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Pastoralbriefe

Jesus Christus - unsere Freiheit - Weihnachten 2012

 „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer die Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.“

(Johannes 8,34)

Hochwürdige Väter und geliebte Gläubige,

Wir danken Gott dem Herrn, dass Er uns auch in diesem Jahr das große Hochfest der Geburt des Herrn feiern lässt. Die Hymnen und Gesänge des Orthros (Matutin) haben uns schon in die Atmosphere der Weihnachten eingefürt, seitdem beim Feiertag der „Einführung unserer allheiligen Gebieterin, der Gottesgebärerin und Immerwährenden Jungfrau Maria, in den Tempel“ (21. November) die „Katabasis-Hymnen zu Weihnachten“ immer noch gesungen werden: „Christus wird geboren, ehrt Ihn/Christus aus den Himmeln, empfangt Ihn/Christus auf Erden, erhebt Euch/Alle Welt singe dem Herrn!...“ Ebenfalls seit dem Fest „Einführung unserer Gottesgebärerin in den Tempel“ werden auch Weihnachtslieder gesungen,  die unsere Seele erheben und unser Herz für die Liebe zu Gott erwärmen, Der Sich erniedrigt hat  und vor zweitausend Jahren in der Höhle von Bethlehem leiblich geboren wurde, geistlich aber fortwährend in den reinen Herzen derer geboren wird, die Ihn mit Glauben und Demut empfangen. Weihnachten ist das Fest der Reinheit und der Unschuld, derer sich nur diejenigen wirklich und wahrhaft erfreuen können, die einfachen und reinen Herzens sind. Dies sind in erster Linie die Kinder. Die Kinder freuen sich viel mehr als wir Erwachsene über das Christuskind, von dem ihnen die Mutter erzählt und das sie in der Höhle von Bethlehem oder in der Weihnachtskrippe schlafen sehen. In seinem Gedicht „În seara de Crăciun“  (dt. „Am Weihnachtsabend“) beschreibt George Coşbuc die Atmosphäre von früher, als die Mutter den Kindern vom in der Krippe geborenen Christuskind erzählte: „Draußen schneit es vor sich hin,/und im Haus, da brennt das Feuer,/wir stehen neben Mutter hier/haben unser Spiel vergessen./Es ist Nacht, das Bett gemacht;/Doch wer will wirklich schlafen,/wenn Mutter zu uns von Christus redet?/Mit leiser, süßer Stimme;/Davon wie Christus ward geboren in der Kälte,/im armen Stall,/Wie die Ochsen ihn anhauchten,/Ihn zu wärmen“. Leider hat sich diese Atmosphäre des Glaubens der christlichen Familie von früher zu weiten Teilen verloren. Heute gibt es nur noch wenige christliche Familien, die ihre Kinder im Geist des christlichen Glaubens, in der Atmosphäre des Gebets und der Harmonie erziehen. Und dies zum großen Leid und Nachteil der Eltern wie der Kinder selbst, die der größten Hilfe im Leben entbehren, und zwar des Glaubens und des Gebets. Alle Eltern sorgen sich um den Erfolg ihrer Kinder im Leben und tun alles zu deren materiellen Wohlergehen; wenige sind es jedoch, die verstehen, dass der größte Reichtum ihrer Kinder im Leben der Glaube ist. Das Leben eines Kindes wie auch das Leben jedes Menschen ist so viel wert, wie es von Glauben geprägt ist: Wer einen starken Glauben hat, weil er von klein auf im Glauben gewachsen ist, der hat alles, der kann sich des Lebens freuen, der kann mit Mut jede Versuchung und jedes Problem meistern. Im Gegenteil wer keinen oder nur einen schwachen und mehr theoretischen als praktischen Glauben hat, der kann sich des Lebens nicht wirklich erfreuen, der wird immer unzufrieden sein und keine Erfüllung im Leben finden.

Geliebte geistliche Kinder,

das Jahr 2013 wurde vom Heiligen Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche zum „Gedenkjahr der heiligen Kaiser Constantin und Elena“ erklärt: die Orthodoxe Kirche verehrt beide wie Apostel des Herrn für ihren besonderen Beitrag zur Ausbreitung des Christentums durch das Edikt von Mailand aus dem Jahr 313. Durch dieses kaiserliche Edikt erhielten alle Christen, die bisher vom Römischen Staat verfolgt waren, das Recht, ihren Glauben frei zu leben und zu praktizieren; sie verließen die Katakomben, sie haben eigene Kirchen erbaut und ein umfangreiches missionarisches Wirken entfaltet, mit dem sie ganze Völker von Heiden bekehrt haben. Bald nach ihrer Zeit wird unter Kaiser Theodosius dem Großen das Christentum zur offiziellen Religion des Römischen Reiches, das praktisch die gesamte damals bekannte Welt umfasste. Die heilige Kaiserin Elena hat gemeinsam mit ihrem Sohn Kaiser Konstantin selbst viele Kirchen errichtet, darunter sind die berühmtesten die Auferstehungskirche in Jerusalem und die Geburtskirche in Bethlehem, die bis heute bestehen. Kaiserin Elena war es auch, die angeordnet hat, an dem Ort Grabungen durchzuführen, an dem der Herr gekreuzigt wurde, um Holz des Heiligen Kreuzes zu finden. Dies wurde tatsächlich gefunden und in der Auferstehungskirche zur Anbetung aufgerichtet.

Auch wenn die Christen bis zur Zeit Konstantins des Großen äußerlicher Freiheit beraubt waren und um Christi willen verfolgt wurden, erfreuten sie sich trotzdem innerer Freiheit. In der Zeit der Verfolgungen wussten die Christen, die sich taufen ließen, dass sie dafür jederzeit zum Tode verurteilt werden konnten. Und trotzdem verlangten viele nach der Taufe mit dem Tod vor Augen. Der Glaube der frühen Christen war wirklich groß und stark, denn sie waren bereit, für ihren Glauben zu sterben. Sie lebten ihren Glauben intensiv und waren der Kirche mit Herz und Seele verbunden, sie empfingen in jeder Göttlichen Liturgie den Leib und Blut Christi, keiner konnte sich überhaupt vorstellen, dabei zu fehlen. Und mehr noch: sie lebten in der Liebe. „Seht diese an, wie sehr sie sich lieben, lasst auch uns Christen werden“, sagten die Heiden über sie, wie Tertullian berichtet, ein großer kirchlicher Schriftsteller des dritten Jahrhunderts.

Mit der vom heiligen Konstantin geschenkten Freiheit änderte sich alles auf eine radikale Weise. Der Empfang der Taufe bedeutete keine Lebensgefahr mehr. Im Gegenteil: durch die Taufe sicherte man sich eine höhere soziale Position, denn das Christentum war die offizielle Religion des Staates. So kam es, dass die Heiden sich massenweise zum Christentum bekehrten ohne die für die Taufe notwendige tiefe Vorbereitung, wie dies vorher der Fall war, als die Katechumenen bis zu drei Jahre Vorbereitungszeit auf die Taufe hatten. Die Menschen wurden zwar Christen, aber ohne innere Überzeugung, sondern mehr der Form nach. So wird das christliche Leben schwächer und schwächer und es sind immer mehr Christen, die dies nur dem Namen nach sind, nicht aber dem Leben und den Werken nach. Die Dekadenz des christlichen Lebens wird freilich auch eine positive Reaktion hervorrufen, und zwar das Aufblühen des Mönchtums. Viele mit dem kirchlichen Leben in den Pfarreien in Städten und Gemeinden unzufriedene Christen werden den Weg in den Rückzug aus der Welt antreten und Mönche werden. Es ist bekannt, dass sich allein im Umfeld des heiligen Antonius des Großen († 356) in Ägypten rund 20.000 Mönche versammelt haben. Das Mönchtum wurde so zu einer großen geistlichen Kraft für die Kirche. Mönche sind Christen, die das Maximum an Evangelium leben wollen ohne jeden Kompromiss, die also in allem nach dem Willen Gottes des Herrn leben wollen. Sie ziehen sich nicht aus der Welt zurück, weil sie die Welt hassen, sondern um den Menschen durch ihr unablässiges Gebet zu helfen. Als Menschen, die sich gänzlich dem Gebet verschrieben haben, sind es die Mönche, denen wir alle Gottesdienste und Gebete zu verdanken haben, die wir bis heute in unserer Kirche haben. Die Gläubigen sind zu allen Zeiten zu den Klöstern gepilgert, um jenen besonderen Menschen zu begegnen, die für sie beten und ihnen geistlichen Rat für alle Prüfungen und Versuchungen des Lebens geben.

Geliebte geistliche Kinder,

wenn wir kurz das christliche Leben nach dem Freiheitsedikt des heiligen Konstantin aus dem Jahr 313 von Mailand beschrieben haben, dann bemerken wir rasch, dass einige Züge davon sich auch heute in unseren Tagen wieder antreffen lassen. Heute werden die meisten Kinder nur aus Tradition zur Taufe gebracht, ohne dass die Eltern und Paten sich später darum bemühen, dass diese auch im christlichen Glauben heranwachsen, in erster Linie durch das Vorbild ihres eigenen Lebens. Und dies deshalb, weil die meisten Eltern selbst in ihrem christlichen Glauben nicht mehr verwurzelt sind und ihren Glauben wirklich leben: sie beten zu Hause nicht, sie fasten nicht, sie kommen nicht regelmäßig zum Gottesdienst, sie beichten nicht und empfangen nicht die Heiligen Sakramente. Und die Kinder als Abbilder ihrer Eltern imitieren alles, was ihnen die Eltern vorleben. Daher säkularisiert sich auch die Gesellschaft, in der wir leben, zusehends und entfernt sich immer mehr von Gott. Und dies zu unser aller Unglück. Denn wir können nicht glücklich sein ohne Gott und können keine Erfüllung im Leben finden ohne Gott. Wenn die frühen Christen wie auch später in der Zeit der kommunistischen Diktaturen der Freiheit, ihren Glauben offen zu leben, beraubt waren, so erleben wir heute, obwohl wir so frei sind, eine viel subtilere, aber umso schlimmere Verfolgung, und zwar die der falsch verstandenen und gelebten Freiheit, einer Freiheit, die uns sehr leicht in Sklaven oder Diener der Sünde verwandelt. „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer die Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.“ (Johannes 8.34) Es ist durchaus wahr, dass die leiblichen Sünden wie  etwa übermäßiges Essen und Trinken oder auch körperliche Unzucht in ihren verschiedenen Formen dem Menschen am Anfang immer ein süßes Leben suggerieren, das freilich nie lange andauert. Schnell verwandelt sich die Süßigkeit der Sünde in Leiden. Und dieses Leiden dauert an und es nagt an uns,  bis wir unser Gewissen reinigen durch die Beichte. So geht die Sünde immer einher mit Leid. Dies deshalb, weil jede Sünde unserem Wesen widerspricht, sie zerstört unser ganzes Wesen allmählich, das nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Sicher besteht die Sünde seit der Erschaffung der Welt, sie ist eine allgemeine schmerzhafte Wirklichkeit. Genau deshalb ist Gott in Christus Mensch geworden, um die Welt von der Sünde zu erlösen und den Menschen die wahre Freiheit zu geben, die nur in und mit Jesus Christus gibt, dem Erlöser der Welt. Doch wenn die Menschen immer ein Bewusstsein von der Sünde hatten und zu Gott um Vergebung gebetet haben, so scheint es, dass heute die meisten Menschen überhaupt kein Bewusstsein von Sünde mehr haben. Weil unsere Gesellschaft, in der wir leben, die Erinnerung an Gott gänzlich gelöscht hat und die armen Menschen überhaupt keine moralische Referenz mehr haben; sie sind moralisch völlig desorientiert. Und weil sie in der Sünde leben, manchmal gerade auch, ohne sich Rechenschaft darüber zu geben, wie  schwer sie sündigen, leiden sie so sehr. Nur die sich an die Kirche halten, können überhaupt noch gerettet werden. Denn die Kirche nimmt uns auf mit allen Wunden aus unseren Sünden und mit allen Leiden, die wir haben; und sie heilt diese, wenn wir auf den Rat des Geistlichen hören und uns darum bemühen, unser Leben zu ändern. In der Kirche fühlen wir uns am wohlsten, fühlen wir uns behütet und bewahrt, weil die Kirche das Haus Gottes ist, Der uns alle ohne Maß liebt, so viel wir auch sündigen. Denn „Gott der Herr hat kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe.“ (Hesekiel 33,11) Gott hat niemanden zu verlieren; Er bestraft niemanden, sondern Er wartet auf uns, dass wir umkehren von unseren Irrwegen, damit Er uns Erleichterung und Trost schenken kann. „Kommt her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken“ (Matthäus 28,11), sagt der Herr. Unser Leid kommt nicht von Gott, sondern ist – wie ich gesagt habe – ganz wesentlich eine Konsequenz aus unseren Sünden. Doch Gott lässt das Leiden zu, damit wir durch das Leiden zu Ihm zurückkehren und erlöst werden.

Geliebte Gläubige,

Wie Sie alle wissen, hat Anfang dieses Jahres 2012 die Heilige Synode unserer Kirche uns alle, Priester wie Gläubige gleichermaßen, aufgerufen, die Bedeutung des Sakraments der Heiligen Krankensalbung zur Überwindung unserer seelischen und leiblichen Krankheiten wiederzuentdecken und uns gleichzeitig um unsere kranken oder bedürftigen Nächsten zu kümmern. In unseren meisten Pfarrgemeinden wird mindestens einmal pro Monat das Sakrament der heiligen Krankensalbung gefeiert. Überall werden unsere Gläubigen von den hochwürdigen Priestern angeleitet, aufmerksam zu werden für die Bedürfnisse ihrer Nächsten hier und vor allem im Heimatland: der Verwandten, Freunden und Bekannten. In allen Pfarreien werden häufig Geld- und Hilfsgütersammlungen durchgeführt für die Heimat. Dort herrschen große Armut und viel Elend. Wir wissen alle, wie sich viele Menschen selbst über ein kleines Geschenk freuen. Und deren Freude wird uns selbst Gott verschenkt. Der Erlöser hat gesagt: „Geben ist seliger als nehmen“ (Apostelgeschichte 20,35). Wahrhaftig erleben wir größte Freude, wenn wir Menschen aus tiefstem Herzen gerne helfen. Wir sollen nicht glauben, dass wir ärmer werden, wenn wir geben und helfen. Umgekehrt gilt:  „wer gibt, der empfängt“; wir verarmen nicht, sondern wir werden reicher, denn Gott belohnt uns in einem Ausmaß, wie wir es uns nicht vorstellen können. Ein weises Wort besagt: „Wer Armen etwas gibt,  leiht Gott selbst etwas“, Gott aber bleibt niemand etwas schuldig.

Wir wollen am Schluss eines Jahres auch allen danken, die auf Anfragen und Bitten der hochwürdigen Priester zu verschiedenen Anlässen die Pfarreien unterstützt haben. Wir freuen uns besonders, dass unter höchsten Anstrengungen die Gläubigen in Mannheim den Bau ihrer Kirche vollendet haben und jene in Berlin bis zum Aufziehen des Daches der neuen Kirche gelangt sind. Die Gläubigen in Stuttgart haben die Freskenbemalung ihrer Kirche beendet und konnten am 6. Mai 2012 die Übertragung einer Göttlichen Liturgie im ZDF erleben.

Wir freuen uns, dass in vielen Pfarreien Anstrengungen zum Bau oder Kauf einer Kirche unternommen werden. Ein bevorzugtes Ziel für alle Pfarreien und vor allem für die Gemeinden in München ist nun die Bezahlung des Grundstücks, auf dem das Kloster und das sozial-kulturelle Zentrum von München gebaut werden sollen, wofür sich mit viel Liebe und Mühe Seine Exzellenz Sofian Braşoveanul einsetzt. Ich lege Ihnen allen ans Herz, dass jeder nach seinen Möglichkeiten zur Verwirklichung dieses heiligen Projekts beitragen möge.

In der Hoffnung, dass Sie sich alle diese von Herzen kommenden Gedanken zu Herzen nehmen mögen, segne ich Sie alle im Namen des Herrn Jesus, des in Bethlehem Geborenen, und wünsche Ihnen ein Gesegnetes Weihnachtsfest und ein Gnadenreiches Neues Jahr!

Euer allezeit innig zum Herrn betender und Euch alles Gute wünschender

† Serafim

Erzbischof und Metropolit

 

(Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth)

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