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Pastoralbriefe

Ostern 2002

"Nehmt hin und esst, dies ist Mein Leib...  Trinkt alle daraus, dies ist Mein Blut..."
(Aus der Göttlichen Liturgie)

Hochwürdige Väter und geliebte Gläubige,

Christus ist auferstanden!

Die Worte unseres Erlösers Jesus Christus: „Nehmt hin und esst, dies ist Mein Leib...“ und „Trinkt alle daraus, dies ist Mein Blut...“ hören wir in jeder Göttlichen Liturgie, und zwar an ihrem Höhepunkt, wenn Brot und Wein auf dem Heiligen Altar durch das Gebet des Priesters und der in der Kirche versammelten Gemeinde Leib und Blut Jesu Christi werden, Des Gestorbenen und für die Erlösung der Welt Auferweckten. Durch diese Worte lädt der Herr uns wie seinerzeit die heiligen Apostel zu Seinem Mahl, um uns mit einer besonderen Speise und einem besonderen Trank zu stärken, die uns die Gewissheit des ewigen Lebens schenken. „Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und Ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken“, sichert uns der Herr im Johannes-Evangelium zu (6,54).

Der Erlöser hat dieses große Sakrament Seines Leibes und Blutes, das auf Griechisch Eucharistie heißt, am Donnerstag vor Seiner Heiligen Passion gestiftet, als Er zum letzten Mal mit Seinen Jüngern ein Mahl gehalten hat. Im Wissen darum, dass die Zeit gekommen war, von dieser Welt zu gehen und zum Vater zurückzukehren, hat der Herr bei jenem Abendmahl dieses Sakrament der Eucharistie eingesetzt, in dem Er Sich als Speise und Trank gibt unter Brot und Wein, um so bis ans Ende der Zeit bei den Gläubigen zu bleiben.

Die Eucharistie oder die Göttliche Liturgie, wie wir sie bis heute nennen, ist von den ersten Tagen an zum Kern des christlichen Gottesdienstes geworden. Sie ist das christliche Opfer schlechthin, ein „geistliches und unblutiges Opfer“, das die blutigen Opfer des Alten Testamentes ersetzt hat. Die Apostelgeschichte berichtet uns, dass die ersten Christen „beständig blieben in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“ (2,42) und dass „die Menge der Gläubigen ein Herz und eine Seele war“ (3,43). Aufgefahren in den Himmel hörte Christus nicht auf, bei den Gläubigen zu sein, und zwar nicht nur geistlich zu jeder Zeit und an jedem Ort, sondern auch in eucharistischem Brot und Wein, den diese empfingen, vor allem am Sonntag, als sie sich trafen, um des Sterbens und Auferstehens Christi zu gedenken. Die Göttliche Liturgie ist in ihrem Inhalt und ihrer Bedeutung bis heute die gleiche geblieben. Sie ist wesenhaft das Mahl oder die Agape, also das Liebesmahl, im Rahmen dessen der Bischof oder in seiner Abwesenheit der Priester zusammen mit den Gläubigen die Gaben des Brotes und des Weines, die wesentlichen Elemente des Lebens, vor Gott bringen, die durch das Gebet Leib und Blut Christi werden. In der Göttlichen Liturgie vergegenwärtigen wir uns alle Erlösungstaten des Herrn, beginnend mit Seiner Geburt in Bethlehem und der Verkündigung des Evangeliums bis zu Seinem Tod, der Auferstehung und Seiner Himmelfahrt. Die Liturgie ist das große Gedächtnis des messianischen Wirkens des Herrn, bei der wir durch die gläubige Teilnahme daran zu Zeitgenossen Christi werden und an den Früchten Seines erlösenden Opfertodes teilhaben. Den Höhepunkt der Liturgie bildet die Kommunion am Leib und Blut des Herrn, die uns mit Ihm vereint und andererseits aus uns auch den geeinten Leib Christi macht, Seine Kirche. Wie Mann und Frau durch die Trauung zu einem Leib werden, so werden auch alle Gläubigen, die an Ihm in der Eucharistie Kommunion haben, ein Leib mit Ihm.

Jemand hat einmal gesagt: das Christentum ist ein ständig gedeckter Tisch, eine Einladung zum Mahl. Auch wurde gesagt, dass der Mensch das ist, was er isst. Wenn wir uns fortwährend mit dem Leib und Blut Christi nähren, werden wir allmählich Ihm gleichförmig, wir formen uns immer mehr nach Seinem Bilde.

Unsere Liebe zu Gott wird in uns wachsen, indem wir uns eins mit Christus fühlen, wir werden das Denken und Fühlen Christi n uns verspüren (vgl. 1. Kor 2,5; Phil. 2,4) und wie der Apostel Paulus sagen können: „Nun lebe aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal. 2,20). Man beachte, welches Wunder eine regelmäßige gläubige Teilnahme an der Göttlichen Liturgie und die häufige Teilhabe an den Heiligen Sakramenten bewirkt.

Meine geliebten geistlichen Kinder,

Wir haben erwähnt, dass die ersten Christen „beständig in der Lehre der Apostel blieben und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen (also in der Feier der Göttlichen Liturgie) und im Gebet“ (Apg. 2,42; 4,32). Der christliche Glaube manifestierte sich also in erster Linie in der regelmäßigen Teilnahme an der Göttlichen Liturgie, im Rahmen derer die Gläubigen das Wort Gottes hörten, lange beteten und an den Heiligen Sakramenten teilnahmen. Die Gemeinschaft mit Gott, die durch das gemeinsame Gebet und die Kommunion an Leib und Blut Christi verwirklicht wurde, war so umfassend, dass zwischen den Gläubigen kein Unterschied und keine Trennung mehr bestand, sondern alle ein Herz und eine Seele waren. Wir fragen uns: Warum sind nur heute die Christen nicht mehr ein Herz und eine Seele? Die Antwort ist einfach: weil der Glaube abgenommen hat und oft die Liebe erkaltet und die Ehrfurcht vor dem Heiligen abhanden gekommen ist. Der „Gott“ des modernen Menschen ist immer mehr der Reichtum und egoistisches Vergnügen, was ihn in einen Sklaven der Sünde verwandelt. Doch die Sünde rächt sich und zieht eine Menge an Leid, Versuchungen und Unglück auf uns. Nur dies hält viele Menschen überhaupt noch in Verbindung mit Gott, weil sie sich von Ihm Hilfe erhoffen. Das geht so weit, dass selbst die Göttliche Liturgie oft nicht mehr in ihrem eigentlichen Sinne als unsere Vereinigung mit Christus verstanden wird. Wir müssen leidvoll feststellen, dass nicht einmal zwei Prozent unserer Gläubigen regelmäßig an der Göttlichen Liturgie teilnehmen, wenn wir auch in den letzten Jahren einen signifikanten Anstieg an Teilnehmern an der Göttlichen Liturgie feststellen können. Doch auch von denen, die kommen, kommen viele erst nach der Lesung der Apostel und der Evangelien und kaum einer oder sogar niemand kommt vorbereitet auf den Empfang des Leibes und Blutes Christi. Welche verwandelnde Kraft kann dann der Gottesdienst überhaupt noch für uns haben, wenn wir ihn seines eigentlichen Sinnes entleeren, der im Hören auf das Wort Gottes und der Kommunion an Leib und Blut Jesu Christi besteht. Niemand geht zu einem Essen, ohne von den ihm vorgesetzten Speisen zu kosten, weil dies hieße, den einladenden Gastgeber tief zu verletzen. Wenn aber Christus alle zu Seinem Mahl einlädt, nähert sich niemand. Wenn wir aber Seiner Einladung nicht mehr folgen und Sein Leib und Sein Blut nicht mehr empfangen, wie können wir dann überhaupt noch mit Ihm und untereinander Gemeinschaft haben?

Hochwürdige Väter, geliebte Gläubige,

Mein Anliegen, weswegen ich Euch diese Zeilen schreibe, ist es, Euch väterlich zu ermahnen zu einer Erneuerung des liturgischen Lebens in allen unseren Pfarreien, von dem unsere Gemeinschaft in Christus und die Erlösung der Seele abhängt, aber auch die Unterstützung Gottes in Schwierigkeiten und Notlagen des Lebens. Deswegen ist es notwendig, dass sich in der Kirche alle Gläubigen eins fühlen mit ihren Priestern im Dienst und aktiv teilnehmen an der Feier der Göttlichen Liturgie. In der Kirche ist niemand Zuschauer, sondern jeder ist impliziert in der Feier der Liturgie, entweder durch Singen oder durch Beten und durch aufmerksames Hören auf das Wort Gottes. Deswegen müssen wir jede Bewegung und jeden Lärm vermeiden, der uns an der Konzentration auf das Gebet hindern könnte. Denn das Gebet beansprucht gleichzeitig Verstand und Herz. Doch die Erneuerung des liturgischen Lebens besteht vor allem in unserer Vorbereitung auf eine möglichst häufige Teilnahme an der Göttlichen Liturgie und möglichst regelmäßige Teilnahme an den Heiligen Sakramenten. Das bedeutet, dass wir einen lebendigen Glauben haben und täglich beten sollen, dass wir nach Kräften fasten und möglichst in Liebe untereinander leben sollen, indem wir stets nach dem Tun des Guten trachten. Die Sünden, die uns an der Heiligen Kommunion hindern, sind der Verrat an Christus, Verbrechen (einschließlich Abtreibung), Zügellosigkeit, Ausbeutung der Mitmenschen und Haß auf die Nächsten. Bei diesen Sünden ist eine Beichte und Buße notwendig einschließlich eines zeitlich begrenzten Ausschlusses von den Heiligen Sakramenten nach dem Rat des Geistlichen. Wenn wir keine dieser Sünden begangen haben, dürfen wir uns erlauben, uns mit Zustimmung des Priesters ehrfürchtig so oft es geht der Kommunion zu nähern! Gewiß ist niemand ohne Sünde. Doch dürfen wir auch nicht darauf warten, völlig ohne Sünde zu sein, weil sonst niemand je an der Kommunion teilnehmen dürfte. Denn Christus ist gerade wegen der Kranken gekommen: „Denn nicht die Gesunden haben einen Arzt nötig, sondern die Kranken!“ – Vergessen wir nicht, dass wir die Heilige Kommunion „zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben empfangen“. So werden uns die Sünden auch durch Teilnahme an den Heiligen Sakramenten vergeben. Die Heilige Kommunion jedoch hilft uns vor allem in unserem Kampf zur Befreiung von den Leidenschaften und der Heiligung unseres Lebens und sie schenkt uns neue Gemeinschaft untereinander. So wird jede Pfarrgemeinde zu einer Familie von Gläubigen, die mit Christus und untereinander vereinigt sind und die der Welt Zeugnis geben von dem neuen Leben, zu dem wir durch die Auferweckung Jesu gerufen sind.

Indem ich Euch diese väterlichen Ratschläge ans Herz lege in der Hoffnung, dass sie jeder nach seinen Kräften befolgen möge, erteile ich Euch meinen Segen im Namen des Herrn, der den Tod durch Seine Auferstehung überwunden hat, und wünsche Euch allen, dass ihr diese Heiligen Feiertage mit Freude und in Frieden feiert.

Christus ist auferstanden! und
Gesegnete Feiertage!

Euer allzeit zum auferstandenen Herrn betender und Euch wohlgesonnener

† S E R A F I M

Erzbischof und Metropolit

(Übersetzung: Dr. Jürgen Henkel, Marktredwitz-Brand)

 

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