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Pastoralbriefe

Die Kraft des Glaubens - Ostern 2009

 „Herr der Kräfte, sei mit uns!“ (aus den Gesängen des Großen Apodeipnon)

Hochehrwürdige Väter und geliebte Gläubige,

Christus ist auferstanden!

Nach der vierzigtägigen Fastenzeit und der Karwoche, in denen sich jeder von uns bemüht hat, seine Seele im heiligen Sakrament der Beichte, durch vertieftes Gebet und Enthaltsamkeit von Essen und Trinken zu reinigen, erhalten wir heute den Lohn für unsere Anstrengungen durch die unaussprechliche Freude, die wir mit der ganzen Schöpfung in der Auferstehung des Herrn erleben, durch das Hochfest des Lichts und die Erneuerung des Lebens. Unsere Kirchen erstrahlen im Licht der Auferstehung, das aus den Seelen der Gläubigen ausstrahlt in den Lobgesängen des Sieges: „Christus ist von den Toten auferstanden! Er hat den Tod durch den Tod besiegt und denen in den Gräbern das Leben geschenkt!“ Die Kerzen, die wir in der Osternacht wie auch zu den Sonntagen und Feiertagen in unseren Kirchen entzünden, sind nicht nur ein Gott wohlgefälliges Opfer, sondern auch Ausdruck unseres Glaubens an die Auferstehung des Herrn, die den Sieg des Lichtes über die Finsternis bedeutet, des Lebens über den Tod, des Guten über das Böse. Wer wahrhaftig glaubt, dass die Auferstehung des Herrn nicht nur ein vergangenes historisches Ereignis ist, sondern eine nie versiegende Quelle des Lebens, der Freude, des Lichts und der Kraft, der gewinnt durch die Kirche auf die allerwirklichste Form Anteil an all diesen Gaben der Auferstehung, mit anderen Worten: der überwindet wie Christus jede Versuchung und alles Böse, auf das er in seinem Leben trifft.

Die Auferstehung des Herrn ist die Grundlage unseres Glaubens und zugleich das Ziel unseres Glaubens. Denn „wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unser Glaube nichtig“ (1. Kor. 15,17). Und das Ziel unseres Glaubens ist die Vereinigung mit Christus dem Auferstandenen schon hier auf Erden durch den Sieg über die Sünde und das Erlangen der Tugenden, d.h. der guten Fertigkeiten und Verhaltungsweisen, durch die wir Christus gleich werden.

Es ist wahr, dass hier auf Erden die Auferstehung des Herrn von den Mächten der Finsternis umschattet wird, auch vom Mangel an Glauben und der ewigen Jagd nach Geld und den Dingen dieser Welt, durch die Erfüllung der Begierden und Vergnügungen, die häufig mit Schuld verbunden sind. Wegen der Sünden und Begierden, in denen viele von uns leben, können wir uns nicht wirklich der Fülle der Gnadengaben der Auferstehung erfreuen. Von diesen möchte ich jene erwähnen, die wir am meisten brauchen: Mut im Kampf mit der Sünde und den Schwierigkeiten des Lebens, seelische Ausgeglichenheit und Frieden des Herzens.

Geliebte Gläubige,

Wir leben in einer Gesellschaft, in der alle möglichen Krankheiten immer mehr zunehmen, vor allem die psychischen, die Krankheiten der Seele sind: Depressionen, Missgunst und Misstrauen gegenüber den Nächsten, Mangel an Mut, Angst vor dem morgigen Tag und andere, von denen heute ein großer Teil der Menschheit betroffen ist. Diese Krankheiten reflektieren im Grunde den moralischen Status einer Gesellschaft, die Gott aus ihrem Leben ausgeschlossen hat, um frei zu sein. So als ob Gott unsere Freiheit einschränken würde! Die Erfahrungen des Alltags zeigen uns jedoch, dass eine Freiheit ohne Gott vor allem Sklaverei bedeutet und eine Gesellschaft ohne Moral bis zu ihrer Selbstauflösung degeneriert. Denken wir nur an die Geißel der Abtreibung und der Verhütung der Geburt von Kindern, besonders schwere Sünden, die zu einem drastischen Bevölkerungsrückgang führen. Nach den Berechnungen von Soziologen werden die Christen in Europa in acht bis zehn Generationen eine kleine Minderheit sein!

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit und Unsicherheit über den eigenen Arbeitsplatz hervorruft, die Krise der Familie mit so vielen Dramen, die häufig zur Scheidung führen, gesundheitliche Probleme und viele andere Versuchungen bewirken, dass viele unserer Mitmenschen ihren Optimismus verlieren und den Mut, bis zum Ende zu kämpfen, so dass sie einen Ausweg im Alkohol, in Drogen oder anderen Leidenschaften suchen, die allmählich den Leib und die Seele zerstören. Jene vergessen, dass der einzige wirkliche Ausweg in Gott liegt, im auferstandenen Erlöser Jesus Christus, dem Überwinder des Todes in allen seinen Formen. Denn alle Versuchungen des Lebens und alle unsere Leidenschaften sind Manifestationen des Todes, aus denen Christus, der Herr, uns errettet hat und uns jedesmal errettet, wenn wir aus tiefstem Herzen nach seiner Hilfe rufen.

Auch wenn es uns manchmal scheint, als könnten die Schicksalsfälle unseres Lebens so groß sein, dass sie unsere Kraft zu widerstehen übersteigen, so weiß doch derjenige, der wirklich glaubt, dass er in den Kämpfen mit den Schwierigkeiten des Lebens nie alleine ist, sondern Christus zur Seite hat, Der vor Seiner Himmelfahrt gesagt hat: „Siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“  (Matthäus 28,20). Der wahre Gläubige weiß auch, dass „Glaube Berge versetzt“ (Matthäus 17,20) und „alles möglich ist dem, der glaubt“ (Markus 9,23). Daher wiederholt der Gläubige unablässig mit dem Apostel Paulus: „Ich vermag alles in Christus, der mich mächtig macht“ (Philipper 4,13). Wir müssen alle überzeugt davon sein, dass Gott es nicht zulässt, dass größere Versuchungen über jemanden kommen, als er mit der Hilfe Gottes ertragen kann. Der heilige Apostel Paulus ruft uns die Gewissheit zu: „…Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt.“ (1. Kor. 10,13). Doch wir müssen in Versuchungen und Prüfungen Gott auch wirklich unablässig um Seine Hilfe anrufen, wir müssen unsere begangenen Sünden bereuen und wirklich auf den rechten Weg zurückkehren, der der Weg der Kirche ist – durch regelmäßige Teilnahme an der Göttlichen Liturgie, durch die Beichte und die Kommunion an den heiligen Sakramenten, am Leib und Blut des Herrn. Siehe zwei Beispiele für Gebete bei Unglücksfällen, die uns die Kirche bietet: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir! Herr, höre meine Stimme.“ (Psalm 129,1-2/deutsche Zählung: Psalm 130,1-2)

„Herr der Kräfte, sei mit uns, denn einen anderen als Dich haben wir nicht zur Hilfe in der Not, Herr der Kräfte, erbarme dich über uns“ (aus dem Gottesdienst des Großen Komplets).

Genauso wichtig ist, dass wir in den Versuchungen und Prüfungen nicht unser seelisches Gleichgewicht verlieren, d.h. unsere Selbstbeherrschung und unsere Ruhe. Wir sollen nie unter dem Eindruck einer Leidenschaft auftreten und etwas sagen, was sich nicht gehört, und unsere Nächsten betrüben, sondern wir sollen das Antlitz des Herrn Christus in unserer Seele und unserem Herzen tragen, „der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, Er stellte es aber Dem anheim, Der gerecht richtet“ (1. Petrus 2,23). Es ist etwas Großes, wenn wir uns ganz in den Willen Gottes fügen und Ihm für Gutes wie Böses danken, weil alles von Ihm kommt: das Gute als Seine Gabe, das Böse aber als Strafe für unsere Sünden. Denken wir dabei doch immer auch an Hiob den Gerechten, der in allen Anfechtungen des Lebens sagte: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt!“ (Hiob 1,21).

Wenn wir an Versuchungen und Leidenserfahrungen nicht verzweifeln, sondern im Gegenteil unser seelisches Gleichgewicht und die Ruhe bewahren und uns ganz in den Willen Gottes fügen, dann bedeutet das, dass wir den Frieden des Herzens erlangt haben, der zweifellos die größte Gabe des Herrn ist für den Menschen, der in einer so hektischen Welt wie der unseren lebt. Und aus dem Frieden des Herzens entströmt unablässig Sanftmut und Güte, die Kraft zum Vergeben und die Liebe zu den Menschen und der ganzen Schöpfung Gottes.

Nur der Mensch, der zum Frieden des Herzens als Gabe Gottes, aber auch als Frucht seiner Bemühungen im Glauben und in der Askese gelangt ist, kann sich wirklich am Leben und an allem, was existiert, erfreuen. Wer Frieden in seiner Seele hat, sieht in jedem anderen Menschen und in allen Ereignissen seines Lebens immer zuerst die gute, positive Seite und hat viel Verständnis für die Unfähigkeiten und Schwächen der Menschen. Er erfreut sich an der Schönheit der Schöpfung und an allem Guten, was durch die Anstrengung vieler Menschen geschaffen wird. Und der versucht, auch in seinem Umfeld das Gute zu mehren. Er glaubt fest an den Sieg des Guten und wird nicht zum Opfer böser Gedanken und der Hoffnungslosigkeit. Der Gläubige, der sich des Friedens des Herzens erfreut, strahlt Frieden auf seine Nächsten aus, die seine Gegenwart als einen wahren Segen für sich empfinden. „Gelange zum Frieden der Seele und tausende Menschen werden um dich herum erlöst“, sagt der heilige Serafim von Sarov. Leider gibt es von diesen Menschen immer weniger, aber nicht weil Gott ihnen Seine Gnade entziehen würde, sondern weil es nur wenige mit so starkem Glauben gibt, die viel beten, fasten und ein reines Leben führen.  

Heute, wenn Himmel und Erde sich der Auferstehung des Herrn erfreuen, „lasset uns licht werden durch das Fest und einander umarmen. Lasset uns auch zu denen ‚Brüder‘ sagen, die uns hassen, vergeben wir alles um der Auferstehung willen“, wie uns der kirchliche Gesang an den Tagen dieses Hochfestes ermuntert. Denn nur wenn wir miteinander versöhnt sind, können wir wahrhaft Gebete an Gott richten, die er erhört, und uns der Gaben der Auferstehung erfreuen. Versuchen wir doch von heute an, unser Leben zu erneuern, Gott noch näher zu kommen, täglich mehr zu beten als bisher, regelmäßig am Mittwoch und am Freitag zu fasten und vor allem an jedem Sonntag an der Göttlichen Liturgie teilzunehmen. Nur so können wir in unserem täglichen Leben erfahren, wie Gott unseren Mut steigert im Kampf mit den Versuchungen und Leidenserfahrungen, wie er uns seelisches Gleichgewicht und den Frieden des Herzens schenkt.

Ich bete zum von den Toten auferstandenen Herrn und Erlöser Jesus Christus, dass Er Euch allen schenken möge, diese Feiertage in Frieden und Freude im Kreise Eurer Lieben zu verbringen, dass Er Euch Gesundheit schenke und Kraft in allem Guten, was Ihr vollbringt, dass Er Eure Kinder und Eure ganze Familie segne.

Ich versichere Euch, dass ich mit flammendem Herzen für Euch zum auferstandenen Herrn bete und entbiete Euch nochmals den österlichen Gruß: „Christus ist auferstanden!“ Und ich wünsche Euch Allen Gesegnete Feiertage!

† SERAFIM

Erzbischof und Metropolit

Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth

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