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Pastoralbriefe

"Ostern - das Fest der Versöhnung" - Ostern 2004

 „Lasst ‚Brüder’ uns sagen auch zu denen, die uns hassen;ob der Auferstehung wollen wir alles verzeihen.” (aus den Hymnen der Osternacht)

Ehrwürdige Väter und geliebte Gläubige,

Christus ist auferstanden!

Wir sind heute erfüllt von unaussprechlicher Freude, dass wir in Frieden und Gesundheit wieder das größte Fest der Christenheit feiern dürfen, die Auferstehung des Herrn. Unsere Freude ist umso größer, da dieses Jahr alle Christen das Heilige Osterfest, Christi Himmelfahrt und Pfingsten gemeinsam feiern, jeder in seiner Tradition. Dies ist ein glaubwürdiges Zeugnis gegenüber der Welt, dass wir alle den gleichen Herrn und Erlöser haben, Der für uns Menschen und zu unserer Erlösung herabgekommen ist vom Himmel und Mensch geworden ist, Der für uns freiwillig in den Tod am Kreuz gegangen ist, Der auferstanden und zum Vater im Himmel aufgefahren ist, von Dem aus uns der Heilige Geist zukam.

Wir wissen alle, dass die Auferstehung des Herrn nicht nur ein historisches Ereignis ist, das wir uns durch einfaches Erinnern ins Gedächtnis rufen, sondern das grundlegende Ereignis unseres christlichen Glaubens und der Kirche, „denn wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unser Glaube vergeblich“ (1. Brief des Paulus an die Korinther 15,14). Jedes Mal, wenn wir uns in einer Kirche zum Gebet finden und besonders dann, wenn wir die Göttliche Liturgie feiern, haben wir teil an den Gaben der Auferstehung, durch die der Tod besiegt, die Macht des Teufels und des Bösen zerstört und der Himmel für alle wieder aufgeschlossen wurde. Der auferstandene Christus, den wir in der Kirche im Sakrament der Heiligen Eucharistie empfangen, ist derselbe, Der seit der Taufe in uns wohnt. Doch der Christus in uns ist oft „eingeengt“ (vgl. 2. Kor. 6,12) dank der Gleichgültigkeit und unserer Sünden, weswegen Er die Gaben der Auferstehung in uns nicht vollständig entfalten kann. Wir müssen deshalb immer wieder unser Inneres durch Fasten und Beten, vor allem aber durch den Empfang der Kommunion bereiten und öffnen, um eins zu werden mit Christus, damit Er in uns in aller Freiheit wirken kann, um uns zu neuen Menschen und „Kindern der Auferstehung“ zu machen.

Nur wenn wir vereint sind mit Christus können wir uns der Gaben Seiner Auferstehung freuen, d. h. nur so können wir die Sünde und das Böse in uns und um uns herum besiegen; wir werden uns nicht mehr fürchten vor den Versuchungen und Leidenserfahrungen, die über uns kommen, sondern werden sie mit Mut und in Geduld ertragen, bis wir sie überwinden und dahin kommen, wahrhaftig zu lieben, sogar die, die uns hassen, so dass wir Menschen des Friedens werden, die in ihrem Umfeld Freude ausstrahlen und jene Hoffnung, die die Welt so nötig hat.

Meine geliebten geistlichen Kinder,

Ich habe zu Beginn dieser Osterpastorale einen Hymnus zitiert, der in der Osterzeit häufig im Morgenlob (Utrenie) und der Vesper (Vecernie) zu hören ist: „Lasst ‚Brüder’ uns sagen auch zu denen, die uns hassen; ob der Auferstehung wollen wir alles verzeihen.” Dieser Hymnus ruft uns zuerst ins Gedächtnis, dass Christus durch Seinen Tod und Seine Auferstehung „die trennende Wand der Feindschaft niederriss“ (Brief an die Epheser 2, 14), wodurch Er uns alle zu Brüdern machte. In Christus sind wir alle Brüder und Schwestern durch die geistliche Verbundenheit im Glauben und in der Liebe, die uns aneinander und an Christus bindet. Diese geistliche Verbundenheit lässt sich mit nichts vergleichen; sie ist stärker als Blutsverwandtschaft und stärker als der Tod. Erinnern wir uns daran, dass die ersten Christen ihr Hab und Gut verkauften, damit diese es an Bedürftige verteilten (vgl. Apostelgeschichte 4, 34).

Die frühen Christen lebten in so starker Einheit und Harmonie, dass „die Gemeinde der Gläubigen ein Herz und eine Seele war; und nicht einer nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam“ (Apostelgeschichte 4,32). Dies ist das Ideal des christlichen Lebens: dass jede christliche Gemeinschaft und jede Gemeinde eine Familie von Gläubigen bildet, die sich so sehr lieben, dass jeder bereit ist, alles für seinen Nächsten zu opfern. Doch wie weit sind wir von diesem Ideal entfernt, dessen sich viele nicht einmal mehr bewusst sind und das andere für schlicht und ergreifend utopisch halten. Und wie können wir Frieden und Harmonie in unseren Pfarreien, Familien und der Welt erwarten, wenn die meisten Christen sich nicht darum bemühen, Christus wirklich nachzufolgen, sondern nur Namenschristen sind? Nur in Christus können wir wirklich lieben. Denn zu lieben bedeutet Selbstverzicht, freilich nicht aus der Freude daraus, uns selbst zu quälen, sondern um die für uns zu gewinnen, die uns nicht verstehen oder sogar hassen.

Oft beklagen wir uns, dass unsere Nächsten uns nicht verstehen oder hassen. Doch fragen wir uns einmal: Lieben wir sie denn wirklich? Sind wir imstande, jene, die uns hassen, „Bruder“ oder „Schwester“ zu nennen? Verzeihen wir alles um der Auferstehung Jesu Christi willen? Wenn wir ehrlich gegenüber uns selbst sind, dann werden wir feststellen, dass in vielen Auseinandersetzungen, die wir mit unseren Nächsten erleben, die Schuld oder wenigstens ein Teil davon bei uns liegen, dass also auch wir daran schuld sind. Und auch wenn wir einmal absolut unschuldig sind, was sehr selten vorkommt, dann erlaubt uns doch unser Glaube und die Liebe zu unserem Erlöser Christus nicht zu hassen. Warum? Weil wir von Gott dem Herrn die Kraft empfangen haben, sogar unseren Feinden zu vergeben, wie auch unser Herr Jesus Christus Seinen Feinden vergeben hat und auch jetzt uns allen vergibt, die wir so viel sündigen. Und wenn Er uns vergibt, dann haben auch wir zu vergeben.

Wir dürfen nie vergessen, dass wir die besondere Kraft zur Vergebung in uns tragen, an die wir immer appellieren müssen, wenn ein Streit in der Familie, in der Gemeinde oder in der Gesellschaft ausbricht. Doch wie aktivieren wir diese Kraft zur Vergebung in uns? Gewiss durch fleißiges Beten, das unsere Seele anrührt, weil wir immer wieder vom Bösen angezogen und verführt werden; auch dadurch, dass wir für jene persönlich und im Gottesdienst beten, die uns ärgern und uns hassen, und zwar mit dem innigen Wunsch, dass Gott ihnen vergebe und sie vom verkehrten Weg abbringe; besonders auch durch das Fasten für einige Tage oder Wochen, um Frieden mit uns selbst zu finden und darüber hinaus auch innerlich darauf zu hoffen, dass Gott wirkt und die Herzen aller Menschen zum Guten verwandelt. Ein großer Geistlicher verkündigt uns mit den Worten: „Wenn du willst, dass Gott dir einen Wunsch erfüllt, dann bete zuerst für deine Feinde. Bete so: ‚Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich Deines Knechtes .... und erbarme dich auch über mich armen Sünder.’ Sag dies mehrere hundert Mal am Tag mit demütigem Herzen.“  Wir sollten nicht vergessen, dass Gott nicht in Eile handelt wie wir. Er vergilt jedem nach seinen Taten. Doch auch dies mit Geduld. Vor allem dann, wenn wir nicht daran denken und es nicht erwarten! Besonders wichtig ist im Blick auf die Auseinandersetzungen zwischen Menschen, dass der Gläubige oder die Gläubigen auf alle Fälle Streit vermeiden, indem sie sich bei Konflikten selbst  zurücknehmen. Unser Erlöser hat sich nicht dem Bösen entgegengestellt und nicht mit seinen Gegnern polemisiert, sondern aus freien Stücken Seinen Tod akzeptiert, um gerade durch Seinen Tod das Böse wie auch den Tod zu überwinden und am dritten Tage aufzuerstehen. Wenn wir Christus wirklich auf unserer Seite haben, weil wir uns darum bemühen, uns mit Ihm zu identifizieren, dann können wir nur Sieger sein, auch wenn unser Sieg in den Augen der Anderen als Schwäche erscheint.

Meine geliebten geistlichen Kinder,

dieses Jahr werden es 500 Jahre, dass der „rechtgläubige Fürst Stefan der Große und Heilige“ gestorben ist, der Fürst der Moldau zwischen 1457 und 1504. Das ganze Jahr über wird es in unserem Land Festveranstaltungen aus diesem Anlass geben, die im kirchlichen Bereich in der Festsitzung der Heiligen Synode und der Nationalen Kirchenversammlung am 16. Juni und den Festlichkeiten im Kloster Putna am 2. Juli gipfeln. Der rechtgläubige Fürst Stefan der Große und Heilige hat nach der Überlieferung 47 Kirchen und Klöster gestiftet. Er hatte Beziehungen zu Papst Sixtus IV., der den tapferen Herrscher „Schild der Christenheit“ nannte wegen seines Einsatzes zur Verteidigung der gesamten europäischen Christenheit. Die Väter des Klosters Putna, das vom Hl. Stefan 1466 errichtet wurde, wo seine Grabstätte ist und seit 1504 ein immerwährendes Licht zu seinem Gedenken leuchtet, laden uns alle ein zu einer Wallfahrt zu diesem wundervollen Kloster, vor allem anlässlich seines Gedenktages am 2. Juli.

In diesem Jahr werden es 950 Jahre seit dem großen Schisma von 1054, das zur Spaltung der Kirche geführt hat, indem sich die Christen aus dem Westen, die dem Patriarchat von Rom unterstanden, und die Christen aus dem Osten, die den Patriarchaten von Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem unterstanden, getrennt haben.

Außerdem werden es heuer 800 Jahre, seit 1204 die Hauptstadt des Oströmischen Reiches, Konstantinopel, von den Kreuzfahrern erobert wurde, was zu einer noch stärkeren Entfremdung der Osten vom Westen geführt hat.

Doch sowohl das Schisma von 1054, als auch die Eroberung Konstantinopels waren nicht so sehr von kirchlichen und theologischen Faktoren ausgelöst, sondern mehr von politischen und wirtschaftlichen Faktoren. Leider haben theologische Kontroversen zwischen den Christen immer existiert, doch haben sie nur dann zu Spaltungen und definitiven Brüchen geführt, wenn politische und wirtschaftliche Elemente hineingespielt haben. Heute haben Politik und Kirche, indem sie sich dem Glauben immer mehr entfremden, keinen direkten Einfluss mehr auf die Kirchen. Im Gegenteil: die wirtschaftliche und politische Globalisierung der Welt mit all ihren negativen Folgen und Aspekten bildet geradezu eine neue Chance und Verpflichtung für die Einheit der Christen. Die heutige Welt ähnelt in vieler Hinsicht jener von vor 2000 Jahren, als das Römische Reich seine Grenzen in weite Teile Europas, nach Asien und Afrika ausdehnte, wodurch die Verbreitung und das Wachsen des Christentums begünstigt wurde. Es wäre eine unverzeihliche Sünde, wenn die Kirchen heute den neuen historischen Kontext ignorieren würden, in dem wir uns befinden, statt die Bemühungen im Blick auf ihre Einheit zu intensivieren. Es sind gerade die Kirchen von Gott berufen, die Menschen zu verbinden und zu vereinigen.

Ihr werdet Euch fragen: was können wir tun zur Annäherung und Vereinigung der Kirchen? Sehr viel! Zuerst müssen wir unser Bewusstsein für das Drama der Spaltung zwischen den Christen schärfen und täglich für ihre Versöhnung beten. Gewiss ist jede Einheit eine Gabe Gottes. Doch diese Gabe muss mit offenen Herzen angenommen werden. Und das Herz öffnet sich durch das Gebet. So sollen wir nach Kräften um unsere Einheit beten. Und wir sollen das Beten mit Fasten verbinden. Denn der Dämon der Spaltung wird nur durch Gebet und Fasten besiegt (vgl. Markus-Evangelium 9,29). Seien wir offen gegenüber unseren Nächsten und den anderen Konfessionen, indem wir sie am geistlichen Reichtum der Orthodoxie teilhaben lassen und von ihnen lernen, worin sie uns überlegen sind.

Indem ich zu unserem Erlöser Jesus Christus, dem Auferstandenen, bete, dass Er Eure Familien und besonders die Kinder segne, dass er Euch Gesundheit und alles gebe, was der Seele und dem Leib nützt, wünsche ich Euch, dass Ihr das Heilige Osterfest der Auferstehung des Herrn in Frieden und mit Freuden feiert.

Christus ist auferstanden!

Ein gesegnetes Osterfest! 

Euer Euch stets wohlgesonnener und immer für Euch zum Auferstandenen Herrn betender

† SERAFIM

Erzbischof und Metropolit

 

construimcatedrala.ro