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Pastoralbriefe

Die Liebe Gottes - Weihnachten 2011

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen Eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3, 16)

 Wohlehrwürdige Väter,

geliebte Gläubige,

Wir danken dem Grundgütigen Gott, dass Er uns wieder in Frieden und Gesundheit das Hochfest der Geburt Seines Sohnes nach dem Fleisch erreichen lässt, unseres Erlösers Jesus Christus. Wir danken Ihm für alles, was Er uns in diesem Jahr hat erleben lassen, für alles Gute, aber auch manches weniger Gute und sogar manches Schlechte. So danken wir Ihm sowohl für alle Freuden und Erfolge, die uns zuteilwurden, wie auch für alle Versuchungen und Misserfolge im Leben. Wir wissen alle, dass das Leben der Menschen auf Erden immer von Freude und Erfolg, aber auch Unglück und Leiden gleichermaßen geprägt ist. Der gläubige Mensch weiß jedoch, dass er die Erfolge Gott zuzuschreiben hat, Unglück und Leiden aber seinen Sünden. So bewahrt er immer sein seelisches Gleichgewicht: die Freuden und Erfolge des Lebens machen ihn nicht stolz und überheblich und entfremden ihn von Gott, so wie ihn schmerzhafte Unglücksfälle und Versuchungen nicht entmutigen, sondern ihn vielmehr Gott näher bringen, von Dem er Kraft und Mut empfängt, darüber hinwegzukommen.

Die Gebete und Gesänge der Kirche wie auch die wunderschönen Weihnachtslieder erfüllen unser Herz heute mit Freude, denn Gott hat aus Liebe zu uns Menschen Seinen Sohn in die Welt gesandt, „um geboren zu werden und heranzureifen, um uns zu erlösen“. In der Geburt des Herrn zu Bethlehem kommt Gott auf die Erde herab, wird Mensch und bleibt auf ewig Mensch, damit er uns erlöst, aber nicht aus der Distanz der himmlischen Höhen, sondern von der Erde aus im Zusammenleben mit den Menschen, durch Seine Lehre und Seine wunderbaren Werke, vor allem aber durch Seinen Tod und Seine Auferstehung.

In der Kirche sprechen wir fortwährend von „Erlösung“ und beten in jedem Gottesdienst „um die Erlösung unserer Seelen“. Aber was verstehen wir wirklich unter „Erlösung“? „Erlösung“ bedeutet die Befreiung von der Macht des Bösen, die Befreiung von der Versklavung durch die Sünden, die Befreiung von der Strafe der Hölle und das Erlangen des ewigen Lebens im Himmel oder im Reich Gottes. Erlösung bedeutet gleichzeitig Befreiung von Krankheiten, von Leid und Unglück, das aufgrund seiner Sünden über den Menschen kommt. Gott erlöst uns bzw. befreit uns von allem Übel, das über uns kommen kann, wenn wir unser sündhaftes Wesen hinter uns lassen durch Tränen der Reue, wenn wir regelmäßig beichten und den Leib und das Blut des Herrn empfangen, dann wird er uns auch am Ende unseres Lebens im Himmel empfangen. Gott kam also auf die Erde, um uns nahe zu sein, um eins zu werden mit uns im Gebet und im Leiden, um uns die Bürde der Sünden, des Unglücks und des Leidens zu nehmen und uns innere Freiheit und den Frieden des Herzens zu schenken, wonach jeder Mensch seufzt.

Unser Erlöser Jesus Christus ist heute genauso gegenwärtig im Leben des gläubigen Menschen wie vor 2000 Jahren, als Er auf Erden lebte. Nur wenige haben damals in Ihm den Sohn Gottes erkannt, nur wenige sind es auch heute, die wirklich an Ihn glauben, die eine enge Verbindung zur Kirche bewahren, die von Ihm gegründet wurde, um die Menschen an Seiner erlösenden Gnade teilhaben zu lassen, wenige sind es, die beten, fasten und sich darum bemühen, ein einfaches und reines Leben zu führen, das Christus entspricht, dessen Namen wir alle tragen.

Genau deshalb sind heute auch sehr viele Christen gleichgültig gegenüber ihrer eigenen Erlösung. Und wir, die wir überhaupt eine engere Beziehung zur Kirche bewahren, sind häufig „lauwarm“ im Glauben, also weder brennend, noch ganz kalt (vgl. Offenbarung 3, 15). Dies bedeutet, dass wir von der Liebe Gottes nicht entzündet werden, also von der reinen, interessenlosen, unverdienten Liebe, von der Liebe, die Leiden erträgt und unendlich Geduld hat. Denn die Liebe erprobt und festigt sich durch das Feuer des Leidens für den Geliebten. Wenn Du nicht leiden kannst, wenn Du keine Geduld im Leiden hast, bedeutet dies, dass du nicht wirklich liebst. Die Liebe Gottes ist vereint mit dem Opfer, mit dem Leiden, das freilich zum Sieg führt. Wir können uns den Erlöser nicht als in einem Palast geboren und mit Dienern in Seiner Umgebung vorstellen, der ein süßes Leben führt oder nur sein eigenes Vergnügen sucht und vor den Schwierigkeiten des Lebens flieht oder arme, kranke und von unreinen Geistern beherrschte Menschen übergeht. Im Gegenteil: Gott wurde in einer Krippe geboren, Er lebte in größter Einfachheit – oft hatte Er nicht, wohin Er Sein Haupt legen sollte –, Er zog durch Städte und Dörfer Palästinas und lehrte die Menschen den Willen Gottes, Er kam ihnen zu Hilfe, Er tröstete und heilte sie, bis Er zuletzt aus freien Stücken den Tod am Kreuz auf sich nahm, wodurch Er die Welt erlöste. All dies hat Gott aus unendlicher Liebe zu uns Menschen getan: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Nächsten“ (Johannes 15,13).

Im Unterschied zur aufopferungsvollen Liebe des Erlösers ist unsere Liebe häufig eine leidenschaftliche, egoistische Liebe, die vor Leid flieht und nur das eigene Vergnügen  und das persönliche Wohl sucht, nicht auch das Wohl der Nächsten; eine Liebe also, die mehr auf die Dinge dieser Welt gerichtet ist als auf Gott. Eine solche Liebe ist umso mehr mit Leidenserfahrungen als Konsequenz der Sünden verbunden. So sehr wir uns auch darum bemühen, Leidenserfahrungen zu entgehen, so werden wir doch früher oder später damit konfrontiert und können nichts anderes tun, als diese anzunehmen und unserer Schuld zuzuschreiben. Aber wenn schon das Leiden nicht vermieden werden kann, kann es doch im Glauben und in Geduld verwandelt werden. Vor allem aber durch einen Wandel unseres Lebens, wenn wir wollen, dass das Leiden zur Erlösung beitragen soll, uns also allmählich zur Befreiung von unserem egoistischen Ich führen soll, damit wir uns ganz in Gottes Hand geben. Sonst leiden wir vergeblich.

 „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen Eingeborenen Sohn gab, damit  alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

 Geliebte Gläubige,

die Heiligen Kirchenväter sagen uns, dass das Kommen Gottes in die Welt durch die Menschwerdung Seines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, die Erneuerung der Schöpfung oder die Wiedergeburt der Welt bedeutet. Gott erneuert die Welt dadurch, dass Er Selbst Mensch wird, dass Er die Sünden der Menschen auf Sich nimmt und sie durch Sein Leiden, Sterben und Auferstehen überwindet. So befreit Er die Menschen von der Gefahr des ewigen Todes und öffnet ihnen die Pforten des Himmelreichs, aus dem die ersten Menschen nach ihrem Sündenfall vertrieben wurden. Diese Wahrheit wird von dem Lied ausgedrückt, in dem es heißt: „Der verschlossene Himmel hat sich heute geöffnet/und die Menschheit hat sich durch die Heilige Jungfrau erneuert“. Durch Seine Geburt lädt Gott uns alle ein, unser Leben durch Glauben und aufopferungsvolle Liebe zu erneuern. Der heilige Apostel Paulus sagt uns: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor. 5,17) Wir können keine Christen sein, also Jünger Christi, wenn wir wie Nicht-Christen leben – oder oft noch schlimmer als diese. Der Erlöser warnt uns, wenn er sagt: „Niemand kann zwei Herren dienen: … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Vgl. Matthäus 6,24) Mammon bedeutet hier das Streben nach Geld und nach den Gütern dieser Welt, die Suche nach sinnlichen Vergnügungen, das Sich-selbst-Verschließen im Horizont dieser Welt und das Vergessen unserer ewigen Bestimmung, für die wir von Gott geschaffen wurden. Wir müssen uns immer vergegenwärtigen, dass Gott uns für die Ewigkeit geschaffen hat, nicht nur für dieses so kurze und täuschende Leben hier. Wenn wir aber Gott und die Kirche vergessen, dann leiden wir gerade deshalb, weil wir nicht so leben wie es Gottes Ordnung für das Leben des Menschen vorgesehen hat, also in Glauben und mit Liebe, in Geduld und Selbstbeherrschung und in allem mit dem Bestreben um geistliches Reifen und Heiligung seines Lebens. Der heilige Apostel Paulus betet in diesem Sinne für die Gläubigen in Thessaloniki: „Der Gott des Friedens heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.“ (1. Thessalonicher 5,23)

Wir dürfen nie vergessen, dass alle Krankheiten, vor allem die psychischen, auch eine geistlichen Nährboden haben, alle haben ihre Wurzel im Mangel an Harmonie unserer inneren Kräfte, die sich im Herzen konzentrieren. Nur das reine Gebet und die opferbereite Liebe können unsere inneren Kräfte im Gleichgewicht halten. Wenn wir das Gebet aber vernachlässigen oder nur oberflächlich beten, nur mit den Lippen und nicht auch mit dem Herzen, wenn wir uns zu sehr mit den Dingen dieser Welt beschäftigen, wenn wir zu viele Ansprüche und Wünsche haben, wenn wir nicht die reine Liebe und die Geduld haben, wenn wir in Sünden leben, ohne zu beichten und ohne Buße zu tun, dann führt uns dies alles allmählich zu einem Zustand dauerhafter Undankbarkeit , der unsere innere Persönlichkeit zerstört. Hier beginnen alle Krankheiten, die wir nur in dem Maße überwinden können, in dem wir uns im Glauben und mit viel Geduld dafür engagieren, unter der Anleitung eines Geistlichen Vaters unseren Lebensstil zu ändern.

Geliebte Gläubige,

Auch wenn unser Leben überhaupt nicht leicht ist, auch das Leben derjenigen nicht, die glücklich scheinen, weil sie alles besitzen, so dürfen wir als Christen doch niemals die Freude am Leben und unseren Mut zum Kampf gegen die Schwierigkeiten, Krankheiten und Versuchungen des Lebens verlieren, die über uns kommen können. Unser Erlöser schenkt uns Mut dazu, wenn Er sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16, 33) In unserem alltäglichen Leben ist es sehr wichtig, dass wir jedes Unglück und jedes Problem, mit dem wir konfrontiert sind, zuerst vor Gott bringen – so wie Kinder in ihrem Schmerz immer zuerst in die Arme der liebenden Mutter laufen –, und Ihn mit besiegtem und demütigem Herzen zu bitten, diese auf Sich zu nehmen und zu lösen, wie Er weiß, dass es für uns am besten ist. Und Gott, Der „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten“ gereichen lässt (Römer 8, 28), wird nicht zögern, uns Kraft und Mut zu schenken, über alles hinwegzukommen. Von uns verlangt Gott nur Eines: dass wir uns vom Unglück nicht überwinden lassen, und sei es auch noch so groß, sondern dass wir Hoffnung und Geduld bewahren. Denn mit Geduld und Hoffnung überwinden wir alles.

Ich freue mich, Sie alle an der Freude der Gläubigen aus Mannheim teilhaben zu lassen, die den Bau ihrer Kirche vollendet haben. Jetzt muss noch die Ikonenwand eingerichtet werden und sie muss geschmückt werden, damit in ihr Gottesdienst gefeiert werden kann. Auch an der Freude der Gläubigen aus Berlin, die mit dem Bau ihrer Kirche zum zentralen Hauptturm gelangt sind. Sowohl in Mannheim, wie auch in Berlin brauchte es einen substanziellen Kredit der Bank (340.000 bzw. 200.000 Euro), um die bisherigen Arbeiten verwirklichen zu können. In München steht nun nach der Grundsteinlegung zu unserer neuen Kirche und zum neuen Kloster durch Seine Seligkeit Vater Patriarch Daniel die vollständige Bezahlung des Grundes an sowie der tatsächliche Baubeginn. Ich lege Ihnen allen wirklich ans Herz, zur Verwirklichung dieser beiden heiligen Stätten nach ihren Möglichkeiten zu helfen, in denen bei jeder Göttlichen Liturgie Gott gelobt wird und Fürbittgebete für die Stifter an Gott gerichtet werden. Wir alle können mit unserer eigenen kleinen Gabe Stifter sein!

Ich bete zum Grundgütigen Gott, „von Dem alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt“ (Jakobus 1,17), dass er Sie alle segne, dass Er Ihnen ein gutes Herz, Gesundheit, Liebe und Verständnis in der Familie schenke, Liebe und Harmonie in den Pfarrgemeinden, zu denen Sie jeweils gehören, dass Er Sie erlöse vor den sichtbaren und unsichtbaren Feinden und Sie sättige mit allem, was von Nutzen ist, damit auch Sie anderen helfen können.

Gesegnete Feiertageund

Auf viele Jahre!

 Euer allezeit Euch Gutes wünschender und zu dem im in der Höhle von Bethlehem geborenen Herrn betender 

Serafim

Erzbischof und Metropolit

 

 (Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth, Bayern)

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