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Artikel von: kathpress.at

Wien, 29.05.2019 (KAP) Der Wiener rumänisch-orthodoxer Pfarrer und Theologe Ioan Moga blickt dem am Freitag beginnenden dreitägigen Besuch von Papst Franziskus in Rumänien sehr optimistisch entgegen. "Ich erwarte einen warmherzigen Empfang des Papstes durch die Menschen in Rumänien, unabhängig von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit", sagte Moga im Interview mit dem "Nachrichtendienst Östliche Kirchen". Es werde freilich auch auch am Papst selbst liegen, "ob er die Herzen der Menschen gewinnen kann - wie etwa Papst Johannes Paul II. vor 20 Jahren". 1999 hatte Johannes Paul II. als erster und bisher einziger Papst Rumänien besucht.

"Ohne Begegnung, ohne Kommunikation, ohne gegenseitiges Zuhören geraten auch Geschwister leicht auseinander", sagte Moga weiter. Deshalb sei der Besuch von Papst Franziskus in Rumänien "ein gutes Zeichen dafür, dass es keine Alternative zum Dialog gibt".

Rumänien blicke auf eine sehr lange Geschichte des friedlichen interkonfessionellen Zusammenlebens zurück. Die Rumänische Orthodoxe Kirche, zu der etwa 87 Prozent der Bevölkerung gehören, habe sich schon in den 1920er Jahren dem ökumenischen Dialog geöffnet, erinnerte Moga: "Natürlich gab es in diesem ökumenischen Prozess unterschiedliche Phasen, die auch vor dem geschichtlichen Hintergrund zu sehen sind." Die heutige Situation sei aber von stabilen ökumenischen Beziehungen gekennzeichnet. Ausdruck dessen sei auch, dass der Papst vom ganzen Heiligen Synod, dem Leitungsgremium der Rumänischen Orthodoxen Kirche, empfangen werden wird.

Wiener rumänisch-orthodoxer Pfarrer und Theologe Ioan Moga im Interview für "Nachrichtendienst Östliche Kirchen" zum bevorstehenden Papst-Besuch in Rumänien: "Mehrheit der orthodoxen Gläubigen und der rumänischen Gesellschaft ist jedoch ökumenisch aufgeschlossen"

Der orthodoxe Theologe räumte im Interview allerdings auch ein, dass der Begriff Ökumene in Rumänien seit etwa einem Jahrzehnt eine negative Konnotation erfahre, "vor allem in gewissen kirchlichen Kreisen". Hier zeige sich ein panorthodoxer Trend, der irgendwann auch Rumänien erreicht hat: "Ökumenismus wird mit Skepsis wahrgenommen, weil er mit der Gefahr der Entfremdung, dem Verlust der eigenen Identität verbunden wird", erläuterte Moga. Von einer genuin anti-ökumenischen Ausrichtung könne man jedoch nur mit Blick auf einige kleine Gruppierungen sprechen, die insbesondere nach dem Konzil auf Kreta (2016) lautstark wurden, so der Theologe: "Die Mehrheit der orthodoxen Gläubigen und der rumänischen Gesellschaft ist jedoch ökumenisch aufgeschlossen."

Ein weiteres wichtiges Spezifikum der heutigen rumänischen Gesellschaft sei, dass sie trotz ihrer starken Modernisierung nach der Wende sehr religiös ist. Diese starke Religiosität werde auch in soziologischen Umfragen immer wieder festgestellt.

Begegnung mit Orthodoxie

Papst Franziskus wird im Rahmen seiner Rumänienvisite am Freitagnachmittag (31. Mai) in Bukarest zu einem vorerst privaten Treffen von Patriarch Daniel (Ciobotea) im Patriarchenpalast empfangen. Im Anschluss kommt es zu einer Begegnung mit den Mitgliedern des Synods der rumänisch-orthodoxen Kirche. Diesem gehört u.a. auch der für Österreich zuständige rumänisch-orthodoxe Bischof Serafim (Jonta) an. Der Papst wird bei dieser Begegnung eine Rede halten, und auch der Patriarch wird das Wort ergreifen.

Höhepunkt der Begegnung mit der Orthodoxie ist schließlich im Anschluss der Besuch in der neuen orthodoxen Kathedrale in Bukarest. Katholiken und Orthodoxe werden gemeinsam das Vaterunser beten und es werden orthodoxe und katholische Osterhymnen erklingen. Franziskus wird zudem ein Grußwort sprechen.

Neutrale Position

Auf die aktuellen innerorthodoxen Spannungen rund um die Ukraine zwischen den Patriarchaten von Konstantinopel und Moskau angesprochen, sagte Moga, dass der Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche bisher eine neutrale Position eingenommen habe. Daran werde sich vermutlich in der nahen Zukunft nichts ändern. Man sei bemüht, sowohl mit dem Ökumenischen Patriarchat als auch mit dem Moskauer Patriarchat sehr gute Beziehungen aufrechtzuerhalten.

Es sei aber eine bekannte Tatsache, dass durch den Rückzug der Russischen Orthodoxen Kirche - u. a. aus den ökumenischen Dialogkommissionen - auch der orthodox-katholische Dialog auf offizieller Ebene leidet, räumte Moga ein: "Doch wer mit der Sache der Ökumene einigermaßen vertraut ist, weiß, dass es dafür viel Geduld braucht. Auch diese aktuelle Krise wird irgendwann überwunden sein und der Weg des Dialogs wird dann verstärkt weitergehen."

Er neige nicht zu einer "apokalyptischen Interpretation" des aktuellen innerorthodoxen Konflikts. Vielmehr meine er, "dass wir das Schlimmste schon hinter uns haben", so der Wiener Pfarrer: "Die pastorale Realität wird die Fehler der Kirchenpolitik überwinden und sogar heilen, vorausgesetzt die Politik mischt sich nicht mehr ein." Die sozialen Nöte der Menschen in der Ukraine - und in ganz Osteuropa - seien eine viel ernstere Herausforderung als jurisdiktionelle Konflikte. "Da muss die Kirche anpacken", so Moga.

Ioan Moga leitet die rumänisch-orthodoxe Pfarre St. Antonius in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus und ist Assistenzprofessor für "Orthodoxe Theologie" an der Universität Wien.

"Kathpress" veröffentlicht zum Papstbesuch in Rumänien einen Themenschwerpunkt, der unter www.kathpress.at/PapstinRumaenien abrufbar ist und laufend erweitert wird.