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Wort gehalten von Metropolit Serafim zum Jubiläum: "500 Jahre Sebaldusgrab. Spuren des Stadtpatrons" - Graböffnung und ökumenisches Gottesdienst, 21. Juli 2019 im Sebalduskirche, Nürnberg.

Im Ritual der Eucharistie in der orthodoxen Tradition hebt der Priester vor der Kommunion am Heiligen Sakrament das Heilige Brot (den Leib des Herrn) vom Heiligen Diskos in die Höhe, macht damit das Kreuzzeichen und ruft: „Lasset uns aufmerken! Das Heilige den Heiligen!” Und das Volk Gottes antwortet: „Einer ist Heilig, Einer der Herr, Jesus Christus, zur Herrlichkeit Gottes, des Vaters. Amen.” So ist Einer Heilig, der Eine Herr Jesus Christus, gemeinsam mit dem Vater und dem Geist, die wesenseine und ungeteilte Dreifaltigkeit.

Wahre Heiligkeit kommt nur Gott zu. Er aber teilt diese Seinen Geschöpfen mit. Weil sie das Werk Gottes ist, trägt die gesamte Schöpfung das Siegel der Heiligkeit Gottes, der Harmonie und Schönheit. „Kosmos“ bedeutet in der griechischen Sprache gerade Harmonie und Schönheit. Die Schöpfung reflektiert so auf diese Weise die Majestät und Heiligkeit Gottes. Besonders der Mensch, der nach der Gottes Ebenbildlichkeit und dem Abbild Gottes geschaffen ist, spiegelt in sich die Majestät und Heiligkeit Gottes. Die Kirchenväter nennen den Menschen „ Gott der Gnade nach“, aber nicht dem Wesen nach! Die Gnade des Heiligen Geistes macht den Menschen zum Abbild Gottes!

Solange der Mensch in Gemeinschaft mit Gott geblieben ist und Ihn so gesehen hat wie Er ist (vgl. 1. Joh. 3, 2), hatte er Anteil an der Heiligkeit Gottes und Seinen Gnadengaben. Doch hier trat die Sünde ins Geschehen ein, sie verdunkelte den Geist des Menschen, damit dieser Gott nicht mehr so sehen kann, wie Er ist, und sich von Ihm entfernt. Weil wir von Gott entfremdet leben, machen wir Menschen aus Ihm häufig eine Karikatur. Und trotzdem hört Gott nicht auf, uns zu lieben, in die Hölle unseres Daseins einzutreten und uns zur Heiligkeit zu rufen. „Ihr sollt heilig sein, denn Ich bin heilig, der Herr, euer Gott“ (Levitikus 19, 2; vgl. Levitikus 11,44; Matthäus 5, 48; 1. Petrus 1,16). Und so wie „Gott die Liebe ist“, so verschmolzen ist die Heiligkeit mit der Liebe, die Heiligkeit ist der Ausdruck der Liebe. Der Heilige Isaak der Syrer (7. Jh.) sagt, dass Gott sich zum Bettler um unsere Liebe macht. Er erscheint immer wieder im Bilde des von der Sünde erniedrigten Menschen, der leidet, der von Sorgen und Not bedrückt ist und um unsere Liebe bittet. Und indem wir fortwährend unseren Nächsten unsere Liebe zuteilwerden lassen und uns mit ihnen vereinen und uns heiligen, werden wir zum Abbild Gottes, Der in Jesus Christus mit uns eins wird und unser Unvermögen und unsere Krankheiten auf Sich nimmt (vgl. Matthäus 8, 17).

Der Mensch ist die Krone der Schöpfung; in seinem Herzen rekapituliert sich die ganze Schöpfung, der ganze Kosmos. Die Väter der Kirche nennen den Menschen auch einen „Mikrokosmos“, oder öfter noch „Makrokosmos“. Weil dem so ist, heiligt oder erniedrigt sich der Kosmos zusammen mit dem Menschen (vgl. Römer 8, 20-22). Der heilige Mensch erfährt in seinem Herzen die Einheit der ganzen Menschheit und der ganzen Schöpfung. Er empfindet Erbarmen und Mitleid für alle Menschen, für Tiere und Pflanzen, für Mineralien und alles, was existiert. Für den heiligen Menschen ist alles heilig, alles trägt für ihn das Siegel der Heiligkeit Gottes. Der heilige Mensch sieht Gott in allem, jenseits aller Erniedrigung, zu der der Mensch und die Schöpfung geraten können. Eine patristische Sentenz besagt: „Ehre jeden Menschen nach Gott wie Gott.“ Habe Mitleid mit Menschen, habe Mitleid mit Tieren, respektiere die Natur wie dich selbst, denn alles lebt in dir!

Besonders das Gebet, das mit einem mit dem Herzen vereinten Geist verrichtet wird, also mit im Herzen konzentrierter Aufmerksamkeit, führt dazu, dass das Herz in sich einig und stimmig wird, dass es ein mitleidsvolles Herz wird, ein Herz, das wahrnehmungsfähig ist für die Gegenwart Christi in ihm, aber auch aller Nächsten und von allem, was existiert. So ist für uns Christen alles heilig, was existiert: der Mensch, die Tiere, die beseelte und die unbeseelte Natur. Ohne in einen falschen Pantheismus zu verfallen, der die Natur mit Gott verwechselt, wissen wir doch, dass „Gott alles in allem ist“, und dass alles, was existiert, durch Gott und für Gott existiert.

Metropolit Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa

Nürnberg