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Pastoralbriefe

Jesus Christus der Auferstandene - unsere Rettung durch die Kirche - Ostern 2013

Geliebte Gläubige,

Christus ist auferstanden!

Nachdem wir uns bemüht haben, uns in der Fastenzeit durch Enthaltsamkeit beim Essen und Trinken, durch Beichte und die Kommunion an Leib und Blut des Herrn Gott anzunähern, freuen wir uns heute über das Hochfest der Auferstehung unseres Erlösers Jesus Christus, den Tag, an dem „wir die Vernichtung des Todes, die Zerstörung der Hölle und den Beginn eines neuen Lebens, des ewigen Lebens, feiern“, wie wir in diesen Tagen bei der Utrenie singen. Das Hochfest der Aufsterstehung wird auch „Passa“ genannt, ein Wort, das aus dem Hebräischen kommt und „Passage“ oder „Übergang“ bedeutet. Dem göttlichen Heilsplan gemäß erlitt der Erlöser Jesus Christus den Tod am Kreuz und ist auferstanden just, als die Juden Passa feierten und an die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten, den wundersamen Zug des Volkes durch das Schilfmeer und die Ansiedlung auf dem Boden Kanaans bzw. im Gelobten Land erinnerten. Wir wissen freilich, dass alle Ereignisse im Alten Testament Heilsereignisse im Neuen Testament präfiguriert und vorausgedeutet haben. Das Neue Testament ist die Erfüllung des Alten Testaments, oder wie der heilige Augustinus (*354 – †430) sagte: „Das Neue Testament liegt im Alten verborgen, das Alte wird im Neuen offenbar.“ So präfigurierten das jüdische Passa das christliche Osterfest, also die Auferstehung des Herrn,  und kündigte dies an. Mose, der das Volk Israel aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeführt und befreit hat, präfiguriert den Erlöser Jesus Christus, der die ganze Welt aus der Knechtschaft der Sünde und des Todes befreit und erlöst hat. Diese Knechtschaft der Sünde und des Todes ist die wahre Knechtschaft des Menschen. Der Mangel an äußerer Freiheit kann die innere Freiheit nicht unbedingt unterdrücken. Die zu kommunistischer Zeit um ihres Glaubens willen Verfolgten und Eingekerkerten fühlten sich im Gefängnis freier als die Menschen draußen, weil sie durch ihren Glauben und im Gebet Gott in ihren Herzen hatten. Wer Gott in seinem Herzen hat, der ist frei, sogar wenn er sich nicht äußerlicher Freiheit erfreut. Die Sünde ist die einzige Wirklichkeit, die die innere Freiheit des Menschen wirklich unterdrückt: „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht“ (Johannes 8,34). Und „der Tod ist der Sünde Sold“ (Römer 6,23). Die Sünde legt unsere Seele in Ketten, pervertiert und degradiert sie und führt uns allmählich zum seelischen Tod und danach zum leiblichen Tod. Aus dieser Knechtschaft der Sünde und des Todes kann uns niemand befreien als Gott allein, wenn wir an den auferstandenen Herrn und Erlöser Jesus Christus glauben, den Überwinder des Todes und der Sünde.

Der Zug des Volkes Israel durch das Rote Meer und die Einwanderung im Gelobten Land symbolisierten auch die Auferstehung des Herrn. So wie der Herr das Volk Israel aus Ägypten befreit und sie auf wunderbare Weise im Roten Meer bewahrt und im Land Kanaan angesiedelt hat, ihnen also das Gelobte Land gegeben hat, das er Abraham verheißen hat, genau so hat der Erlöser Jesus Christus durch Seine Auferstehung die Welt vom Tod zum Leben gebracht, er hat sie dem Reich des Todes entrissen und ihnen die Pforten des Himmelreiches geöffnet. Auf der Ikone der Auferstehung sehen wir den Erlöser, wie Er die Pforten der Hölle mit den Füßen zertritt und mit Seiner allmächtigen Hand Adam und Eva und das ganze Menschengeschlecht aus dem Reich der Finsternis heraufzieht und sie in den Himmel setzt. Und der Sieg des Herrn über die Sünde und den Tod wird durch die Kirche allen Menschen bis zum Ende der Zeiten weitergegeben. Die Kirche ist der Himmel auf Erden, das „Labor der Auferstehung“, wie es unser großer Theologe Vater Dumitru Stăniloae (*1903 – †1993) gesagt hat. In der Kirche bekommt jeder von uns durch die heiligen Sakramente und die Gebete, die hier vom Priester und den Gläubigen verrichtet werden, die Gnade der Auferstehung geschenkt, wir werden dadurch immer lebendiger, authentischer und erfüllt von reicherem Leben, das vom Herrn kommt. In der Kirche und nur in der Kirche bekommen wir die Vergebung der Sünden durch das Sakrament der Beichte und nähren uns geistlich am Leib und Blut des Herrn, durch die wir Anteil am Leben Gottes Selbst bekommen. Genauso überwinden wir in der Kirche und mit der Hilfe der Kirche auch Krankheiten, Schmerzen und Leidenserfahrungen jeglicher Art, die eine Folge unserer Sünden sind. Ja mehr noch: durch die Kirche überwinden wir auch den Tod, den letzten Feind des Menschen. So verwandelt sich für den gläubigen Menschen, der mit Leib und Seele mit der Kirche verbunden ist, auch der Tod in Ostern, also in die Passage oder den Übergang zum ewigen Leben. Daher fürchtet sich der Gläubige nicht mehr vor dem Tod. Für den Gläubigen ist der Tod das Entschlafen im Herrn, der Übergang in das Reich des Lichts. Dies ist unsere größte Hoffnung als Christen, die wir mit Christus vereint sind, und zwar dass unser Leben nicht am Grab endet, sondern in der Ewigkeit weitergeht in Gemeinschaft mit Gott, der Gottesmutter, den Heiligen und all unseren Lieben, die im Glauben entschlafen sind. Nur die in der Sünde Gestorbenen werden keine Gemeinschaft mit Gott haben, weil sie auch auf Erden diese Gemeinschaft nicht gesucht haben. Diese werden ewige Qual erleiden, denn ein Leben ohne Gemeinschaft mit Gott ist eine Qual, auf Erden wie im Himmel.

Alles Irdische vergeht: die Schönheit, der Wohlstand, das Vergnügen, die Gesundheit, alle Dinge, nach denen wir Tag für Tag trachten ohne daran zu denken, dass das Leben auf Erden nur eine Vorbereitung ist für die Ewigkeit. Die ganze Welt wird eines Tages vergehen, wenn der Tag des  Herrn kommt. Deshalb ermahnt uns auch der Apostel Paulus: „Wir haben hier (auf Erden) keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir!“ (Hebräer 13,14) Was ewig bleiben wird, ist unsere unsterbliche Seele, die von unserer Bemühung im Gebet und um Enthaltsamkeit von sündhaften Vergnügungen und Leidenschaften und geschmückt von Guten Werken, die wir an unseren bedürftigen Nächsten tun, geformt wird. Im Buch der Apokalypse lesen wir: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Ja, spricht der Geist, sie sollen ruhen von ihrer Mühsal; denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ (14,13) Das bedeutet: nur die, die im Herrn leben, können auch im Herrn sterben und sich des ewigen Lebens erfreuen. Wer ohne Gott lebt, weil er nicht täglich betet, weil er den Tag des Herrn, also den Sonntag, nicht durch Teilnahme an der Göttlichen Liturgie ehrt, wer in Sünde, Zügellosigkeit, ohne kirchliche Trauung, in Streit und Hass lebt und nicht beichtet, um Vergebung von Gott zu erlangen, der wird nie Frieden in seinem Herzen haben und auch nach seinem Tod keine Ruhe finden. Daher sind wir gerufen, uns stets zu bemühen, nahe bei Gott zu leben, uns von Sünden fernzuhalten und Gottes Willen zu erfüllen, indem wir uns darum bemühen, gut zu sein wie Er, allen zu vergeben, die sich an uns versündigen, und in Frieden mit allen Menschen zu leben, beginnend mit unserer Familie.

Geliebte Gläubige,

wir leben in einer immer unruhigeren und für die Menschen immer unsichereren Welt, weil die Menschen Gott vergessen haben, weil sie nicht mehr beten, weil sie die Kirche nicht mehr aufsuchen, weil sie die heiligen Traditionen nicht mehr hochhalten, die sie von ihren Eltern und Vorfahren bekommen haben. Die meisten Eltern und ihre Kinder wissen nichts mehr über ihren Glauben, sie können nicht mehr beten, fasten und eine lebendige Beziehung mit Gott unterhalten. Und all das deshalb, weil wir nicht mehr in einer lebendigen Beziehung zur Kirche leben, wo wir in die Geheimnisse der Kirche eingeführt werden. Häufig reduziert sich der Glaube auf einige Bräuche, deren geistliche Bedeutung wir nicht mehr verstehen, oder sogar auf Magie. Wir suchen Gott nur, wenn wir Leidenserfahrungen machen oder unzufrieden sind, weil unsere Wünsche nicht sofort in Erfüllung gehen. Manche verurteilen Gott, weil er es zulässt, dass so viele Prüfungen über sie kommen, als wären sie die größten Sünder auf der Welt. Selten, sehr selten nur sind jene, die ihre Leidenserfahrungen und Prüfungen im Leben auf ihre eigenen Sünden zurückführen und wirklich zu Gott umkehren. Wir alle müssen uns dessen bewusst sein, dass wir wegen unserer eigenen Sünden leiden. Wir müssen uns darüber klar sein, dass jede Sünde Leid nach sich zieht. Wenn wir aufmerksamer auf uns selbst wären, könnten wir sofort die Verbindung zwischen der Sünde und dem Leid beobachten. Gott lässt es zu, dass wir leiden, gerade um uns vom Irrweg der Sünde abzubringen, damit wir uns über unsere eigene Sündhaftigkeit bewusst werden und zu Ihm umkehren, die Kirche suchen und uns in ihr Leben integrieren. Nur wenn wir die Kirche wiederentdecken und ihre Gottesdienste lieben lernen und sie nicht mehr missen wollen, sind wir wirklich gerettet.

Der Auferstandene Jesus Christus, Der sich uns in der Kirche mitteilt, ist unsere einzige Rettung und unsere einzige Hoffnung auf Erlösung. Zu Ihm sollen wir im Glauben in jedem Leid, in jeder Not und in jedem Schmerz rufen! Und Gott wird uns erhören. Denn Er hat uns durch den Mund des Psalmisten versprochen: „Er ruft Mich an, darum will Ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, Ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen Mein Heil“ (Psalm 91, 14-15)

Ich lege Euch an diesem hochgelobten Tag der Auferstehung diese Worte der christlichen Lehre ans Herz und segne Euch alle: Eltern und Kinder, Junge und Alte, und ich bete zum Erlöser Christus, dem vom Tode Auferstandenen, dass Er Euren Glauben stärke und Euch die Liebe zum Gebet und zum reinen Leben schenken möge, dass Er Euch Gesundheit schenken möge und alles, was Ihr für dieses Leben und die Erlösung Eurer Seelen braucht.

Christus ist auferstanden!, und

Ein Gnadenreiches Osterfest!

Euer Euch stets Gutes wünschender und zum Auferstandenen Herrn betender

† Serafim

Erzbischof und Metropolit

 

(Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth)

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