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Pastoralbriefe

Weihnachten 2002

„Deshalb verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und wird einer Frau anhängen und sie werden ein Fleisch sein.“ (Mose 2, 24)

Hochwürdige Väter und meine Lieben in Christus,

in der abendländischen Tradition ist Weihnachten besonders ein Fest der Familie. Zu Weihnachten versammelt sich die Familie im Elternhaus, um gemeinsam zu feiern: Eltern, Kinder, Enkel und Verwandte. Aus diesem Anlaß machen sich die Menschen Geschenke, um an die Geschenke zu erinnern, die von den drei Weisen aus dem Morgenland Jesus Christus dargebracht wurden, es wird an der Krippe Jesu und am Weihnachtsbaum gesungen, man wünscht sich Alles Gute und ein Gesegnetes Neues Jahr. Alle freuen sich über das Wiedersehen und die gemeinsame Feier. Diejenigen, die den ursprünglichen Anlaß von Weihnachten nicht vergessen haben, nehmen am Gottesdienst der Christnacht oder zu den Weihnachtsfeiertagen teil. So wird Weihnachten sowohl in der Familie wie auch im großen Rahmen der Kirche gefeiert.

Diese auch unter orthodoxen Rumänen verbreitete Tradition gibt uns Anlaß, heute über die Bedeutung der Familie im sozialen Leben der Kirche nachzudenken. Ohne Zweifel ist die Familie die älteste und heiligste Institution, die die Menschheit kennt. Sie steht am Ursprung der Menschheit und ist die Quelle, aus der die Menschheit sich unentwegt fortentwickelt. Zu Beginn hat Gott die Menschen als Mann und Frau erschaffen und ihnen geboten: „Seid fruchtbar und mehret euch und machet euch die Erde untertan.“ (1. Mose 1, 27-28). Unser Erlöser Jesus Christus hat zusammen mit der Gottesmutter Maria an der Hochzeit zu Kana Galiläa teilgenommen, er hat das Brautpaar gesegnet und hier sein erstes Wunder vollbracht: die Verwandlung von Wasser in Wein. Dadurch hat Er die Trauung gesegnet und aus ihr ein Sakrament seiner Kirche gemacht. Der heilige Apostel hat diese Worte „Deshalb verlässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und wird einer Frau anhängen und sie werden ein Fleisch sein“ (1. Mose 2, 24) aufgenommen und erklärt: „Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde hin“ (Epheser 5,32). Daraus können wir sehen, dass eine Trauung im Namen Christi und in der Kirche geschehen muß, um vollkommen zu sein. Nur die kirchliche Trauung legitimiert und besiegelt die eheliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau und führt die Eheleute in das Mysterium Christi ein, der die Ehe und die daraus entstehenden Kinder segnet. Darum bleibt auch die standesamtliche Trauung völlig unzureichend, wenn ihr nicht die kirchliche folgt. Sie reduziert sich dann auf eine rein biologische Vereinigung, der die Gnade und der Segen Gottes fehlt. Es versteht sich von selbst, daß kirchlich nicht Getraute nicht an der Heiligen Eucharistie teilnehmen können, also an der Kommunion am Leib und Blut Christi.

Desgleichen müssen wir festhalten, dass vom Anfang der Schöpfung an die Ehe heilig war. Gott hat Mann und Frau geschaffen. Und „was der Gott vereint hat, soll der Mensch nicht scheiden“, sagt die Heilige Schrift (Markus 10,9). Nur aufgrund der Sünde sind Polygamie und Ehescheidung entstanden, die der Erlöser zurückweist, wenn er sagt: „Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht die Ehe“ (Lukas 16,18). Trotzdem erlaubt die Orthodoxe Kirche, weil sie mit der menschlichen Unvollkommenheit rechnet, die Wiederverheiratung. Diese kann allerdings nur mit Erlaubnis des Bischofs geschehen, der für den Geschiedenen eine Bußzeit festsetzt. Außerdem trägt der Gottesdienst zur zweiten Trauung in sich einen gewissen Bußcharakter für die Brautleute, „die es nicht vermochten, die Mühe und die Last des Alltags und das körperliche Brennen  zu ertragen und zum zweiten Mal zum Traualtar schreiten“.

Gott hat die Ehe zur Aufrechterhaltung und Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts geschaffen (1. Mose 28). Die Geburt von Kindern ist somit ein fundamentaler Sinn der Ehe. Kinder sind ein Geschenk Gottes, sowohl für die Eltern, wie auch für die Gesellschaft. Die Heilige Schrift preist den Menschen selig, der sein Haus mit Kindern füllt. Die Älteren unter uns denken sicher gerne an die früheren Zeit zurück, als die Häuser der Menschen und die Dörfer voller Kinder waren. Welche Fülle des Lebens, welche Freud...! Heute fehlt uns dieses Leben in der Fülle und Freude, weil es weniger Kinder gibt. Gleichzeitig bedeutet dies eine Gefahr für die Gesellschaft, die hoffnungslos überaltert. Einer der großen Geistlichen unseres Volkes, Vater Arsenie Boca (+ 1989), war erbost über Eltern, die keine Kinder mehr wollten und sich auf ein oder zwei Kinder beschränkten. In seinem Buch „Cărarea Împărăţiei“ zeigt Vater Arsenie, welche schrecklichen und dramatischen Folgen die künstliche Empfängnisverhütung oder die Abtreibung für die Gesundheit der Frau und des Mannes haben, wobei die Abtreibung ein Verbrechen und ein Attentat auf den Schöpfungsplan Gottes im Blick auf die Welt ist, die Er geschaffen hat und erhält. Gleichzeitig haben diese Sünden schwerwiegende Konsequenzen im Leben der Familie und im Leben der Kinder, die bereits geboren sind.

Eine andere schwere Sünde, die die Einheit der Familie zerstört und in unserer Zeit so sehr aufblüht, ist der Ehebruch. Die Schwere dieser Sünde erkennt man auch daran, dass sich zwei der Zehn Gebote darauf beziehen, und zwar das siebte („Du sollst nicht ehebrechen!“)  und das zehnte („Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, du sollst nicht begehren deines nächsten Haus...“).[1] So ist es kein Wunder, dass soviel Unheil und Unglück über die Menschen kommt, die nicht anders als durch Buße, Gebet und mit Hilfe der Kirche überwunden werden können.

Meine geliebten geistlichen Kinder,

der heilige Johannes Chrysostomos nennt die Familie „Kirche im Kleinen“. Weil auch in der Familie der Glaube, die Liebe, das Gebet, die Demut, der Gehorsam und alle anderen Tugenden des Evangeliums gepflegt werden. Derselbe Heilige ermuntert die Eltern, zu Hause gemeinsam mit ihren Kindern zu beten, sie zu gottesfürchtigen und Seinen Geboten gehorsamen Menschen zu erziehen. Das Beispiel der Eltern ist fraglos der wichtigste Lehrmeister für die Kinder. Wenn in der Familie eine Atmosphäre des Glaubens, der Harmonie und der Liebe herrscht, dann werden die Kinder später ohne Zweifel diesem Beispiel folgen. Aber auch die Kinder können oft selbst ihren Eltern zu Lehrern werden. Denn weil sie unschuldig sind, haben sie eine viel stärkere Neigung zum Glauben, zum Gebet und zum Guten hin. In Rumänien kommt es heutzutage vor, dass Kinder ihre Eltern religiöse erziehen und sie zum Gebet, zum Fasten und zum Kirchgang anregen.

In unserer heutigen geistlich immer desorientierteren Welt, in der die moralischen Werte ohne den kleinsten Skrupel mit den Füßen getreten werden, müssen die Diener der Kirche all ihre Aufmerksamkeit auf die Familie richten, von der Vorbereitung der jungen Menschen auf das Sakrament der Ehe und der religiösen Erziehung der Kinder bis zur geistlichen Betreuung und Seelsorge an jeder Familie. Der priesterliche Dienst heute geschieht in vollkommen neuen Formen, indem er sich mehr denn je auf jeden einzelnen Gläubigen und jede Familie richtet.

Möge das im Stall von Bethlehem geborene Christuskind heute geistlich in der Seele jedes Christen und jeder Familie neu geboren werden. Denn Er ist unser Friede und unser Trost und durch Ihn kommen vom Vater „alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe“ (Jakobus 1,17).

Zu den Hochfesten Weihnachten, zum Neuen Jahr und zu Epiphanias wünsche ich Euch von Herzen alles erdenklich Gute und drücke dies mit unserem  traditionellen Gruß aus:

Gesegnete Feiertage! und Auf viele Jahre!

Euer allezeit zum in Bethlehem Geborenen betender und Euch alles erdenklich Gute wünschender

† SERAFIM

Erzbischof und Metropolit

Nürnberg, am Sitz der Metropolie

Hochfest der Geburt unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi im Jahre der Erlösung 2002



[1] Für deutsche Leser ist zu beachten, daß die Orthodoxie die Gebote anders zählt als die Westkirchen.

construimcatedrala.ro