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Pastoralbriefe

Taufe und Trauung - Formen der Neugeburt - Weihnachten 2010

Ehrwürdige Väter und geliebte Gläubige,

Wir preisen Gott den Herrn dafür, dass er uns auch in diesem Jahr in Frieden das Hochfest der Geburt des Herrn erreichen lässt! Wir freuen uns heute mit den Christen in aller Welt über das einzigartige Ereignis der Fleischwerdung Gottes in der Person Seines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, das die Heiligen Kirchenväter „das einzig Neue unter der Sonne“ nennen, und bemühen uns, den tiefen Sinn und die Bedeutung dessen zu verstehen. Wir wissen, dass Gott in die Welt gekommen ist, um die Welt von der Herrschaft des Bösen zu befreien, d.h. von der Macht des Teufels, der die Menschen durch Lug und Trug von Gott entfremdet und sie durch jede Art von Sünde und Bosheit verzaubert und beherrscht. Zudem sagen die Heiligen Kirchenväter, dass „Gott Mensch geworden ist, um den Menschen zu vergöttlichen“, d.h. ihn wieder zu seinem Ebenbild zu machen, wozu er auch geschaffen wurde, wovon er sich aber durch den Sündenfall entfernt hat. „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“, hat Gott gesagt, bevor er den ersten Menschen schuf. So ist die erste Bestimmung des Menschen, wie Gott zu sein, Gott also in Seiner Güte und Liebe nachzueifern.

 Die lange Erfahrung der Menschheit zeigt, dass der Mensch sich nur in dem Maße wirklich seines Lebens erfreut und sich frei und glücklich fühlt, in dem er sich ernsthaft bemüht, Gott nahe zu sein, d.h. so gut und sanftmütig, so versöhnlich und voller Liebe zum Nächsten zu sein, so ehrlich und korrekt wie möglich in allem, was er tut. Dies deshalb, weil die Freiheit und das Glück des Menschen nur von Gott kommen. Du kannst nicht frei und auch nicht glücklich sein, wenn du in Sünde lebst, wenn du dich nicht bemühst, ein guter Mensch zu sein und dich von Sünden und bösen Anwandlungen zu befreien. Sicher müssen wir zuerst die Sünden erkennen, in denen wir leben, was wir nur mit Hilfe eines Geistlichen können. Dann braucht es einen starken Glauben und einen ebenso starken Willen, um mit den Sünden zu kämpfen, die uns beherrschen. Dieser geistliche Kampf erfordert unablässiges Gebet, zu Hause wie in der Kirche, Fasten und Selbstzügelung vor sündhaften Gelüsten sowie das Bemühen, unseren Nächsten immer Gutes zu tun. So üben wir uns in Liebe zu Gott und unserem Nächsten, beginnend mit der Familie, dann mit den Nachbarn, mit den Verwandten, mit den Arbeitskollegen und vor allem all denen, die unsere Hilfe brauchen. Wenn wir alle immer nur Gutes in unserem Umfeld tun und uns von jeder Sünde fernhalten würden, dann würden auf der Erde Frieden und Harmonie herrschen und alle wären glücklich. Denn das Glück kommt gerade von dem Guten, das wir ohne Eigeninteresse unseren Nächsten tun. „Geben ist seliger als nehmen“, sagt der Erlöser Jesus Christus (Apostelgeschichte 20, 35). Genau deshalb kam der Erlöser in die Welt, damit die Menschen von Ihm Güte, Vergebung, Barmherzigkeit und Liebe zu allen, einschließlich unserer Feinde, lernen. Nur wenn wir dem Beispiel des Herrn folgen, werden wir uns wirklich unseres Lebens erfreuen können und glücklich sein – trotz allem, was wir an Schicksalsfällen und Problemen erleben.   

Doch wie sieht die Welt aus – mehr als 2000 Jahre nach der Geburt des Herrn! Folgen die Menschen der Lehre Jesu? Sind sie glücklich? Ich glaube, dass die meisten gerade deshalb unglücklich sind, weil sie nicht mehr an die Glückseligkeit glauben, die aus der Nachfolge der Lehre Christi kommt. Sie glauben praktisch an nichts mehr oder stellen sich nur vor, dass sie etwas glauben, ohne sich jedoch etwas aus dem zu machen, was der Glaube beinhaltet. So erfüllen sich vor unseren Augen die Worte des Herrn: „Wird der Herr, wenn Er wiederkommt, Glauben auf Erden finden?“ (Lukas 18,8)

Geliebte Gläubige,

Wenn wir in einer Retrospektive auf die großen Ereignisse zurückblicken, die die Menschheit in diesem Jahr erlebt hat, dann müssen wir mit Schmerz feststellen, dass diese für die Menschen gleichzeitig Versuchungen und Leiden bedeutet haben: von den Erdbeben auf Haiti, in Chile und anderen Ländern der Erde, bei denen Hunderttausende von Menschen gestorben sind, über die größte Katastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten – die Verseuchung des Golfs von Mexiko und des Pazifischen Ozeans durch das Austreten von Millionen Tonnen Öl –, danach die großen Überschwemmungen in Pakistan, Polen, Ungarn, Rumänien und anderen Ländern, die großen Waldbrände in Russland, die Zehntausende Hektar Wald zerstört haben bis hin zu der anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich im Laufe dieses Jahres in vielen Ländern, vor allem in unserem Land Rumänien, noch verstärkt hat und noch weit davon entfernt ist, beendet zu sein. Unser eigenes Leben wie auch das Leben auf der Welt im Allgemeinen wird immer schwieriger – mit all seinen Problemen und Unglücksfällen, allen Leiden und Krankheiten, die täglich mehr werden. Es ist nur normal, wenn wir fragen, warum wir Menschen so viel leiden und warum sich so viele Katastrophen ereignen. Es gibt nur eine Antwort und wir kennen sie, auch wenn es uns schwer fällt, diese persönlich zu akzeptieren: unsere Entfremdung von Gott und übertriebenes Hängen an den Dingen dieser Welt, der Egoismus und die Sucht nach Geld und Lust, die Zunahme an Sünden und das Erkalten der Liebe zwischen den Menschen. Wir alle wissen, dass wir wegen unserer Sünden leiden, aber wie viele von uns bereuen wirklich all das, womit wir täglich sündigen, wie viele von uns versuchen wirklich, ihr Leben zu verändern und auf schlechte Angewohnheiten zu verzichten und sich wirklich auf dem Weg des Glaubens zu engagieren, also auf dem Weg der Kirche! Wir erwarten doch immer, dass sich die Anderen ändern, nur nicht wir selbst. Doch der Wandel der Welt beginnt mit uns selbst, jedes Einzelnen. Wenn ich mein Verhalten ändere, tun dies auch die Menschen in meinem Umfeld, dann ändert sich die ganze Welt, weil ich sie mit anderen Augen sehe; wenn ich mich nicht ändere, ändert sich nichts in meinem Umfeld und nicht in der Welt.

So erwachsen die unglückseligen Ereignisse der Gegenwart wie die Wirtschafts- und Finanzkrise, durch die die heutige Welt durchgehen muß, wie auch alle Familien- und Lebenskrisen aus der großen geistlichen Krise der gegenwärtigen Menschheit, die wir alle in dem Maße hervorrufen, in dem wir Gott vergessen und nur nach unserem von der Sünde pervertierten Willen leben. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Seine Seligkeit Bartholomaios, sagte kürzlich in Bukarest: „… die Krise unserer Tage ist ein dämonischer Zustand, aus dem uns keine wirtschaftliche Erholung befreien kann. Es braucht eine geistliche Erneuerung! Es braucht viel Geduld! Es braucht eine asketische Haltung! Es braucht den Geist des Opfers! Es braucht ein tiefes Nachdenken über den Sinn des Kreuzes! Es braucht die Liebe! Es braucht also Christus! Christus, der für uns Mensch geworden ist, der für uns gelitten hat, der für uns am Kreuz gestorben ist und der ewig lebt! Er, das präexistente Wort des Vaters, schenkt der Vernunft die Existenz und gibt dem Leben Sinn, Er löst die Entfremdung auf, mit denen die Sünde uns voneinander trennt, sie vereint das Getrennte, schenkt Gerechtigkeit, löst die Verbindungen des Todes und sorgt dafür, dass die ‚Utopie‘ der Liebe zur Wirklichkeit wird.“

Wir brauchen also Christus über alle Maßen: ohne Ihn läuft nichts, weder im persönlichen Leben, noch in der Familie, weder in der Gesellschaft, noch sonstwo. „Ohne mich könnt ihr nichts tun“, sagt der Herr. Doch Jesus Christus können wir nur in der Kirche und in den Heiligen Mysterien (Sakramenten) begegnen: in der Taufe, in der Beichte, in der Trauung, in der Eucharistie. Und wenn wir uns mit Ihm in den Heiligen Mysterien vereinen, dann werden wir Ihm überall auf der Welt begegnen: in den Menschen, in den Ereignissen unseres eigenen und des familiären Lebens, im Leben der Welt und in der ganzen Schöpfung. Denn alles hängt von Ihm ab, alles wird von Ihm gelenkt. Und Er Selbst will, dass wir in allem mit Ihm zusammenwirken.

Geliebte Gläubige,

der Heilige Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche widmet das Jahr 2011 auf Vorschlag Seiner Seligkeit Patriarch Daniel der Betrachtung der Heiligen Taufe und der Heiligen Trauung mit der Empfehlung, dass diese beiden grundlegenden Sakramente des christlichen Lebens in allen Pfarrgemeinden in Predigten und Katechesen thematisiert werden sollen, um alle Gläubigen darin zu schulen. Wissen wir wirklich, was die Taufe und die Trauung bedeuten? Wissen wir, wie wir uns auf die Taufe und die Trauung am Heiligen Altar vorzubereiten haben? Wissen wir, wie wir unser ganzes Leben lang die Gnadengaben der Taufe und der Trauung nutzen, die in unser Herzen verborgen eingepflanzt sind? Über all diese Fragen werdet Ihr in diesem Jahr, das der Heiligen Taufe und der Heiligen Trauung gewidmet ist, mit Euren Priestern ins Gespräch kommen. Scheut Euch nicht, Eure Seelsorger und geistlichen Väter bei allen Fragen zu Rate zu ziehen, die Euch bewegen, und bei allen Problemen, die Ihr habt.

Im Blick auf die oben genannten Fragen möchte ich hier nur so viel sagen, dass die Taufe die Neugeburt durch das Wirken des Heiligen Geistes bedeutet und uns zu Bürgern des Reiches Gottes macht. Wenn wir durch die leibliche Geburt Bürger dieser Welt werden, dann werden wir durch die Taufe Bürger des Reiches Gottes, das auf Erden in der Kirche Christi präfiguriert ist. Diese Welt wird freilich vergehen, doch das Reich Gottes bleibt in Ewigkeit. Bei der Heiligen Taufe erhalten wir alle Gnadengaben des Heiligen Geistes, um unser ganzes Leben lang in Christus zu wachsen, um immer mehr eins zu werden mit Ihm, wobei unser Bemühen darin besteht, uns in das Leben der Kirche einzufügen durch regelmäßige Teilnahme an den Gottesdiensten, durch Gebet und Fasten, durch Gute Werke und auch das Bemühen, uns von Sünden fernzuhalten und die Gebote Gottes zu erfüllen.

Auch die Trauung ist eine Neugeburt auf ihre Weise: durch die Verbindung von Mann und Frau vor dem Heiligen Altar werden diese „ein Leib“, eine für die Ewigkeit vereinte Familie. Nach dem Heiligen Sakrament der Trauung sind diese beiden auch nicht mehr zwei Individuen oder irgendwie geartete Personen, sondern ein untrennbares Paar, eine neue Wirklichkeit in Kirche und Gesellschaft. Doch wir wissen auch, dass die Gnade der Heiligen Sakramente nicht automatisch wirkt. Um ein Heiliges Sakrament zu empfangen, muss sich der Gläubige mit Beten und Fasten vorbereiten, durch das Bekennen seiner Sünden und die Versöhnung mit seinen Nächsten… So öffnet sich die Seele für den Empfang der Gnade und diese kommt gerade deshalb auf den Menschen hernieder, weil sie erwartet wird. Früher waren Taufe und Trauung Gemeinschaftsereignisse par excellence. Alle Gläubigen bereiteten sich mit Fasten und Gebeten auch für die vor, welche diese Sakramente empfangen sollten.

Leider erstreckt sich die Vorbereitung auf die Heilige Taufe oder auf die Heilige Trauung heute auf die Vorbereitung der Familienfeier, die dem folgt. Dies bedeutet Säkularisierung: die Akzentverschiebung von dem religiösen Ereignis, das einmalig und von ewiger Bedeutung für das Leben des Menschen ist, zu einem weltlichen Ereignis, das nur noch einen vergänglichen Charakter trägt.

So wie das christliche Leben eines jeden von uns eine tägliche Aktualisierung unserer eigenen Taufe darstellt, so ist auch das Familienleben eine Aktualisierung der beim Heiligen Sakrament der Trauung empfangenen Gnadengaben: der Gabe der Liebe, die aus zwei Menschen eins werden lässt, der Gabe der Elternschaft und des Gebärens von Kindern als Frucht der Liebe, welche die Kinder unablässig vervollkommnen, der Gabe der gegenseitigen Hilfe, usw. Hier müssen wir kritisch auf die Lage der Familie heute eingehen, wo die Gnadengaben der Trauung so oft ignoriert werden. Wie viele Familien sind heute zerstört oder leben in Streit und Skandal, weil sie nicht die Liebe bis zur Vollendung leben, die sie sich bei der Trauung versprochen haben! Denn die Liebe, die immer auch Opfer und Selbstverzicht für den Anderen beinhaltet, will stets erneuert und vertieft werden. Du musst dich jeden Tag bemühen, alle in der Familie wie auch alle Menschen auf der Welt so zu lieben, wie sie sind, nicht nur so wie wir sie haben wollen. Und wie viele Familien verzichten auf die Gabe der Geburt von Kindern, indem sie nur ein oder zwei Kinder wollen und diese dann nach dem Willen der Eltern „geplant“ sind, nicht mehr nach dem Willen Gottes. Die anderen Kinder töten sie durch sogenannte Verhütungsmedikamente oder sie verhindern die Empfängnis auf von der Heiligen Schrift verurteilte Weise (Genesis 38,9-10). All diese Sünden haben besonders schwerwiegende Folgen für die ganze Familie.

Das christliche Leben ist ein herausforderndes Leben. Es erfordert ein immerwährendes Sich-Bewusst-Machen der Gnadengaben, die wir in den Heiligen Sakramenten empfangen haben und ein Leben im Alltag nach den Geboten Gottes.

Ich bete zu unserem Erlöser Jesus Christus, der heute in Bethlehem geboren wurde, dass Er Sie alle segne und Ihnen helfen möge, immer Seinen heiligen Willen zu erfüllen, damit Sie sich wirklich des Lebens, Ihrer Kinder und aller Lieben erfreuen können.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen:

Gesegnete Feiertage! Und

Auf viele Jahre!

Euer geistlicher Vater, der für Euch fortwährend zu Gott betet,

† Metropolit Serafim

Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel

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