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Pastoralbriefe

Gott sucht die Menschen auf - Weihnachten 2009

  „Aufgesucht hat uns aus der Höhe unser Heiland, der Aufgang der Aufgänge, und wir, die im Dunkel und Schatten saßen, haben die Wahrheit gefunden: Ja, aus der Jungfrau wurde der Herr geboren!“ (Exapostolon des Hochfests Weihnachten)  

Hochwürdige Väter und geliebte Gläubige,

Lasst uns Gott dafür preisen, dass Er uns aus Seiner großen Gnade in Frieden und Gesundheit das Hochfest der Geburt unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus erreichen lässt. Wir erinnern uns mit Demut an diejenigen, die in diesem Jahr zum Herrn gerufen wurden, und beten für ihre Seelenruhe. Hier seien vor allem Vater Constantin (Mihoc) und Bruder Nicolae (Cioară) aus Berlin erwähnt, die ihr Leben für den Bau einer rumänischen Kirche in der Hauptstadt Deutschlands ließen. Doch wir gedenken an Vater Constantin und Bruder Nicolae, die auf eine wundersame Weise zum Herrn gerufen wurden, nicht nur in der Fürbitte für die Verstorbenen, sondern wir rufen sie auch an um ihre Hilfe als Christen, die durch ihren beinahe märtyrerhaften Tod Gnade bei Gott gefunden haben und die Kraft zur Fürbitte für uns bei Gott erfahren haben. Deshalb dürfen wir sagen: „Vater Constantin und Bruder Nicolae, betet für uns zu Gott!“

In unseren Gebeten gedenken wir auch der Kranken aus unseren Familien, die nicht mit uns sind, um an unserer Freude über das Hochfest der Geburt des Herrn teilzuhaben. Gewiss bedauern sie, zu diesem Hochfest nicht in der Kirche sein und mitfeiern zu können. Doch es gibt so viele Christen, die die Kirche nicht einmal zu den großen Hochfesten aufsuchen, was einen großen Mangel in ihrem Leben bedeutet. Unsere Pflicht ist es nicht nur, für diese zu beten, sondern auch ihnen zu helfen einzusehen, wie viel Gutes sie entbehren, wenn sie die Kirche und ihre heiligen Ordnungen ignorieren, die uns Gott gerade zum Segen unseres Lebens, als Hilfe in Leid und Schwierigkeiten und zu unserer ewigen Erlösung geschenkt hat.

Geliebte Gläubige,

Ich habe zu Beginn dieses Pastoralbriefes aus dem Nachtgottesdienst von Weihnachten jenen Hymnus zitiert, der „Luminânda“ (Eapostolon) genannt wird, dort heißt es: „Aufgesucht hat uns aus der Höhe unser Heiland, der Aufgang der Aufgänge, und wir, die im Dunkel und Schatten saßen, haben die Wahrheit gefunden: Ja, aus der Jungfrau wurde der Herr geboren!“ So bedeutet die Geburt Jesu nach dem Fleisch aus der Jungfrau Maria in der Höhle von Bethlehem für uns Menschen das Herabkommen Gottes zu uns, der auf die Erde herabsteigt und Mensch wird, um uns zu erlösen – nicht von außen und aus der Distanz, sondern indem Er selbst an unserer conditio humana teilhat, indem Er Sich Selbst erniedrigt und Kreuz und Tod an unserer statt erleidet, anstelle der Verdammten, die wir im Dunkel und im Schatten des Todes leben. Dies ist die große Wahrheit des Christentums, dass Gott den Himmel verlässt und herabsteigt, Sich also selbst entäußert und Seine himmlische Herrlichkeit aufgibt, um Knechtsgestalt anzunehmen und den Menschen gleich zu werden, der Erscheinung nach ein Mensch. Er erniedrigt sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz (vgl. Phil 2, 7-8).

Durch die Geburt des Herrn im Fleisch erschien der Welt das „Licht der Erkenntnis“, wie das Tropar des heutigen Festtages sagt. „Deine Geburt, Christus unser Gott, hat der Welt das Licht der Erkenntnis aufgehen lassen.“ Hier ist die Rede vom Licht der Erkenntnis Gottes, die vor allem eine existentielle Erkenntnis in der Gotteserfahrung ist. Der Erlöser hat die Menschen gelehrt, indem Er ihr Leben und ihr Schicksal geteilt hat, Er hat für sie gebetet, hat ihre Krankheiten geheilt, Dämonen ausgetrieben, auf wunderbare Weise die Menschenmengen gespeist, er stillte den Sturm auf dem Meer, er erweckte den Sohn der Witwe von Nain, das Töchterlein des Jaїrus und den Lazarus, Seinen Freund… Die Predigten des Erlösers zu den Aposteln wie zu den Volksmengen sind von einer wahrhaft göttlichen Einfachheit und Tiefe. Sie sind vom Alten Testament inspiriert, dem Heiligen Buch der Juden, wie auch vom konkreten Alltagsleben der Menschen. Der Erlöser hält keine theologischen Vorlesungen, er betreibt weder Spekulationen noch Theorien über Gott, sondern er richtet sich direkt ans Herz der Menschen und spricht Worte von großer Kraft, die das Leben der Menschen verwandelt. Diejenigen, die ihn hörten, wunderten sich und sagten: „Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser!“ (Joh 7,46)

Wahrhaftig sind die Worte des Heilands „Geist und Leben“ (Joh 6,36). Sie schenken denen Leben,  die aufmerksam und regelmäßig die Heiligen Evangelien und die anderen Schriften der Bibel lesen, vor allem die Psalmen des David, die alle inspiriert sind vom Heiligen Geist. Denn wenn wir immer wieder das Wort Gottes lesen, wird dieses unser Denken verwandeln und uns helfen, unser Leben nach dem Willen Gottes auszurichten. Und wenn wir nach dem Willen Gottes leben, werden wir erfüllt sein von Leben und Mut, voller Optimismus und Freude, weil dann Gott in uns lebt. Nichts tröstet uns mehr im Leben als das Lesen der Heiligen Evangelien und der Psalmen, in denen sich die ganze Schrift konzentriert.

Auch sind die heiligen Gottesdienste der Kirche, vor allem die Göttliche Liturgie, wie auch die Ikonen und Malereien unserer Kirchen eine wahre Bibel in Hymnen und Bildern. Wer in Frömmigkeit sonntäglich an der Göttlichen Liturgie teilnimmt, nährt alle seine Sinne mit dem Wort Gottes, das er in den Lesungen der Epistel und des Heiligen Evangeliums wie auch in den Gesängen des Kirchenchors hört, das er in den Ikonen und in der Feier der Liturgie sieht, im Wohlgeruch des Weihrauchs riecht und in der Kommunion an den eucharistischen Gaben des Heiligen Sakramentes kostet, die Leib und Blut Christi sind, des Sohnes und fleischgewordenen Wortes Gottes. In der Göttlichen Liturgie konzentrieren sich das ganze Leben des Erlösers, von Seiner Geburt in der Höhle von Bethlehem bis zu Seiner Himmelfahrt, wie auch die ganze Heilsgeschichte. Daher kann niemand erlöst werden, der die Kirche und ihre von Gott Gottesdienste vernachlässigt, die uns von Gott genau dazu geschenkt wurden, damit Christus sich selbst uns mitteilt, damit Er jeden Tag mit uns sei bis zum Ende der Welt und unsere Sünden, Krankheiten und Schmerzen auf sich nimmt.

So kommt Gott auch uns heute nahe wie all jenen vor 2000 Jahren, wenn Er auf mystische Weise jedes Mal dann in die Krippe unseres Herzens herabsteigt, wenn wir Sein Wort mit Aufmerksamkeit lesen, wenn wir in Frömmigkeit beten, zu Hause und in der Kirche, wenn wir beichten und die Heiligen Sakramente empfangen. Doch derselbe Christus kommt auch durch unsere Nächsten, die sich in verschiedenen Schwierigkeiten, Krankheiten und Unglücksfällen befinden, zu uns und prüft uns. „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt Mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt Mir zu trinken gegeben. Ich bin krank gewesen, und ihr habt Mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr habt Mich besucht.“ (Mt. 25,35-36). Christus identifiziert sich mit allen, die unsere Hilfe nötig haben. Wenn wir unseren Nächsten, die vor allem jene sind, mit denen wir zusammenleben, denen wir begegnen und mit denen wir zusammenarbeiten, Gutes tun, dann tun wir Christus Selbst Gutes. Der selbstlose Dienst an den Nächsten ist ein Kriterium im Jüngsten Gericht: wir werden auf ewig erlöst oder verdammt danach, wie wir uns gegenüber unseren Nächsten verhalten (Mt. 25, 31-46). „Wenn du deinen Nächsten gewonnen hast, hast du Christus gewonnen, verlierst du deinen Nächsten, verlierst du Christus“, sagt ein Vater im „Pateric“[1]. So müssen wir sehr aufmerksam und gut gegenüber allen Mitmenschen sein, mit denen wir leben oder denen wir begegnen, denn in jedem ist Christus verborgen und von jedem hängt unsere Erlösung ab.             

Doch Christus kommt uns nicht nur durch die Heiligen Schriften, durch die Heiligen Gottesdienste der Kirche und in unseren Nächsten nahe und spricht zu uns, sondern auch durch Krankheiten, Leid und Probleme, die wegen der Sünden über uns kommen, die wir unablässig begehen. Es gibt Christen, die niemals das Wort Gottes in der Heiligen Schrift lesen, die nie oder nur sehr selten zur Kirche gehen, die nur an sich denken und nicht aufmerksam sind für das Leid ihrer Nächsten. Wieder andere leben in Sünde, auch wenn sie noch beten oder gelegentlich auch Gutes tun. Diesen kann Gott nicht anders nahekommen, als dadurch, dass er es zulässt, dass alle möglichen Leidenserfahrungen und Versuchungen über sie kommen. Denn wenn wir leiden oder versucht werden, dann finden wir zu Gott zurück und rufen Ihn um Seine Hilfe an. Gott wiederum kommt uns dann in Seiner großen und unaussprechlichen Güte als Seinen Kindern im Leiden nahe und hilft uns, es mit Geduld zu überstehen. Dazu brauchen wir viel Vertrauen in die Güte Gottes, damit wir niemals die Hoffnung aufgeben, unabhängig davon, wie schwer und groß unser Leid auch ist. Denn bei Gott ist nichts unmöglich. „Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt!“ (Hesekiel 18,23, vgl. 1. Tim 2,4) Er erwartet, dass wir unsere Sünden erkennen, dass wir Buße für sie tun, dass wir beichten und ein neues Leben beginnen, in dem wir die Kirche und das Gebet an erste Stelle setzen. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Mt. 6,33).  

Geliebte Gläubige,

In diesem Jahr hat Gott unsere Metropolie mit mehreren erfreulichen Ereignissen gesegnet, für die wir Ihm zu danken und Ihm Lob darzubringen haben. So hat am 13. Juni Seine Seligkeit Vater Daniel, der Patriarch der Rumänischen Orthodoxen Kirche, in Konzelebration mit einer großen Zahl an Hierarchen, Priestern und Diakonen eine neue Holzkirche und das kulturelle und ökumenische Gemeindezentrum von Salzburg eingeweiht, welche dank des unermüdlichen Einsatzes des Hochwürdigen Vaters Dr. Dumitru Viezuianu und der Gläubigen der Gemeinde errichtet werden konnte, aber auch mit Hilfe der Abtei St. Peter aus der Stadt Salzburg, des katholischen Erzbistums und der lokalen Behörden. Am Tag darauf, am Sonntag, 14. Juni, weihte Seine Seligkeit die neue Kirche in Wien ein, die durch die Opferbereitschaft des Hochwürdigen Vaters Prof. Dr. Nicolae Dura und seinen Gläubigen gebaut werden konnte, wie auch mit Unterstützung des rumänischen Staates und des katholischen Erzbistums von Wien. Am Samstag, 31. Oktober, konnten wir die Pfarrkirche in Knittelfeld (Österreich) weihen, die wir von den Kapuzinerpatres zusammen mit dem Pfarrhaus zum Besitz übergeben bekommen haben, nachdem diese den Ort verlassen haben. Dies war möglich durch den unermüdliche pastorale Wirken und die guten ökumenischen Beziehungen vor Ort, die von dem Hochwürdigen Vater Cristian Greucean gefördert wurden.

Wir beten zu Gott dem Allgütigen, dass Er auch die kommenden Jahre mit solchen Ereignissen segnen möge, damit unsere Metropolie sich festigt und immer besser ihre geistliche Mission zur Heiligung der Menschen und der Welt erfüllen kann.

Ich lege Ihnen diese Worte der Lehre in der Hoffnung ans Herz, dass sie in Ihren Seelen den Glauben und die Liebe zu Gott und den Nächsten steigern mögen und segne Sie alle im Namen des Herrn! Zu den Heiligen Feiertagen des Christfests wünsche ich Ihnen von Herzen Gesundheit und Alles Gute!

Euer geistlicher Vater, der stets für Euch betet und bei Gott Fürbitte ablegt

Metropolit Serafim 

Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth



[1] Orthodoxe Sammlung von Weisheiten charismatischer geistlicher Väter.

 

 

 

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