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Artikel in „Das Baugerüst” (1/2019) - Zeitschrift für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der evang. Jugendarbeit und außerschulischen Bildung.

Die heilige Liturgie in der Osternacht beginnt in der orthodoxen Kirche im dunkeln Kirchenraum mit dem Ruf des Priesters: „Kommt und nehmt das Licht!“. Am Hauptaltar brennt nämlich eine einzige Kerze als Zeichen der Anwesenheit des Erlösers in den Gaben von Brot und Wein. Die Dunkelheit in der Kirche symbolisiert das Grab Christi. Die Gläubigen sind in ihr versammelt und verharren im stillen Gebet und in hoffnungsvoller Erwartung. Sie haben Kerzen in ihren Händen und sind vorbereitet sie anzuzünden. In dieser dunklen Erwartung entzündet der Priester als erster seine Kerze an der Kerze vom Hauptaltar und ruf die Gläubigen auf, Christus als das Licht ihres Glaubens zu bekennen. Dann gibt er das Licht an die Gläubigen weiter. Die ganze Kirche wird hell. Die Kerzen erleuchten nun nicht nur den Kirchenraum, sie symbolisieren auch den Glauben der Christen an die Auferstehung, die Überwindung des Todes und der Dunkelheit der Welt durch himmlisches Licht. Jeder Gläubige wird mit Leib und Seele Lichtträger. Dieses Licht erleuchtet nicht nur den einzelnen Menschen, sondern die ganzen Schöpfung, denn alles Leben hat Anteil an der Erlösung und Befreiung in Christus. Die Auferstehung Jesu Christi ist ein kosmisches Ereignis und betrifft die ganze Schöpfung. Deshalb gehen die Gläubigen aus der Kirche und feiern den ersten Teil des Auferstehungsgottesdienstes außerhalb des Kirchenraumes unter freien Himmel. Während Glockenläuten geht man um die Kirche herum und singt: „Deine Auferstehung Christus, loben die Engel im Himmel und mache auch uns auf der Erde würdig Dich zu verehren!“. Dann liest der Priester vor den Kirchtüren das Evangelium von der Auferstehung und verkündet mit frohe Stimme das Wunder des Lebens und der Befreiung der Welt: „Christus ist auferstanden!“. Im Enthusiasmus des Glaubens bestätigen die Christen die Tatsache der Auferstehung mit dem Antwortruf: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“. Dieser dialogische Verkündigungsruf: „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“, wiederholt sich in der Liturgie immer wieder und wird zum ständigen Gruß im Alltag von Ostern bis zum Fest der Himmelfahrt des Herrn. Von einigen Heiligen wird berichtet, dass sie vom Licht der Auferstehung so geprägt waren, dass sie diesen Gruß das ganze Jahr über gebrauchten. Hl. Serafim von Sarov (+1833) beispielweise begrüßte alle, die ihn in der Wildnis besuchten um ihn zu sehen mit den Worten: „Meine Freude, Christus ist auferstanden!“. Auch die rumänischen Christen sangen während der vorweihnachtlichen Widerstandkampfes gegen die kommunistischen Diktatur die Gottesdienstrufe: „Christus ist auferstanden!“ und „Gott ist mit uns!“.

Die Botschaft der Auferstehung des Herrn verwirklicht sich immer neu

Das Christentum ist keine fiktive Ideologie, sondern gründet sich auf die Verkündigung geschichtlicher Ereignisse: Die Verkündigung der Menschwerdung, des Todes und der Auferstehung Jesu. Das Leben der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen, aber auch das persönliche Leben jedes Getauften gründet sich in der Wirklichkeit der Menschwerdung und der Auferstehung Christi und wird bestätigt durch die eigene Lebenserfahrung sowie jene ganzer Generationen. Jeder Mensch steht vor dem Auferstandenen wie Martha und Maria, Lazarus und andere gestanden sind. „Ich bin die Auferstehung und das Leben! Glaubst Du das?“ Diese Anfrage Jesu muss sich jeder Christgläubige früher oder später stellen. Weitere Fragen Jesu an jene, die ihn nachfolgen wollen, sind: Glaubst Du, dass ich für Dich Mensch geworden? dass mein solidarisches Leiden und Sterben dich aus der Hoffnungslosigkeit und Gottesferne befreien kann? dass alles in dieser Welt „eitel und ein Haschen nach Wind ist“ (Kohelet 1,14), wenn dein Leben sich nicht auf Glauben und Vertrauen, auf verzeihende Barmherzigkeit und Liebe gründet? Auf diese Fragen wird der um seinen Glauben ringende Mensch mit den Worten der Bibel antworten können: „Ich glaube, hilf, o Herr, meinem Unglauben!“ ( Mk. 9,24).

Im Gebet steht uns Gottes Geist in jeder Lebenssituation bei. Der Gebetsruf „Christus ist auferstanden!“ kann in der Not wie ein heilsamer Balsam wirken und an die Botschaft der Auferstehung erinnern, die Trost spendet. Die Liebe des lebendigen Gottes ist wie die Botschaft von der Auferstehung bezeugt, stärker als der Tod, stärker als der Hass der Menschen. Durch den Glauben an die Auferstehung geschehen wahre Wunder des Lebens. Glaubensmangel macht das Christentum alt, verdunkelt unsere Vernunft und verzerrt unseren Blick auf die Wirklichkeiten der Welt. Anstatt die Güter der Erde zu unserm Wohle zu benützen, werden wir oft zu ihren Sklaven. Fehlender Glaube verschließt den Menschen vor anderen, er kapselt sich in sich selbst ein und wird unempfindlich gegenüber der Not seiner Mitmenschen. Dort aber, wo der Mensch an die österliche Botschaft eines Lebens schaffenden Gottes glaubt, entsteht eine heilsame lebendige Gemeinschaft. Dort wo Menschen die Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu annehmen, wie es die Jünger Jesu uns in heiligen Schriften überliefert hat, wird Kirche wieder jung. Jeder Mensch, der an die Auferstehung glaubt wird in seiner Seele nicht altern sondern jung bleiben. Er ist immer getragen von der Kraft des Heiligen Geistes, die seine gesamte Menschlichkeit erfasst. Auch wenn er von Kümmer und Leid nicht verschont wird, lässt er sich nicht entmutigen. Im Gegenteil! „Not lehrt beten“, sagt das Sprichwort. Der gläubige Mensch wird je größer die Not und die Versuchung ist um so mehr beten und sich vertrauensvoll an Gott wenden. Denn in Jesus Christus ist der Tod und alle Not überwunden. Die Wirklichkeit der Auferstehung verleiht uns Kraft zu glauben, zu hoffen und zu lieben. Der Glaube öffnet Möglichkeiten dort wo man ohne Glauben vielleicht verzweifelt. Auf jeden Fall ermöglicht der Glaube menschliches Verzeihen und Vergeben. Denn Jesus Christus hat durch sein Leben, Sterben und seine Auferstehung uns mit Gott versöhnt, und uns Menschen ein Beispiel der Versöhnung untereinender gegeben.

Kreuz und Auferstehung als Grund der Versöhnung in der Welt

Als unser Erlöser Jesus Christus am Kreuz erhöht worden war, hat er mit den Worten „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23, 34) für die gebetet, die ihn gekreuzigt haben. In der Tat wussten jene nicht, dass sie sich bei der Kreuzigung Jesu Christi zu Feinden der Liebe machten, dass sie die Mensch gewordene Liebe gekreuzigt haben. Alle Weltreligionen verkündigen die Liebe zwischen den Menschen, doch keine geht so weit, wie das Christentum die Feindesliebe zu verkündigen: „Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit Ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel“ (Matthäus 5, 44-45). Die Liebe zu den Feinden wird so zum Unterscheidungsmerkmal des Christen. Unser Erlöser sagt: „Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?“ (Matthäus 5, 46) Nur Liebe und bedingungslose Vergebung geben uns innere Freiheit und Frieden des Herzens. Niemand kann Frieden in seiner Seele haben, wenn er jemand hasst, auch wenn es sein größter Feind ist. Das Gebot der Feindesliebe ist für viele von uns ein Stein des Anstoßes. Wenn wir uns nicht bemühen, auch die zu lieben, die uns hassen, beleidigen oder verfolgen und wenn wir nicht für sie beten, dann können wir alles sein, nur keine Christen! Der heilige Siluan vom Berg Athos (gest. 1938) sagt: „Wer seine Feinde nicht liebt, der kann sich nicht Christ nennen“. Doch wir sollen uns auch vor dem Irrtum hüten, alle Welt hasse und wolle uns Schlechtes. Oft geschieht, dass wir uns Feinde machen, so als ob wir sie nötig hätten, um das Böse in uns auf sie zu übertragen. Oft sind wir versucht, Schuld auf andere abzuwälzen, statt sie selbst auf uns zu nehmen. Ein wahrer Christ hat jedoch eine positive Lebenseinstellung in allen Lebenslagen. Gestärkt von Gebet, Fasten und dem Heiligen Abendmahl entwickelt er ein positives Denken in allem; er erlaubt sich keinen bösen Gedanken mehr, bleibt ruhig und gelassen bei jeder Herausforderung, er sieht alle Menschen als besser an, als er selbst ist und glaubt unablässig an den Sieg des Guten. So haben viele von denen überlebt, die lange Jahre in Gefängnissen und Lagern eingesessen sind, da sie so zur inneren Freiheit gekommen sind, die wertvoller ist, als alles andere.

Die Christen glauben an die Versöhnung zwischen den Menschen, weil sie an die Auferstehung des Gekreuzigten glauben. Sie glauben an die Vorherrschaft der Liebe über den Hass, auch wenn in dem Welt Gegenteiliges der Fall ist. Sie glauben an die Vorherrschaft des Lebens über den Tod, der alles menschliche Streben sinnlos erscheinen lässt. Die Christgläubigen vertrauen der Ermutigung Jesu, der den ängstlichen Jüngern zuruft: „Fürchtet euch nicht!“, und ihnen den Frieden Gottes schenkt. Der Glaube an der Auferstehung macht, wie der Auferstandene selbst, nicht halt von Mauern und verschlossenen Türen.

Die ständige Wiederholung des Gebetsrufes „Christus ist auferstanden!“ in der österlichen Liturgie der orthodoxen Kirche setzt sich fort als Grußwort im Alltagsleben. Dies macht den Glauben an die Auferstehung gleichsam allgegenwärtig. Er lässt die Menschen auf neues Leben hoffen und froh werden. Denn Christus ist wahrhaftig gekreuzigt und auferstanden!

 

Metropolit Serafim Joantă