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Pastoralbriefe

Ostern 2011

„Aus dem Grab ist das Leben auferstanden...“  (Aus den Gesängen der Osternacht)

Hochwürdige Väter und geliebte Gläubige,

Christus ist auferstanden!

Das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus lässt uns auch in diesem Jahr wieder in so großer Zahl zusammenkommen, damit wir Seine Gaben empfangen: das Leben, das aus dem Grabe Christi auferstanden ist, des Siegers über den Tod, die Freude der balsamtragenden Frauen und der Apostel, die den Auferstandenen Herrn gesehen haben, den Frieden Gottes, der in unsere Herzen kommt durch das Gebet und die christliche Hoffnung, die uns immer im Leben begleiten muss, damit auch wir wie Christus die Prüfungen und Versuchungen überwinden, die alle über uns kommen, um zuletzt auch den Tod zu besiegen und das ewige Leben zu erlangen. All diese Gaben werden in uns an diesem Heiligen Tag der Auferstehung in dem Maße erneuert, wie häufig wir zu Hause und in der Kirche beten, die Beichte ablegen und uns mit Seinem Heiligen Leib und Seinem teuren Blut im Heiligen Mysterium (Sakrament) der Eucharistie vereinen.

Wir freuen uns besonders, dass in diesem Jahr wie schon im letzten alle Christen am selben Tag Ostern feiern und wir beten darum, dass Gott den Tag der Einheit aller im selben erlösenden Glauben rasch bewirken möge. Weil Gott nichts mehr liebt wie die Einheit unter den Menschen, beginnend mit unserer Einheit als Christen, die wir ein Beispiel der Einheit geben sollten für alle anderen (vgl. Johannes-Evangelium, Kap. 17).

Geliebte Gläubige,

die Auferstehung des Herrn, die wir heute mit so viel Begeisterung und Freude feiern, ist der Feiertag des Lebens par excellence, das in uns erneuert wird durch den Tod und die Auferstehung unseres Erlösers Jesus Christus. Gott hat den Menschen erschaffen, damit dieser an der vollendeten Gemeinschaft der Liebe der Heiligen Dreifaltigkeit teilhat: des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Solange die ersten Menschen im Gehorsam gegenüber Gott verblieben, also in Gemeinschaft mit Ihm, hatten sie Anteil an Seinem Leben und allen Gnadengaben, die Gott allen schenkt, die glauben und gehorsam sind. Sie waren reinen Herzens und unschuldig, kannten das Böse nicht, sprachen zu Gott von Angesicht zu Angesicht und erfreuten sich an dem ihnen von Gott geschenkten Leben. Nach dem Sündenfall durch das Übertreten des Gebotes Gottes erkannten Adam und Eva auf einmal, dass sie nackt waren, und sie schämten sich ihrer eigenen Sünde und versteckten sich im Himmel in dem Irrglauben, sie könnten vor dem Angesichts des Allgegenwärtigen fliehen. Ihr eigener Wille schob sich zwischen sie selbst und Gott und verleitete sie dazu, mehr auf den Teufel, den Feind Gottes, zu hören als auf Gott, der ihnen das Leben geschenkt hat. Sie taten dies um den Preis der Vertreibung aus dem Paradies in die Welt, in der die Gegenwart Gottes oft wegen dem Wirken des Teufels verborgen ist, dessen Willen die Menschen lieber erfüllen als den Willen Gottes. So hat sich die Sünde auf Erden vermehrt, die die Beziehungen zwischen den Menschen pervertiert, die Menschen verzaubert und in alle möglichen Schwierigkeiten und ins Unglück stürzt. Die Sünde zerstört auch die Schöpfung Gottes, und die Menschen sind – statt sich über ihr Leben und alles von Gott Geschaffene zu freuen – häufig traurig, deprimiert und entmutigt. Denn das von Gott geschenkte Leben hat nur einen Sinn, wenn es in einer lebendigen Beziehung zu Ihm und Gehorsam Ihm gegenüber gelebt wird. 

Durch die Auferstehung des Herrn kam nun die Erlösung für alle in der Befreiung von der Macht des Satans, durch die Befreiung von der Sünde und ihren unheilvollen Folgen, die oft genug unser Leben in die Hölle verwandeln. Denn wir wünschen uns doch alle den Himmel. Wir können uns alle fragen: was ist der Himmel, wo ist der Himmel, wie gelangen wir in den Himmel? Nun: die Osterfreude, der Friede und das Licht, das wir hier und jetzt erleben, sind himmlische Momente. Denn der Himmel ist immer die Freude des Lebens mit Christus dem Auferstandenen. „Heute ist alles von Licht erfüllt: Himmel und Erde und was darunter ist“ wie auch unsere Herzen, in denen sich die ganze Schöpfung Gottes konzentriert! Wir erleben niemals erhebendere Momente als in der Osternacht. Im Herzen dessen, der den auferstandenen Christus spürt, dort ist der Himmel. Aber in einem Herzen, dem Christus fehlt, herrschen die Hölle, die Dunkelheit, die Leere, die Hoffnungslosigkeit und die Leidenschaften... Christus der Herr hat durch Seine Auferstehung die Pforten des Himmels wieder für uns geöffnet, und das ist auf Erden die Kirche. Unsere Pflicht ist es, aus unserem Leben ein fortlaufendes Ostern zu machen, einen ständigen Himmel. Wir sollen uns mit anderen Worten unseres Lebens erfreuen und Gott für alles danken, wir sollen in Frieden und Harmonie leben mit unserer Familie, mit unseren Verwandten, Nachbarn und Nächsten am Arbeitsplatz und wo immer wir uns befinden. Denn dort wo Frieden und Harmonie ist, dort ist der Himmel. Wir sollen jeden Sonntag in dem Bewusstsein zum Gottesdienst kommen, dass die Kirche, wie ich gesagt habe, der Himmel auf Erden ist und uns auf den ewigen Himmel vorbereitet, in den wir nach unserem Sterben eintreten, wenn Gott der Herr uns beim Jüngsten Gericht für würdig befindet. Wir sollen uns immer an die Wortes des Herrn erinnern: „Die Pforten der Hölle sollen meine Kirche nicht überwinden.“ (Matthäus 16,18) Die Kirche Christi aber sind wir alle, die wir an Seine Auferstehung glauben und uns Sonntag für Sonntag versammeln, um gemeinsam die Liturgie zu feiern und Leib und Blut des auferstandenen Herrn zu empfangen, um aus unserem Leben ein fortwährendes Ostern machen zu können. Lassen wir uns nicht täuschen von dem Gedanken, dass die Kirche nur etwas für Priester und Mönche ist und lassen wir uns auch nicht von mancher Unfähigkeit einzelner davon verderben. Wir sollen auch auf die sehen, die ein heiliges Leben führen und die ihr Brot mit dem Hungrigen teilen. Und nur Gott der Herr kennt die heimlichen Tränen derer, die auf die eine oder andere Weise Fehler begehen. Die Kirche gehört zu uns allen als Sünder, die wir unsere begangenen Sünden bereuen und uns darum bemühen, diese nicht zu wiederholen. Auch wenn wir alle sündigen, bleibt die Kirche heilig; sie wird von unseren Sünden nicht verunreinigt, sondern sie reinigt uns durch ihre Mysterien (die Sakramente), vor allem durch das Heilige Mysterium der Beichte und das Mysterium der Eucharistie.

Geliebte Gläubige,

Wie ich Euch schon in der Weihnachtspastorale geschrieben habe, hat die Heilige Synode unserer Rumänischen Orthodoxen Kirche beschlossen, dieses Jahr den Mysterien der Taufe und der Trauung zu widmen mit der Empfehlung, dass die Priester und Gläubigen in allen Pfarrgemeinden des Rumänischen Patriarchats, also auch außerhalb der Landesgrenzen, das Verständnis der Bedeutung dieser Heiligen Mysterien für unser christliches Leben vertiefen sollen. Es geschieht leider viel zu oft, dass die Eltern und Paten sich nur um die Taufe ihrer Kinder und Patenkinder kümmern, nicht jedoch um das, was nach der Taufe folgen sollte, also der christlichen Erziehung der Kinder, die damit beginnt, das Kind jeden Sonntag zum Gottesdienst zu bringen, damit sie Leib und Blut Christi empfangen. Die Kinder müssen in der Atmosphäre des Gebets der Kirche aufwachsen und mit der sonntäglichen Kommunion. Genauso wichtig ist es, dass die Eltern täglich gemeinsam mit ihren Kindern beten und sich darum bemühen, in der Familie eine Atmosphäre der Harmonie und des Verstehens bewahren, was die Kinder dauerhaft positiv prägen wird. Die religiöse Erziehung der Kinder geschieht zuerst im Elternhaus, in erster Linie durch das Vorbild der Eltern, dann in der Kirche und in der Schule.

Was das Sakrament der Trauung betrifft, müssen wir kritisch festhalten, dass sehr viele junge Menschen heute ohne kirchlichen Segen zusammenleben, was eine Todsünde darstellt und bedeutet, ein Haus auf Sand zu bauen. Kein einziger Grund, der genannt wird, kann die wilde Ehe gegenüber Gott rechtfertigen. Ebenso kritisch müssen wir festhalten, dass die Trauung häufig auf den Gottesdienst in der Kirche reduziert wird. Nach der Trauung vergessen junge Menschen die Kirche und die von Gott empfangenen Gaben rasch: die Gabe der Verbindung für die Ewigkeit in Christus, die Gabe der Geburt von Kindern nach dem Willen Gottes, die Gabe des Verstehens und der gegenseitigen Vergebung, die Gabe der Hingabe für den jeweils anderen usw..  All diese Gaben bleiben nur bei den Eheleuten, wenn sie die Gebote Christi erfüllen und nach dem Willen Gottes leben, nicht nach ihrem eigenen Willen. Wenn die Eheleute in Liebe und Harmonie leben, wenn sie alle Kinder zur Welt bringen, die Gott ihnen schenkt, und sich von allen großen Sünden fernhalten, die sie von Christus trennen, als da wären: Ehebruch, Abtreibung, Geburtenplanung, Gebrauch von Medikamenten, die Kinder im Mutterleib töten, Hass, Ehescheidung, etc., dann wird die Familie – von der der heilige Johannes Chrysostomos sagt, dass sie die Kirche im Kleinen ist – zum Himmel auf Erden.      

Ich drücke hier meine Hoffnung aus, dass Ihr gemeinsam mit den Hochwürdigen Priestern empfänglich sind für dieses Anliegen und die Bedeutung des Mysteriums der Taufe und der Trauung vertieft meditiert, damit diese Euch bei der Erneuerung des geistlichen Lebens. Gott der Herr erwartet von jedem von uns, dass wir unseren Glauben kennen und immer besser leben durch ein verantwortliches Engagement in der Kirche, in der Familie und in der Gesellschaft.  

Geliebte Gläubige,

Wie Sie alle wissen, ist das größte Hindernis beim Aufbau unserer Pfarrgemeinden und bei der Entfaltung eines normalen Gemeindelebens im Blick auf die Heiligen Mysterien, die Katechese an Kindern und Jugendlichen oder auch soziale und kulturelle Aktivitäten das Fehlen eigener Kirchen und der notwendigen Gemeinderäume. Seit Gründung unserer Metropolie vor 18 Jahren gab es hier viele Fortschritte durch den Kauf oder den Bau einiger neuer Kirchen, doch die meisten Pfarrgemeinden sind nach wie vor ohne eigene Kirche. Zu den Kirchen, die derzeit im Bau sind, zählen die Kirche von Mannheim (unter Leitung von H. H. Pfarrer Ioan Popescu), bei der die Außen- und Innenarbeiten schon weit vorangeschritten sind, und die von Berlin (unter der Leitung von Priestermönch Clement Lodroman), wo das Untergeschoß fertig gestellt wurde, um die Liturgie bis zur Vollendung des Baus der Kirche feiern zu können.

Wir hoffen, dass am 10. September dieses Jahres Seine Seligkeit Vater Daniel, der Patriarch der Rumänischen Orthodoxen Kirche, in München die Grundsteinlegung für die unter der Leitung Seiner Exzellenz Bischof Sofian Brasoveanul geplante Kirche und den Klosterkomplex legen wird. Wir bitten alle unsere Gläubigen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Bau dieser heiligen Stätten zu fördern, die ein lebendiges Zeugnis geben werden vom geistlichen Leben der Rumänen in Deutschland.

Nehmen wir uns doch die Aussagen des heiligen Johannes von Damaskus (8. Jh.) zu Herzen, der die Hymnen der Auferstehung dieser Heiligen Nacht komponiert hat: 

„Tag der Auferstehung! Erleuchten wir uns mit der Feier des Lichts und umarmen wir einander! Wir sollen auch die ‚Brüder‘ nennen, die uns hassen; wir sollen alles verzeihen der Auferstehung wegen. Und wir sollen so rufen: Christus ist von den Toten auferstanden, er hat den Tod durch den Tod besiegt und denen in den Gräbern das Leben gebracht.“

Ich bete zu unserem Erlöser, dem auferstandenen Jesus Christus, Euch alle zu segnen und vor allem die Kinder und Jugendlichen, die die Zukunft der Kirche und des Volkes sind, dass er Euch allen Gesundheit schenken möge und alles, was Ihr zu diesem irdischen Leben braucht und dass Er Euch auch des ewigen Lebens würdig befinden möge. 

Christus ist auferstanden!

Ein Gesegnetes Osterfest!

Euer Euch allzeit Gutes wünschender und zum Herrn, dem Überwinder des Todes,  betender 

†  S E R A F I M

Erzbischof von Deutschland, Österreich und Luxemburg und

Metropolit von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa

 

Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth

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