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Pastoralbriefe

„Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt Mir zu essen gegeben...“ - Ostern 2012

 „Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt Mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt Mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und Ihr habt Mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt Mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt Mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu Mir gekommen.“ (Matthäus 25, 35-36)  

Wohlehrwürdige Väter und geliebte Gläubige,

Christus ist auferstanden!

Wir freuen uns heute mit unaussprechlicher Freude über den größten Feiertag der Christenheit: die Auferstehung unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus. Auch wenn in diesem Jahr nicht alle Christen gemeinsam Ostern feiern, was wir vor allem im Blick auf konfessionell gemischte Ehen mit Bedauern sehen, so ist der Glaube an die Auferstehung doch derselbe. Alle Christen glauben und bekennen, dass der Erlöser Jesus Christus seinen ungerechten Tod am dritten Tag in der Auferstehung überwunden hat. Denn es war nicht möglich, dass der einzige sündlose Mensch vom Tod verschlungen wird. Der Tod hatte keine Macht über unseren Herrn, der den Tod gerade dadurch überwunden hat, dass Er ihn freiwillig auf sich genommen hat. Daher singen wir von Ostern bis Christi Himmelfahrt fortwährend den kirchlichen Hymnus „Christus ist von den Toten auferstanden, Er  hat den Tod mit dem Tod besiegt und denen in den Gräbern das Leben geschenkt“.

Wir wissen, dass der Tod die Konsequenz der Sünde oder „der Sünde Sold“ ist, wie es der Apostel Paulus nennt (Römer 6, 23). Gott hat nicht den Tod, sondern das Leben erschaffen. Der Tod ist in die Welt gekommen als Folge der Sünde, des Übertretens des Gebotes Gottes durch die ersten Menschen Adam und Eva, die deshalb von unsterblichen zu sterblichen Menschen geworden sind. Und der Tod ist der ersten Menschen wurde allen Nachkommen vererbt (Römer 5, 12-21). Doch der Tod wurde besiegt in der Auferstehung des Herrn. Und der Sieg Christi über den Tod ist auch der Sieg jener, die wahrhaft an Ihn glauben. Schon in unserer Taufe sind wir durch das Untertauchen in das geweihte Taufwasser auf verborgene (mystische) Weise mit Christus gestorben und mit Ihm wieder auferstanden (vgl. Römer 6, 3-13). Leben und Tod sind mystische Wirklichkeiten, die ihren Ursprung in unserer Seele haben. Wenn wir Christus durch Glauben und  Gebet in unserer Seele, also in unserem Herzen haben, dann bedeutet dies, dass wir das Leben haben, dass wir wirklich leben und der Tod über uns keine Macht mehr hat; wenn wir aber Christus vergessen und uns nur mit den Dingen dieser Welt beschäftigen, dann sind wir in der Seele bereits tot und werden bei unserem leiblichen Tod definitiv von Gott getrennt. In der Apokalypse des Johannes sagt der Erlöser über den, der an der Spitze der Gemeinde von Sardes stand: „Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.“ (Offenbarung des Johannes 3, 1-2) Wir können also durchaus nur leiblich leben und uns mit einem strikt biologischen Leben zufriedengeben wie Lebewesen ohne Verstand und dadurch seelisch tot oder fast tot sein. Der Psalmist David klagt über solche Menschen mit den Worten: „Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muss davon wie das Vieh.“ (Psalm 49, 21/rum. Zählung: Psalm 48, 21). Aber nur gläubige Menschen leben wirklich. Sie leben ihr Leben zur Fülle, weil sie Christus in ihrem Herzen haben; und der physische Tod bzw. die Trennung des Leibes der Seele vom Leib wird für sie zu Ostern, d.h. zum Übertritt in das ewige Leben, zum Eingehen in das Reich Gottes. Das rumänische Wort „Paşti“ (Ostern) bedeutet gerade „Übergang“, und zwar den Übergang vom Tod zum Leben.

Die Auferstehung des Herrn ist die nie versiegende Quelle des Lebens, des Lichtes und der Kraft für jeden, der an Ihn glaubt und sich unablässig bemüht, sein irdisches Leben dem Leben Christi anzugleichen. Denn christliches Leben bedeutet Nachfolge Christi, eine Nachahmung Seines Lebens durch Sanftmut und Demut wie auch durch das Tun Guter Werke. Christus spricht: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11, 29-30). Der Herr und Erlöser warnt uns, dass „nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen werden, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel“ (Matthäus 7, 21). Und der Wille des Vaters dessen, der vom Himmel gekommen ist, ist, dass wir gut sein sollen wie Er selbst, dass wir also unsere Nächsten und sogar unsere Feinde lieben sollen, dass wir großzügig sein sollen gegenüber Leidenden, Bedürftigen und Kranken „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukas 6,36) Aber auch wenn wir alle genau wissen, dass wir zu unseren Nächsten und vor allem innerhalb unserer Familie gut sein sollen, dass wir also vergebungsbereit und geduldig sein sollen, wenn uns jemand ärgert, und dass wir jederzeit bereit sein sollen, allen Menschen zu helfen, ohne jemals jemand zu verurteilen, so fällt es uns in der Wirklichkeit doch immer wieder schwer, das zu tun. Warum? Weil wir uns daran gewöhnt haben, eine sehr hohe Meinung von uns selbst zu haben und jene gering zu schätzen, die nicht so denken wie wir; wir haben uns daran gewöhnt, nur unsere eigenen Interessen zu verfolgen, selbst zum Schaden der Nächsten; wir haben uns daran gewöhnt, Böses mit Bösem zu vergelten, zu glauben, dass nur wir Recht haben, und auch zu  glauben, dass wir nicht allein sind, wenn wir sündigen, denn es sündigen ja schließlich alle… Dies und alle anderen Selbsteingebungen dieser Art trüben unser Gewissen und vermitteln uns den Eindruck, dass wir besser sind als andere. Wenn wir auf  solche Haltungen beharren, dann bleiben wir Gott fern und haben keine Chance, unser Leben zu ändern. Die Änderung unseres Lebens bzw. unsere Umkehr zu Gott beginnt genau mit der Änderung unserer Mentalität, also der Art und Weise, wie wir über uns selbst denken und uns selbst nach dem Gebot und Willen Gottes beurteilen. Wer das Gesetz übertritt, hat die Konsequenzen des Gesetzes zu tragen. Dasselbe gilt für uns Christen: wenn wir nach dem Willen Gottes leben wollen, dann dürfen wir uns nicht selbst nach unserem eigenen Gutdünken oder unserer eigenen Art zu denken beurteilen, sondern nach dem Gebot Gottes. Und das Gebot Gottes ist das Gebot der Liebe, der bedingungslosen Vergebung, des Lebens in Frieden und Verständnis mit allen Menschen, des Tuns des Guten, auch an unseren Feinden. „Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch verfolgen.“ (Matthäus 5, 44)

Meine geliebten geistlichen Kinder,

der Heilige Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche ruft alle rumänischen orthodoxen Gläubigen allerorts auf, sich in diesem Jahr besonders der Bedeutung des Sakraments der Heiligen Krankensalbung und der Pflicht zu vergewissern, Kranken und Bedürftigen zu helfen. Gewiss sind das Sakrament der Heiligen Krankensalbung, das in frühester Zeit von der Kirche zur Salbung und Segnung Kranker eingesetzt wurde (vgl. Jakobus 5, 14), und die Pflicht, sich um Leidende und Bedürftige zu kümmern, keine Neuheiten, die den Gläubigen der Kirche unbekannt wären. Sie gehören zu unseren Pflichten als Christen. Denn wir können uns nicht Christen nennen, wenn wir gleichgültig sind gegenüber seelisch oder körperlich Kranken, wenn wir teilnahmslos sind gegenüber denen, die unter Armut oder Einsamkeit leiden, wenn wir nicht für sie beten und mit ihnen beten und nicht alles tun, um ihr Leiden zu lindern. Wenn die Kirche uns nun dazu aufruft, noch mehr an alle Kranken, Leidenden und Bedürftigen zu denken, dann tut sie dies einerseits, weil sich in der Welt die Krankheiten und Leiden in ihrem Ausmaß ständig verschlimmern und es fast niemand mehr gibt, der nicht auf die eine oder andere Weise leidet; andererseits will die Kirche uns alle für den Schmerz unserer Nächsten sensibilisieren, die unsere Hilfe brauchen. Leider gehen auch wir Gläubigen oft genug gleichgültig wie der Priester und der Levit aus dem Gleichnis Jesu (Lukas-Evangelium 10, 31-32) an den Kranken oder jenen vorbei, die sich in Schwierigkeiten befinden, ohne eine Hand zur Hilfe auszustrecken. Dabei müssen wir wissen, dass in jedem Kranken, in jedem Hungernden und Dürstenden, in jedem Menschen in Bedrängung, in jedem Verlassenen und Fremden Christus Selbst leidet. Der Erlöser Christus identifiziert sich mit allen Menschen, vor allem mit denen, die leiden. Beim Jüngsten Gericht wird Er uns nach den Werken der Barmherzigkeit urteilen, die wir zur Erleichterung und zum Wohle unserer Nächster getan haben, die bedürftig sind: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.“  Denen aber, die all dies nicht getan haben, wird der Erlöser sagen: „Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln…“ (Matthäus 25, 34–46). Ein angstmachendes Urteil, vor dem Gott der Herr uns alle behüten möge! Vergessen wir nicht: Gott ist keine Idee oder ein vages Gefühl, auch nicht nur eine übernatürliche Kraft, wie sich viele Menschen das vorstellen, sondern Gott ist eine Dreifaltigkeit von Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist, der im Herzen des Menschen wohnt. Wenn wir durch Gebet und Demut in die Tiefen unserer Existenz hinabsteigen, also in unser Herz, in dem sich die ganze Schöpfung konzentriert, dann werden wir Gott als unendliche Liebe zu jedem Menschen und jedem seiner Geschöpfe entdecken. „Wer einmal so daliegt, steht nicht mehr auf.“ (Psalm 41, 9) Die Tiefe der Liebe Gottes aus unserem Herzen ruft uns dazu auf, gute, gütige, barmherzige, großzügige, vergebungsbereite und gegenüber menschlichem Versagen verständnisvolle Menschen zu sein, vor allem gegenüber Menschen, die von verschiedenen Leidenschaften und Lastern beherrscht werden, die als geistliche Krankheiten noch schwerwiegender sind als körperliche Krankheiten. In der Wirklichkeit sind es nur sehr wenige Menschen, die ein geistliches Urteilsvermögen haben, die also alle Dinge im Licht des Glaubens bedenken und beurteilen. Mit denen, die Gefallen finden am Unglauben und Lastern und nur materielle Interessen und leibliche Vergnügungen verfolgen, müssen wir viel Verständnis und Geduld haben, um sie gerade durch unsere Geduld und Güte zurückzugewinnen. Dasselbe geschieht auch häufig so in unseren Familien, wenn der eine gläubig und der andere weniger gläubig oder sogar ungläubig und von Lastern beherrscht ist. Gewiss muss der Gläubige zuerst Verständnis und Liebe zeigen, auch wenn ihm nicht im Maße seiner Liebe geantwortet wird.

„Gott ist die Liebe“, sagt der Apostel der Liebe, der heilige Evangelist Johannes (1. Johannes 4, 8). Der nach Gottes Bild und Ebenbild geschaffene Mensch ist ebenfalls Liebe, das Organ der Liebe aber ist das Herz. Indem Gott im Herzen des Menschen wohnt, ist Gott ein Gott des Herzens. Daher lehren uns die Heiligen, mit dem Herzen zu denken, mit dem Herzen zu sprechen und mit dem Herzen zu wirken. Wenn wir dies tun, dann werden wir gut und gütig sein wie Gott!

Wohlehrwürdige Väter und geliebte Gläubige,

als Euer aller geistlicher Vater lege ich euch ans Herz, auf den Ruf der Heiligen Synode zu hören und die Kraft des Sakraments der Heiligen Krankensalbung wiederzuentdecken und im Glauben und Frömmigkeit so oft als möglich an der Feier dieses Sakraments teilzunehmen. Die Feier dieses Heiligen Sakraments ist eine der schönsten Gottesdienste der Kirche mit vielen biblischen Lesungen und Gebeten zum Sündenerlass und zur Vergebung der Sünden, aufgrund derer wir alle leiden. Das heilige Sakrament der Krankensalbung kann jederzeit vollzogen werden, vor allem aber an Fastentagen. Üblicherweise wird diese von mehreren Priestern gefeiert, doch im Notfall kann sie auch von einem einzigen Priester vollzogen werden. Es ist gut, dass wir uns auf den Empfang dieses heiligen Sakraments durch Fasten und das Bekennen unserer Sünden bei unserem Seelsorger vorbereiten. Unser Gebet wird in dem Maße von Gott gut angenommen, indem wir es von ganzem Herzen, mit viel Demut und Bedauern über unsere Sünden verrichten. Gleichzeitig erwartet Gott von uns, dass wir nicht nur an uns selbst, unser Leiden und unsere Bedürfnisse denken, sondern dass wir an unsere Nächsten denken, die von Krankheiten oder materiellen Bedürfnissen geprüft werden, und dass wir diesen im Namen des Erlösers Christus so konkret als möglich helfen, Der gesagt hat: „Wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, …, wahrlich ich sage euch: es wird ihm nicht unbelohnt bleiben.“ (Matthäus 10, 42) Umso mehr werden wir belohnt, wenn wir uns darum bemühen, die Kranken aufzusuchen und mit ihnen zu leiden, Fremde aufzunehmen oder Armen zu helfen.

In der Hoffnung, dass Ihr Euch all diese geistlichen Weisungen zu Herzen nehmt, umarme ich Euch väterlich mit dem österlichen Gruß: „Christus ist auferstanden!“ und dem Wunsch „Gesegnete Feiertage!“ Ich bete zu unserem Erlöser Christus, dem Überwinder des Todes und Lebensspender, Euch alle zu segnen: Kinder und Eltern, Junge und Alte, dass Er Euren Glauben stärke und Eure Liebe zur Kirche, dass Er Euch Frieden und Gesundheit schenke und Euch alles gebe, was Ihr zum Leben braucht.   

Euer Euch alles Gutes wünschender und von Herzen zum auferstandenen Herrn betender

† Serafim

Metropolit und Erzbischof

 

Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth

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