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Pastoralbriefe

Ostern 2001

 

 

 

 

 Liebet eure Feinde!

 „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.„ (Luk. 23, 34)

  Geliebten in Christus,

 Christus ist auferstanden!

 Wir freuen uns mit allen Christen über die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, durch die der Tod, der größte Feind des Menschen, besiegt und die Hölle niedergerissen wurde und ein neues Leben begonnen hat. Unsere Freude ist um so größer, als in diesem Jahr, dem ersten des neuen Jahrtausends, die gesamte Christenheit am gleichen Tag das große Fest der Auferstehung feiert. Ein prophetisches Zeichen für die Einheit aller Christen! Wir sind also in Herzen und Gedanken vereint mit Millionen von Christen auf allen Kontinenten der Welt, beginnend mit Jerusalem, das an diesem heiligen Festtag Siegeshymnen zum Lobe unseres Herrn Jesus Christus singt, der uns alle, die wir an Ihn glauben und Ihm gleich zu werden versuchen, unablässig von Tod und Sünde befreit durch die Kraft Seiner Auferstehung. Die Freude über die Auferstehung ist so groß, dass wir in den 40 Tagen bis zur Himmelfahrt Christi uns mit dem Gruß „Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“grüßen und uns die Osterfreude gegenseitig mitteilen. Dadurch verleihen wir unserer tiefen Überzeugung Ausdruck, dass unser Leben nicht mit dem leiblichen Tod endet, sondern in Ewigkeit besteht in der Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus, der zur Rechten des Vaters sitzt. Gleichzeitig schreiben wir uns in die Reihe der „Zeugen der Auferstehung„ ein, wenn wir von der Auferstehung Christi verkündigen: der gesalbten Frauen und der heiligen Apostel und all der unzähligen Christen, die in der Geschichte der Kirche den auferstandenen Christus in allen Lebenslagen bezeugt haben.

Sicher beschränkt sich die Verkündigung der Auferstehung des Herrn nicht mit dem Gruß „Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“, sondern findet seinen Ausdruck in allen Handlungen unseres Lebens, durch die Worte, die wir täglich sprechen, durch die erbaulichen und positiven Gedanken, die wir in unserem Herzen und Geist empfangen. Durch all das bezeugen wir, dass wir die „Kinder der Auferstehung“ sind (Luk 20, 36), die Menschen, die mit Christus auferstanden sind. So beschränkt sich die Auferstehung Christi nicht nur auf das historische Ereignis, das wir heute feiern, sondern wird im Glauben eine Wirklichkeit für unser eigenes Leben an jedem Tag und zu jeder Stunde.

Durch die Kraft, die uns aus der Auferstehung Jesu und einem festen Glauben zukommt, schaffen wir es, alles Böse in uns und um uns herum zu überwinden, uns aus der Umklammerung der Sünde und der Leidenschaften zu befreien und uns immer mehr am Licht Christi zu erfreuen.

 Liebe Gläubige,

 Nichts verdunkelt in uns das Licht der Auferstehung Jesu mehr als der Zorn auf unsere Nächsten, auch wenn wir ihn mit ihren bösen Taten zu rechtfertigen versuchen. Oft scheint es uns, dass wir das Recht dazu haben, zu hassen oder in unserer Seele Zorn gegenüber jemand zu hegen, weil uns dieser ein Übel zugefügt hat, uns kritisiert hat oder zu Unrecht über uns geurteilt hat. Wir sind vor allem versucht, die zu hassen, die sich in der Vergangenheit zu Instrumenten der kommunistischen Diktatur gemacht haben oder sich irgendwie mit dieser Diktatur kompromittiert haben. So entsteht in uns das Gefühl des Misstrauens, des Verdachts und aller Art von Urteilen, das unseren Glauben schwächt und uns daran hindert, geistlich zu wachsen, sowohl im persönlichen Leben, als auch im öffentlichen Leben auf der Ebene der Pfarrgemeinden. Denn wer Zorn in seinem Herzen trägt, der kennt Gott nicht. Denn „Gott ist die Liebe“ (1. Joh. 4, 8). „Wer aber seinen Bruder haßt, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet“. (1. Joh. 2, 11) ...

Wahrhaftig Glauben zu haben, bedeutet ein kirchliches Bewusstsein zu haben, d.h. mit Leib und Seele in einer Kirchengemeinde integriert zu sein. So wie kein Teil unseres Körpers für sich allein isoliert existieren kann, sondern nur gemeinsam mit den anderen Körperteilen, mit denen er eine lebendige Einheit schafft, so kann niemand sagen: Ich glaube, aber ich brauche die Kirche nicht dazu. Denn die Kirche ist gerade das Medium, in dem der Glaube vermittelt wird. In der Kirche lernen wir, uns in Demut zu üben und uns gegenseitig so anzunehmen, wie wir sind; in der Kirche lernen wir, uns einander zu lieben, sogar unsere Feinde zu lieben; in der Kirche lernen wir, uns für das Wohl des Nächsten selbst hinzugeben. Indem wir uns selbst hingeben, werden wir nicht arm, sondern dadurch werden wir reich. Denn „im Geben wirst du empfangen“ hat der Mönch Nicolae (Steinhardt) von Rohia gesagt. In der Kirche verwirklicht sich die Einheit der Gläubigen und durch ihre Vereinigung geschehen wundervolle Taten und Werke, die sich zum Wohl aller wiederspiegeln.

 Meine geliebten geistlichen Kinder,

 Als er am Kreuz erhöht worden war, hat unser Erlöser Jesus Christus mit den Worten „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23, 34) für die gebetet, die ihn gekreuzigt haben. In der Tat wussten jene nicht, dass sie sich bei der Kreuzigung Jesu Christi zu Feinden der Liebe machten, dass sie die Mensch gewordene Liebe gekreuzigt haben. Alle Weltreligionen verkündigen die Liebe zwischen den Menschen, doch keine geht so weit, wie das Christentum die Feindesliebe zu verkündigen: „Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit Ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel“ (Matthäus 5, 44-45). Die Liebe zu den Feinden wird so zum Unterscheidungsmerkmal des Christen. Unser Erlöser sagt: „Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?“ (Matthäus 5, 46) Nur Liebe und bedingungslose Vergebung geben uns innere Freiheit und Frieden des Herzens. Niemand kann Frieden in seiner Seele haben, wenn er jemand hasst, auch wenn es sein größter Feind ist. Das Gebot der Feindesliebe ist für viele von uns ein Stein des Anstoßes. Wenn wir uns nicht bemühen, auch die zu lieben, die uns hassen, beleidigen oder verfolgen und wenn wir nicht für sie beten, dann können wir alles sein, nur keine Christen! Der heilige Siluan der Atonit (gest. 1938) sagt : „Wer seine Feinde nicht liebt, der kann sich nicht Christ nennen“. Doch wir sollen uns auch vor dem Irrtum hüten, alle Welt hasse und wolle uns Schlechtes. Oft geschieht, dass wir uns Feinde machen, so als ob wir sie nötig hätten, um das Böse in uns auf sie zu übertragen. Oft sind wir versucht, Schuld auf andere abzuwälzen, statt sie selbst auf uns zu nehmen. Ein wahrer Christ hat jedoch eine positive Lebenseinstellung in allen Lebenslagen. Gestärkt von Gebet, Fasten und dem Heiligen Abendmahl entwickelt er ein positives Denken in allem; er erlaubt sich keinen bösen Gedanken mehr, bleibt ruhig und gelassen bei jeder Herausforderung, er sieht alle Menschen als besser an, als er selbst ist und glaubt unablässig an den Sieg des Guten. So haben viele von denen überlebt, die lange Jahre in Gefängnissen und Lagern eingesessen sind, da sie so zur inneren Freiheit gekommen sind, die wertvoller ist, als alles andere.

Möge das Hochfest der Auferstehung des Herren für jeden von uns eine Erhöhung über unsere seelischen und leiblichen Unzulänglichkeiten hinaus bedeuten und eine Lichtstrahl der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für unsere Familien wie für unsere Kirchengemeinden! Möge die Auferstehung Jesu unseren Herzen die Kraft geben uns untereinander zu lieben, wie Christus Selbst uns liebt!

Dazu mögen uns tief in unsere Seele die Worte des Osterhymnus einprägen: „Auferstehungstag! Lasset uns licht werden durch das Fest und einander umarmen. Lasset uns auch zu denen »Brüder« sagen, die uns hassen, vergeben wir alles um Auferstehung willen und ausrufen: Christus ist auferstanden von den Toten, durch den Tod hat Er den Tod zerstört, und denen in den Gräbern das Leben geschenkt!“

 Der Segen des Herrn sei mit Euch allen in allen Tagen Eures Lebens!

 Christus ist auferstanden!

 Euer allezeit für Euch zu  Christus dem auferstandenen Herrn betender und Euch alles erdenklich Gute wünschender

 SERAFIM

 Erzbischof und Metropolit

 (Übersetzung: Jürgen Henkel)

 

 

 

 

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