ich will euch erquicken. Nehmt auf euch Mein Joch und lernt von Mir; denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen„ (Mt. 11,28-29). Antworten wir auf diesen Ruf, indem wir Christus im Gebet, in der Göttlichen Liturgie, in der Kommunion an Seinem Leib und Blut und in unseren Nächsten suchen. Denn in allen Menschen ist Christus verborgen, vor allem in den Menschen, die leiden und unsere Hilfe nötig haben (vgl. Mt. 25). Zeigen wir besonders in diesen Zeiten großer Armut unsere Opferbereitschaft für unsere Schwestern und Brüder in unserem Land!

Vergrößern wir die Liebe untereinander, indem wir auf den Wunsch nach Rache oder Verurteilung verzichten, denn Gott allein gebührt das Richten (Mt. 7,1; Röm. 14,13), um so die Einheit unter uns zu stärken. 

Mit Dank für die Liebe, mit der Ihr um Eure geistlichen Hirten seid, und für die Hilfe, die Ihr uns zur Restauration unserer Metropolitankirche in Nürnberg geschenkt habt, segnen wir Euch im Namen des Herrn und wünschen Euch von ganzem Herzen Gesundheit, Frieden und Verstehen in den Familien.

 Frohe Feiertage und Ein gutes Neues Jahr!

 Der Euch wohlgesonnene und immer für Euch betende

 † Serafim

Erzbischof und Metropolit von Deutschland und Zentraleuropa

(Übersetzung: cand. theol. Jürgen Henkel) 

 

 

 

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