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Pastoralbriefe

Weihnachten 2003

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lukas 2,14)

Hochwürdige Väter, meine Lieben in Christus,

auf den Ikonen, die die Geburt des Herrn darstellen, erscheinen immer neben den zentralen Personen – dem Christuskind, der Gottesmutter und dem heiligen Josef – auch die Engel, von denen das Heilige Evangelium uns berichtet, daß sie den Hirten erschienen sind, die ihre Herden in der Nähe der Höhle von Bethlehem gehütet haben, und ihnen das Wunder der Geburt des Retters der Welt mit den Worten verkündet haben: „Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr“ (Lukas 2,11). Während die Gottesmutter das Wunder einer übernatürlichen Geburt erfährt, weil sie ohne Schmerzen und Verlust ihrer Jungfräulichkeit ihr Kind bekam, und der heilige Josef tief in Gedanken versunken ist, weil er dieses Wunder nicht versteht, bringen die Engel Gott bei ihrer Erscheinung den Lobpreis dar, indem sie singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen Seines Wohlgefallens.“(Lukas 2,14) So wird Gott Mensch, damit auch auf Erden Frieden herrsche und unter den Menschen Wohlgefallen. Frieden und Wohlgefallen unter den Menschen sind folglich weihnachtliche Gaben – die freilich wie alle Gaben von Gott mit Glauben empfangen werden müssen und mit dem Bemühen darum, aus unserer Seele alles zu entfernen, was zu Verwirrung, Streit und Krieg führt. Der Heiland sagt: „Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis und Lästerung.“ (Matthäus 15,19).

Meine geliebten geistlichen Kinder,

Gott der Herr ist gerade dazu in die Welt gekommen, um die Feindschaft zwischen Menschen niederzureißen, um sie zuerst mit Sich selbst zu versöhnen, der die Quelle des Friedens ist, und um sie untereinander zu versöhnen. Der Frieden unter den Menschen ist abhängig vom Frieden der Menschen mit Gott. Frieden mit Gott zu haben, heißt, gemäß Seines heiligen Willens zu leben, d.h. Seine Gebote zu erfüllen, die in der Liebe zu Gott und dem Nächsten gipfeln. „Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt.“ (Johannes 14,21). Und „wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?“ (1. Johannes 4,20). Und trotzdem: wie schwer ist es nicht, unseren Nächsten zu lieben, vor allem die, die uns ärgern oder Böses antun! Denn auch diese müssen wir lieben, wenn wir ein reines Gewissen haben wollen. „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen. Segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen.“ (Matthäus 5,44)

Die Schwierigkeit, unsere Nächsten zu lieben – sogar die, die uns hassen – rührt daher, daß unser Herz beherrscht wird von übertriebener Selbstliebe und anderen Leidenschaften, die in uns wühlen und unser seelisches Gleichgewicht trüben. Wenn der Mensch nur an sich selbst denkt und nur seine eigenen Interessen verfolgt oder nur sein eigenes Vergnügen im Blick hat, dann fällt er aus der Gemeinschaft mit Gott und seinen Nächsten heraus und stürzt in eine trügerische, falsche Welt, die ihm nur eine Illusion von Glück und Wohlstand verschafft.

Doch siehe: Gott der Herr kommt in unser erkaltetes Herz wie damals in die kalte Höhle von Bethlehem, um es zu erwärmen und zu empfänglich zu machen für eine normale Beziehung mit Ihm und unseren Nächsten. Sicher stößt dieses Kommen des Herrn in unser Herz auf Schwierigkeiten von unserer Seite. Wie die Menschen von Bethlehem, die die Gottesmutter nicht in ihren Häusern aufgenommen haben, so haben auch die meisten von uns in ihren Herzen keinen Platz für Gott, weil wir zu sehr mit den Problemen des Alltags beschäftigt sind. Doch Gott hört nicht auf, an unser Herz zu klopfen, bis wir es Ihm öffnen und Ihn wie unseren liebsten Gast empfangen. Dann werden wir alles auf eine ganz neue Weise verstehen, dann werden wir uns über die Irrwege klar werden, auf denen wir über Jahre – vielleicht unser ganzes Leben lang – gewandelt sind. Dann wird unser Leben erleuchtet werden, weil es zu seinem wahren Sinn findet, der in nichts anderem besteht, als Gott und unsere Nächsten zu lieben.

Doch wer wahrhaft liebt, der leidet auch. Er leidet, weil seine wahre Liebe von den Nächsten nicht verstanden und angenommen wird. Wie auch Gott leidet, weil wir Seine Liebe zu uns nicht annehmen. Sollen wir demzufolge nicht lieben, um nicht zu leiden? Ganz und gar nicht! Denn das Leiden, das aus reiner Liebe kommt, ist immer vereinigt mit der Hoffnung darauf, daß diese Liebe eines Tages siegen wird, d.h. daß sie verstanden wird, selbst wenn dies erst nach unserem Tode der Fall sein sollte. Denn die Liebe ist stärker als der Tod (Römer 8,23), sie wirkt auch nach unserem Tod! Der Tod des Heilands am Kreuz hat den Eindruck der größten Niederlage hinterlassen, über die sich alle Seine Feinde gefreut haben. Doch siehe: der Heiland, der die Liebe selbst ist, ist aus dem Grab auferstanden und wirkt in der Welt bis zum Ende der Zeiten. Genauso wirkt die Liebe der Gottesmutter, der Heiligen und unser aller Liebe auf eine geheimnisvolle Weise auch nach unserem Tod. Wenn wir nur auf eine wahrhaftige Weise lieben! Denn wenn wir lieben, verlieren wir nicht. Im Gegenteil: nur wenn wir Böses tun, dann verlieren wir. Wenn wir lieben, dann erscheinen wir in den Augen unserer Nächsten als schwach; doch diese Schwäche ist in Wirklichkeit stärker als die Stärke der vermeintlich Starken. Wer liebt, erobert seine Nächsten gerade durch seine Güte, durch seine übergroße Geduld, durch seine Vergebung, durch seine Bereitschaft, nicht durch harte Worte und im Streit für sein Recht und seine Wahrheit einzutreten, sondern er läßt Gott für sich wirken. Der liebende Mensch hat sein Herz voll von jenem Frieden, der vom Heiligen Geist kommt, und dieser Friede strahlt auch auf seine Mitmenschen aus. „Gewinne den Frieden des Herzens – sagt der heilige Serafim von Sarov – und tausende von Menschen in deinem Umfeld werden erlöst“, d.h. sie werden an deinem Frieden teilhaben.

Doch wie kommen wir zu dieser Liebe und zu dieser erlösenden Seelenfrieden? Nur durch das Gebet und durch Fasten, durch die Beichte und die häufige Teilnahme an den Sakramenten Christi. Denn „Christus ist unser Friede“ (Epheser 2,14) und Er ist auch die Liebe des Herrn in uns. „Ohne Christus können wir nichts tun“ (Johannes 15,5), deshalb müssen wir uns demütigen, um Christus in unserer Seele und in unserem Herzen zu empfangen, indem wir immer mehr beten und versuchen, auf Seinen Spuren zu wandeln, also dem Beispiel Seines Lebens zu folgen. Wir sollen uns zu jeder Stunde und in jedem Moment fragen: Was würde Christus tun, wenn er jetzt an meiner Stelle wäre? Sicher würde Christus sich nicht streiten, er würde nicht lügen, er würde nicht stehlen, er würde nichts Böses tun, sondern im Gegenteil: er würde vergeben, schweigen und beim Vater für seine Feinde beten... Nur indem wir Christus nachfolgen und nur mit Christus in unseren Seelen wird auf Erden Frieden und Wohlgefallen unter den Menschen sein. 

Meine geliebten geistlichen Kinder,

in diesem Jahr, das nun zu Ende geht, hat es Gott dem Herrn gefallen, uns mit dem Besuch Seiner Seligkeit Teoctist, des Patriarchen der Rumänischen Orthodoxen Kirche, zu segnen, der auf Einladung von uns und Seiner Eminenz, Kardinal Friedrich Wetter von München und Freising, nach Deutschland gekommen ist und zusammen mit zwölf weiteren Hierarchen Seine Exzellenz Sofian Braşoveanul zum Weihbischof unserer Metropolie geweiht hat. Der Besuch Seiner Seligkeit hat in den Medien Deutschlands ein breites Echo gefunden.

In diesem Jahr hat auch die Kirchengemeinde in Wien den Bau ihrer Kirche zu Ende geführt, und zu Ostern habe ich gemeinsam mit dem Pfarrer Dr. Nicolae Dura in der neuen Kirche die Liturgie gefeiert. Die Gemeinde von Offenbach am Main (Ortspfarrer Stefan Anghel) hat ein großes Grundstück mit einem Gebäude und einem Saal gekauft, der in eine Kirche umgewandelt werden kann. Die Gemeinde von Stuttgart (Ortspfarrer Dr. Mihai Bratu) hat eine schöne Kirche gekauft; in Nürnberg wiederum (Ortspfarrer Teofil Herineanu) haben wir einen Gemeindesaal errichtet, der ca. 150 Personen faßt. In Salzgitter (Ortspfarrer Dr. Vasile Florea) hat die Kirchengemeinde einen Glockenturm am Eingang zur Kirche errichtet, und in Malmö in Schweden (Ortspfarrer Drd. Mihai Radu) wird die Kirche derzeit mit Ikonen ausgeschmückt. Freilich ist keines dieser Vorhaben vollendet, so daß alle diese Pfarreien große Aufgaben und Arbeiten vor sich haben. Auch andere Kirchengemeinden unternehmen viele Anstrengungen, um in den Besitz eigener Kirchen zu gelangen. Deshalb bitten wir Sie alle, sich bei der Unterstützung der hochwürdigen Pfarrer zu engagieren um dieses Ziel zu erreichen, in jeder Kirchengemeinde eine eigene Kirche zu haben. So bereiten wir unseren Kindern eine gesegnete Zukunft und sorgen für die Verbreitung der orthodoxen Spiritualität, derer die Gesellschaft von heute so dringend bedarf.

Indem ich euch diese geistlichen Ratschläge ans Herz lege in der Hoffnung, daß jeder sie nach Kräften befolgt, segne ich Euch alle im Namen des Herrn, der heute in der Höhle von Bethlehem geboren wurde und ich wünsche Euch allen, daß Ihr die heiligen Festtage in Freude verbringt und das Neue Jahr für jeden einen neuen Schritt zu Glück und Erfüllung in der Familie und der Gesellschaft bedeutet.

Gesegnete Feiertage! und Auf viele Jahre!

Euer allezeit zum in Bethlehem Geborenen betender und Euch alles erdenklich Gute wünschender

† SERAFIM

Erzbischof und Metropolit

Gegeben am Sitz der Metropolie in Nürnberg zum Hochfest der Geburt unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi im Jahre der Erlösung 2003.

 Übersetzung: Dr. Jürgen Henkel – Hermannstadt/Sibiu

 

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